Strom aus Biogas-BHKW und PV-Anlagen
Der Strombedarf des Klosterdorfs beträgt jährlich etwa 1,6 GWh und kann mit 270 % Deckungsrate mehr als gedeckt werden. Den Großteil liefern die Biogas-BHKW. Der nicht verbrauchte Strom wird an die Stadtwerke Fürstenfeldbruck und über die Lechwerke verkauft. Rund 40 % gehen seit April 2023 in den Eigenbedarf, um die Anlage wirtschaftlicher zu betreiben.
Auf dem Klostergelände gibt es außerdem mehrere Photovoltaik-(PV-)Anlagen mit einer Gesamtleistung von 420 kWp, die mit jährlich etwa 160 MWh rund ein Zehntel des Strombedarfs decken. Die letzten größeren Investitionen wurden Ende 2023 in eine 200-kWp-Anlage auf dem modernen Kuhstall mit Melkkarussell und Besucherbereich vorgenommen, im August 2025 folgte noch eine 80-kWp-Anlage auf der Klosterwerkstatt. Letztere wurde in Ost-West-Richtung montiert, „um die Morgen- und Abendsonne im Eigenverbrauch besser nutzen zu können“, so Bruder Josef. Der Eigenverbrauch wurde durch eine Viertelstundenmessung per Digitalzähler ermöglicht.
Betriebserfahrungen und Nachhaltigkeit
Insgesamt seien die Betriebserfahrungen mit den Holzbrennern und der Biogasanlage sehr gut. Bruder Josef: „Man muss die Biogasanlage aber auch gut pflegen und das Substrat genau überwachen.“ Messgeräte und Sensoren ermöglichten, die Prozesse genau zu verfolgen. Die Größe des Wärmenetzes mache eine möglichst hohe Vorlauftemperatur von 65 °C im Sommer und 75 °C im Winter erforderlich. Mit dem Rücklauf von 50 °C wird der Fermenter der Biogasanlage beheizt. „Dadurch erreichen wir eine hohe Temperaturspreizung“, so Bruder Josef.
Die „Tank-oder-Teller-Diskussion“, also die Flächenkonkurrenz zwischen Energie- und Nahrungsmittelerzeugung, wurde vor dem Bau der Biogasanlage ausgiebig besprochen. Man sei sich der Problematik bewusst gewesen und habe pragmatisch entschieden. Bruder Josef: „Wir sparen mit der Anlage Energiekosten und können mit dem Geld in ärmeren Ländern Schulen und Krankenhäuser unterstützen, die zu unserem Orden gehören.“ Darüber hinaus werde eine sinnvolle Fruchtfolge mit Gerste, Weizen und Mais eingehalten. Ausgedehnte Blühstreifen dienten der Artenvielfalt.
Auch bei der Mobilität sind die Benediktiner dabei, die Vorzüge der eigenen Energieerzeugung zu nutzen: So befindet sich neben der Energiezentrale eine Strom-Tankstelle. „Die Erzabtei nutzt inzwischen vier Elektroautos für den Verkehr im Nahbereich, insbesondere für Lieferungen innerhalb des Klosterdorfs“, berichtet dazu Bruder Josef. Der Strom für die Ladungen stamme zum Teil aus den eigenen Solaranlagen – ein guter Anfang sei damit immerhin gemacht. Doch im Verkehrsbereich bleibt weiterhin viel zu tun. Dem technikbegeisterten Mönch wird daher auch in den kommenden Jahren die Arbeit nicht ausgehen.
Dr. Martin Frey Fachjournalist, Fachagentur Frey – Kommunikation für Erneuerbare Energien, Mainz, mf@agenturfrey.de, www.agenturfrey.de

