So könnte der Elektrolyse-Standort in Nordenham künftig aussehen: EWE und Verbund entwickeln dort gemeinsam das Projekt „CHC Elektrolyse JadeWeser“ mit einer Leistung von bis zu 500 Megawatt. (Bildquelle: EWE)
Die Etablierung des Joint Ventures für das Projekt „CHC Elektrolyse JadeWeser“ durch die EWE Hydrogen GmbH und die Verbund Green Hydrogen GmbH erfolgt in einer Phase, in der sich der Wasserstoffmarkt zunehmend konsolidiert. Nach den ersten Jahren des Markthochlaufs zeigt sich, dass vor allem diejenigen Projekte erfolgreich umgesetzt werden können, die neben technologischer Kompetenz über belastbare Infrastruktur, gesicherte Standorte, starke Finanzierungspartner und konkrete Vermarktungsperspektiven verfügen, so die Einschätzung der Projektpartner.
Genau hierfür bündeln EWE und Verbund für das gemeinsame Vorhaben ihre komplementären Kompetenzen entlang der gesamten Wasserstoff-Wertschöpfungskette. Gemeinsam verfügen die Partner bereits heute über Wasserstoffprojekte mit einer Leistung von rund 400 Megawatt, die sich in Umsetzung oder bereits im Betrieb befinden.
„Mit dem Joint Venture schaffen wir die Grundlage für die Umsetzung eines der strategisch wichtigsten Wasserstoffprojekte in Norddeutschland. Für einen erfolgreichen Markthochlauf sind aber weiterhin regulatorische Anpassungen notwendig, wie zum Beispiel die RFNBO-Vorgaben der EU. Darüber hinaus braucht es aber auch starke Partnerschaften. Verbund und EWE haben in den vergangenen Jahren vielfältige Erfahrungen in großtechnischen Wasserstoffprojekten gesammelt, die wir nun zusammenlegen. Dies zahlt maßgeblich auf die erfolgreiche Umsetzung des Projektes ein“, sagt Stefan Dohler, Vorstandsvorsitzender der EWE AG.
Europäische Partnerschaft für Versorgungssicherheit und Dekarbonisierung
Das Projekt Elektrolyse JadeWeser ist ein zentrales Element der gemeinsamen Wasserstoffstrategie beider Unternehmen und konsequent europäisch ausgerichtet. Durch die Anbindung an das deutsche Wasserstoffkernnetz sowie die perspektivische Einbindung in zukünftige europäische Wasserstoffkorridore leistet das Vorhaben einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit, zur Integration europäischer Energiemärkte und zur Erreichung der europäischen Klimaziele.
Gleichzeitig stärkt die Produktion von grünem Wasserstoff auf Basis heimischer erneuerbarer Energien die europäische Autarkie und reduziert langfristig die Abhängigkeit von fossilen Energieimporten. Damit unterstützt das Projekt die Entwicklung eines resilienten, souveränen und wettbewerbsfähigen europäischen Energiesystems.
„Die Energiewende braucht leistungsfähige europäische Partnerschaften. Mit dem Joint Venture bündeln wir die Stärken zweier etablierter Energieunternehmen und schaffen die Voraussetzungen für eine sichere und wettbewerbsfähige Versorgung mit grünem Wasserstoff. JadeWeser ist für uns ein wichtiger Baustein einer künftig europäischen Wasserstoffwirtschaft“, erklärt Michael Strugl, CEO der Verbund AG.
Standortvorteile schaffen beste Voraussetzungen für Markthochlauf
Die besondere Stärke des Projekts liegt den Kooperationspartnern zufolge in seiner Standort- und Infrastrukturqualität. Prädestinierte Flächen im südlichen Stadtgebiet von Nordenham in der Wesermarsch sind langfristig gesichert. In unmittelbarer Nähe befinden sich ein leistungsfähiger 380-kV-Netzanschluss mit Ausbauperspektive bis in den Gigawattbereich sowie das zukünftige Wasserstoff-Kernnetz. Hinzu kommen eine gesicherte Wasserverfügbarkeit, bestehende Industrieinfrastruktur sowie die Nähe zu wichtigen Industrie-, Mobilitäts- und Importkorridoren, wie etwa der künftigen Autobahn A20.
Ein entscheidender Vorteil ist zudem der Zugang zu Wasserstoff-Kavernenspeichern beziehungsweise die unmittelbare Nähe zu entsprechenden Speicherinfrastrukturen. Dadurch kann Wasserstoff künftig flexibel gespeichert und bedarfsgerecht bereitgestellt werden. Dies stärkt die Versorgungssicherheit und schafft die Voraussetzungen für eine marktorientierte und wettbewerbsfähige Wasserstoffversorgung.
„Mit dem Projekt JadeWeser entsteht eines der infrastrukturell am besten positionierten Wasserstoffprojekte Europas. Der Standort steht dabei sinnbildlich für die energiewirtschaftliche Transformation in Europa: Neben einem ehemaligen Kernkraftwerk entsteht ein industrieller Knotenpunkt für die Produktion von grünem Wasserstoff. Dies schafft hervorragende Voraussetzungen für eine wirtschaftliche und sichere Wasserstoffversorgung“, sagt Jost Ahrens, Geschäftsführer der Verbund Green Hydrogen GmbH.
Integrierter Ansatz erhöht Realisierungswahrscheinlichkeit
„Mit CHC Elektrolyse JadeWeser können wir unseren Beitrag zum Aufbau einer leistungsfähigen Wasserstoffwirtschaft leisten und die Entwicklung eines großskalierten Wasserstoffprojekts gemeinsam aktiv vorantreiben. Gleichzeitig zeigt sich, dass der Markthochlauf nicht allein von technologischen Fortschritten abhängt“, sagt Tobias Moldenhauer, Geschäftsführer der EWE Hydrogen GmbH. Für Projekte mit langen Entwicklungs- und Investitionszyklen seien verlässliche regulatorische, wirtschaftliche und infrastrukturelle Rahmenbedingungen entscheidend. Dazu zählten insbesondere die Strombezugskosten und die aktuelle Mehrbelastung durch RFNBO-Vorgaben, Netzentgelte und indirekte Emissionskosten. Gleichzeitig brauche es Anreize für die wettbewerbsfähige Nutzung von Wasserstoff in der Industrie, beispielsweise durch geeignete Instrumente zur Kompensierung der Differenzkosten.
„Der Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft ist kapitalintensiv, langfristig angelegt und gerade im Markthochlauf mit unterschiedlichen Risiken verbunden. Umso wichtiger sind verlässliche strategische Partnerschaften. Mit Verbund haben wir einen Partner an unserer Seite, der unsere Überzeugung teilt: Grüner Wasserstoff wird ein zentraler Baustein für die Dekarbonisierung der Industrie. Gemeinsam wollen wir dieses Potenzial in einem starken Joint Venture erschließen“, so Moldenhauer.