Der erste netzneutrale Batteriespeicher im Netz der LVN steht in Balzhausen. (Bildquelle: LEW Verteilnetz/green flexibility)
Batteriespeicher sind ein zentraler Baustein der Energiewende: Sie nehmen überschüssigen Strom, zum Beispiel aus erneuerbaren Energien, auf und stellen ihn zeitversetzt wieder bereit. So helfen sie, Erzeugung und Verbrauch auszugleichen und die Versorgungssicherheit zu stärken. Insbesondere in Regionen mit hoher Photovoltaik-Einspeisung wie im Netzgebiet der LVN können Speicher daher eine sinnvolle Ergänzung sein.
Gleichzeitig stellt der wachsende Speicherzubau die Netze vor neue Herausforderungen. Denn in einzelnen Situationen kann das marktgetriebene Verhalten von Speichern zu zusätzlichen Belastungen führen. Die LVN hat deshalb früh reagiert und bereits 2024 ein eigenes Anschlusskonzept entwickelt: die netzneutrale Fahrweise.
Netzneutralität als Lösungsansatz
Dabei werden Batteriespeicher so betrieben, dass sie das Netz nicht zusätzlich belasten. Konkret bedeutet das: In Zeiten, in denen hohe Einspeisung aus erneuerbaren Energien auftritt, wird die Einspeisung der Speicher gezielt begrenzt – maximal für 1.000 Stunden im Jahr. So entstehen kritische Situationen gar nicht erst, und der Ausbau von Speichern wird nicht ausgebremst. Der Speicher in Balzhausen entsteht im Umfeld des Pilotprojekts „Einspeisesteckdose“, mit dem die LVN neue Wege zur Integration von Erneuerbaren und Speichern erprobt.
„Wir brauchen deutlich mehr Speicher im Energiesystem – aber wir müssen sie so integrieren, dass die Netze jederzeit stabil betrieben werden können und die Speicher nicht um Anschlüsse mit EE-Anlagen konkurrieren. Mit der netzneutralen Fahrweise lösen wir genau diesen Zielkonflikt. Der erste Anschluss in Balzhausen zeigt: Speicherhochlauf und sicherer Netzbetrieb lassen sich zusammenbringen“, sagt Barbara Plura, Projektleiterin bei der LVN.
Hohe Nachfrage und skalierbarer Ansatz
Dass der Ansatz funktioniert, wurde von unabhängiger Stelle bestätigt: Eine Bewertung durch die Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE) zeigt, dass die Begrenzung auf bis zu 1.000 Stunden pro Jahr die Wirtschaftlichkeit von Speichern kaum beeinträchtigt. Gleichzeitig bestätigt sich der Ansatz auch in der Praxis: Die LVN verzeichnet großes Interesse an entsprechenden Anschlussanfragen
Insgesamt wird es so möglich, rund 1 Gigawatt netzneutraler Speicherleistung in das bestehende Netz zu integrieren – ein erheblicher Beitrag für die effiziente Energiewende in der Region. Der Speicher in Balzhausen ist dabei bewusst kein Einzelprojekt, sondern der Startpunkt für eine Vielzahl weiterer Anlagen, die in den kommenden Monaten folgen sollen.
Mit dem neuen Konzept zeigt die LVN, wie sich der Hochlauf von Batteriespeichern pragmatisch beschleunigen lässt – ohne Kompromisse bei der Versorgungssicherheit.