Der Aufbau des Wasserstoff-Kernnetzes soll bis 2055 durch Netzentgelte refinanziert werden. Mit der Festlegung WANDA will die Bundesnetzagentur hierfür den regulatorischen Rahmen schaffen.

Der Aufbau des Wasserstoff-Kernnetzes soll bis 2055 durch Netzentgelte refinanziert werden. Mit der Festlegung WANDA will die Bundesnetzagentur hierfür den regulatorischen Rahmen schaffen. (Bildquelle: malp/stock.adobe.com)

Der Aufbau des Wasserstoff-Kernnetzes soll bis 2055 durch Netzentgelte refinanziert werden. Mit der Festlegung WANDA will die Bundesnetzagentur hierfür den regulatorischen Rahmen schaffen und Vorgaben für die Bestimmung eines marktfähigen Entgelts für den Wasserstoffhochlauf geben. „Netzbetreiber und Investoren haben nun einen verlässlichen Ordnungsrahmen, der ihnen die Finanzierung des Kernnetzes auf privatwirtschaftlicher Grundlage ermöglicht. Zugleich können die Kunden sich darauf verlassen, dass es ein bundesweit einheitliches und bezahlbares Hochlaufentgelt geben wird. Der Ball für den Start in die Wasserstoffwirtschaft liegt nun bei den Netzbetreibern,“ sagt Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur.

Das Entgelt wird ab 2025 an allen Ein- und Ausspeisepunkten des Wasserstoff-Kernnetzes erhoben. Es soll bis zum Jahr 2055 möglichst konstant bleiben und nach einem erfolgreichen Hochlauf und dem Markteintritt einer hinreichenden Anzahl an Kunden schließlich Mehrerlöse generieren, um die anfängliche Kostenunterdeckung auszugleichen. Die vorübergehenden Finanzierungslücken bei den Netzbetreibern werden durch einen staatlich abgesicherten Fördermechanismus zwischenfinanziert, der als solcher nicht Gegenstand der Festlegung ist. Die Bundesnetzagentur überprüft die Höhe des Entgelts alle drei Jahre und passt es bei Bedarf an.

WANDA ist die erste Festlegung, die von der neuen Großen Beschlusskammer Energie erlassen wird. Die Einrichtung dieser Kammer erfolgte in Reaktion auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs, nach dem die Bundesnetzagentur wesentliche Rahmenbedingungen der Netzregulierung unabhängig von der Bundesregierung und dem nationalen Gesetzgeber bestimmen muss.

Wasserstoff-Kernnetz als weiterer Schritt der Dekarbonisierung

Mit dem Wasserstoff-Kernnetz soll in Deutschland eine völlig neue Energieinfrastruktur geschaffen werden, deren Aufbau für Deutschland von großer Bedeutung, aber auch mit hohen Kosten verbunden ist. Es soll grundsätzlich privatwirtschaftlich aufgebaut und vollständig über Netzentgelte finanziert werden. In den ersten Jahren wird allerdings nur eine geringe Nachfrage nach Wasserstoff erwartet. Langfristig geht die Bundesnetzagentur jedoch von einem etablierten Wasserstoffmarkt und einer größeren Anzahl an Netzkunden aus. Sie legt das Netzentgelt deshalb zunächst unterhalb eines kostendeckenden Entgelts fest, um zu verhindern, dass in den ersten Jahren des Netzaufbaus sehr hohe Entgelte den Wasserstoffhochlauf behindern. Durch die zeitliche Verschiebung tragen spätere Netzkunden die Aufbaukosten des Netzes mit.

Während die Methodik zur Entgeltbildung der Bundesnetzagentur obliegt, flankiert der Gesetzgeber dieses langfristige Amortisationssystem durch einen staatlichen Fördermechanismus zur Zwischenfinanzierung. Der Fördermechanismus ist nicht Bestandteil der WANDA-Festlegung, aber inhaltlich mit ihr verzahnt.

Im Zuge des öffentlichen Konsultationsverfahrens im April 2024 war das Amortisationssystem im Markt auf breite Zustimmung gestoßen. Sowohl potentielle Netzbetreiber als auch verschiedene Verbände von Händler- und Verbraucherseite und auch Einzelunternehmen begrüßten den Ansatz eines einheitlichen Hochlaufentgelts und der angedachten intertemporalen Verschiebung der Anfangskosten der neuen Infrastruktur. 

Weiteres Verfahren

Nächster Schritt ist der Antrag der Netzbetreiber auf die Genehmigung des Wasserstoff-Kernnetzes, der Mitte des Jahres zu erwarten ist. Des Weiteren müssen alle künftigen Kernnetzbetreiber, die bereits für das Jahr 2025 Kosten gelten machen wollen, bis zum 30. Juni 2024 ihre Kostendaten einreichen.

WANDA soll ab dem 1. Januar 2025 gelten. Im Rahmen dieser Festlegung wird das Hochlaufentgelt noch nicht in seiner Höhe bestimmt. Dieses sowie Ergänzungen zu Themen wie verschiedenen Transportprodukten oder möglichen Speicherrabatten erfolgen in separaten Festlegungen noch in diesem Jahr.

ew-Redaktion

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