Gaben den Startschuss für die Erkundung der Tiefengeothermie in Duisburg (v.l.): Oberbürgermeister Sören Link, NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur, Thomas Oertel, Projektkoordinator Tiefengeothermie bei den Stadtwerken Duisburg, und Andreas Gutschek, Vorstand Infrastruktur und Digitalisierung bei den Stadtwerken Duisburg (Quelle: Stadtwerke Duisburg)
„Duisburg geht voran“, so Neubaur. „Die Stadtwerke investieren in klimafreundliche Wärme, die unabhängig von fossilen Energien ist und langfristig bezahlbar bleibt. Das stärkt Klimaschutz, Versorgungssicherheit und den Wirtschaftsstandort. Als Land unterstützen wir dieses Projekt, weil es zeigt, wie die Wärmewende konkret bei den Menschen ankommt – in Duisburg und darüber hinaus.“
Zwischen rund 2.000 und 4.000 m Tiefe werden im Stadtteil Hochfeld wasserführende Gesteinsschichten erwartet, in denen aufgrund der mit der Tiefe zunehmenden Erdwärme das Wasser zwischen 80 und 130 °C heiß ist. Dieses Wasser soll an die Oberfläche gefördert werden, um die Wärme für das Fernwärmenetz nutzbar zu machen.
„Tiefengeothermie kann einen erheblichen Beitrag zu einer langfristig sicheren und klimafreundlichen Wärmeversorgung leisten. Unsere Stadtwerke gehen innovativ voran, um solche Potenziale in Duisburg zu erkunden und sie für die Menschen zu erschließen“, sagt Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link, der auch Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke Duisburg AG ist.
Die Stadtwerke haben sich das Ziel gesetzt, ihre Fernwärme bis zum Jahr 2035 vollständig CO2-neutral zu erzeugen. Für das Unternehmen wäre die Nutzung von Tiefengeothermie der Einstieg in eine neue Technologie der Wärmeerzeugung.
„Tiefengeothermie kann künftig eine tragende Rolle in unserer Erzeugungsstrategie spielen. Wärme, die wir auf diese Weise gewinnen, ist grundlastfähig. Sie steht also kontinuierlich und zuverlässig zur Verfügung, um den Mindestbedarf unseres Fernwärmenetzes zu decken. Wenn wir die erforderlichen, wasserführenden und nutzbaren Reservoire finden, könnten wir hier eine rund 20 MW leistungsstarke Anlage errichten. Diese sichert dann die Fernwärmeversorgung für zehntausende Haushalte, ohne Emissionen zu erzeugen“, erläutert Andreas Gutschek, Vorstand Infrastruktur und Digitalisierung bei den Stadtwerken Duisburg.
Bohrarbeiten beginnen im März 2028
Nach den Untersuchungen der vergangenen Jahre durch den Geologischen Dienst des Landes Nordrhein-Westfalen und die gewonnenen Erkenntnisse der Stadtwerke Duisburg ist klar, dass ein geeigneter Bohrplatz auf dem Gelände der Stadtwerke selbst – im hinteren Bereich eines ehemaligen Heizkraftwerks – zu finden ist. Insgesamt investieren die Stadtwerke Duisburg und das Land NRW rund 12,5 Mio. € in die Erkundungsbohrung.
Bis der Bohrer seine erste Umdrehung in den Untergrund an der Bungertstraße in Duisburg-Hochfeld macht, werden aber noch Monate vergehen. Die Bohrung muss detailliert geplant werden und wird in enger Abstimmung mit der Stadt Duisburg und den zuständigen Genehmigungsbehörden vorgenommen. Vor Beginn der eigentlichen Bohrung müssen die erforderlichen Genehmigungen mit Blick auf Berg- und Wasserrechte erteilt werden. „Unsere Planungen sehen vor, dass wir ab März 2028 mit der Bohrung beginnen, die dann mehrere Monate dauern wird“, erklärt Gutschek.
Zunächst wird ein rund 4.000 m tiefes Bohrloch abgeteuft, das sich von oben nach unten von rund 80 auf 22 cm verjüngt. Im Bohrloch werden dann verschiedene Testarbeiten durchgeführt, um die Eigenschaften des Untergrunds zu untersuchen. Anschließend folgen seismische Untersuchungen der Bohrumgebung, um die genaue Lage der am stärksten wasserführenden Gesteine zu ermitteln. Mit einer Ablenkungsbohrung wird aus dem vorhandenen Bohrloch in die dann durch die seismischen Untersuchungen genau bestimmten wasserführenden Reservoire vorgetrieben.
Eine solche Ablenkungsbohrung könnte voraussichtlich im Jahr 2029 umgesetzt werden. Werden die erwarteten Heißwasservorkommen gefunden, wird eine zweite Bohrung erforderlich, um abgekühltes Wasser wieder in die Tiefe befördern zu können. Ehe die erste Fernwärme aus Tiefengeothermie zur Verfügung steht, dauert es bis Anfang der 2030er-Jahre.