Holz aus den Klosterforsten und Substrate aus der Landwirtschaft von St. Ottilien liefern die Rohstoffe für die Wärmeversorgung aus Hackschnitzeln und Biogas (Quelle: Dr. Martin Frey)
Die Wärme wird über ein im Vor- und Rücklauf jeweils 1 500 m langes Wärmenetz mit Wärmerohren mit 100 bis 200 mm Durchmesser verteilt. Dieses Wärmenetz wird von Holzheizungen und einer Biogasanlage versorgt. Bei 0 °C Außentemperatur wird dafür rd. 1 MW Wärmeleistung benötigt. In den vergangenen Jahren wurde das Netz um 300 m erweitert (Bild 1). Dadurch verkürzte sich die Anbindung der landwirtschaftlichen Gebäude, der Kloster-Metzgerei, einer Schulküche und der Klostergärtnerei von 1 200 auf 100 bis 200 m.
„Dadurch konnten wir den Wärmebedarf noch etwas verringern“, berichtet Bruder Josef Thomas Götz vom Orden der Benediktiner (OSB), der für die Energieversorgung verantwortlich ist. Auch ein geplanter Neubau des ansässigen Gymnasiums soll an das Netz angeschlossen werden. Dieses bindet einen Heizölkessel und einen Kessel, der sowohl Biogas als auch Heizöl verbrennen kann, als Notkessel ein.
Wärmeerzeugung aus Biogas und Holzhackschnitzeln
Das weitläufige Klosterdorf umfasst Immobilien auf etwa 70 000 m2 Fläche, die alle mit Energie zu versorgen sind. Dazu zählen die Abteikirche und das Kloster mit rd. 70 Benediktinern, zahlreiche weitere Gebäude, wie das Gymnasium für rd. 700 Schüler sowie Wirtschaftsgebäude. Außerdem gibt es ein Exerzitienhaus, Gästehäuser, ein Missionsmuseum, ein Nähmaschinen-Museum, Gastronomie, Hofladen, eine Bahnstation auf der Strecke Weilheim/Ammersee – Augsburg, einen Verlag und sogar eine eigene Sternwarte.
Ein wesentliches Standbein bei der Energieerzeugung ist die Holznutzung: Die Äcker und Wälder der Erzabtei zählen zusammen mehr als 300 ha. Davon sind 135 ha Wald, der zu 80 % aus Fichten und zu 20 % aus Buchen, Eichen und weiteren Baumarten besteht. Außerdem betreibt das Kloster Ackerbau, Rinderzucht mit Milchwirtschaft und einen Geflügelhof. Im Jahr 2008 wurde die moderne Energiezentrale mit Biomasseheizungen eingerichtet, und seit 2010 gibt es eine Biogasanlage auf dem Gelände.
Energieversorgung aus eigener Hand
Der große Wärmebedarf und die eigenen Energiepotenziale aus der Landwirtschaft legten es nahe, die Energieversorgung in die eigenen Hände zu nehmen. „Dabei spielten ökologische Gründe eine große Rolle“, so Bruder Josef, der ein früher Pionier der Energiewende ist. „Ich habe einst bei Professor Sitzmann an der Ludwig-Maximilians-Universität in München Festkörperphysik studiert und 1984 meine Abschlussarbeit über die Steuerung eines Solarhauses geschrieben.“ Abgeschlossen habe er damals mit dem Ersten Staatsexamen. „Schon während meines Studiums habe ich einige Vorlesungen zu erneuerbaren Energien besucht; das war damals wirklich ein Exotenthema“, erinnert sich der mittlerweile 68-jährige Missionsbenediktiner.
Im Kloster kommt ihm dieses Fachwissen jetzt zugute: Schließlich sei die Bewahrung der Schöpfung ein wichtiges Element im Glaubensleben seiner Gemeinschaft. „Wirtschaftliche Gründe waren aber natürlich auch wichtig“, fügt er hinzu. Allerdings gäbe es hier nicht solche Amortisationserwartungen wie in der Wirtschaft. „Wir denken ja über längere Zeiträume.“ Bei der Energiezentrale wurde mit zwölf Jahren kalkuliert, die Biogasanlage sei jedoch schon nach sieben Jahren amortisiert gewesen. Immerhin seien die Entscheidungswege etwas einfacher als etwa in einem Dorf, wo viel mehr Bürger an einen Tisch kommen.