Drohnen fliegen automatisiert Hochspannungstrassen ab und erfassen RGB-Bilder, Orthofotos oder Thermalaufnahmen. (Bildquelle: FlyNex)
Die Energiewirtschaft steht vor einer doppelten Herausforderung: Netze müssen schneller ausgebaut, bestehende Anlagen zuverlässiger betrieben und Instandhaltungsprozesse effizienter organisiert werden. Mitte März 2026 ist das Kritis-Dachgesetz in Kraft getreten. Viele Unternehmen müssen damit zum ersten Mal den physischen Schutz ihrer Anlagen systematisch nachweisen: mit Risikoanalysen, Meldepflichten und regelmäßigen Audits. Netzbetreiber brauchen nun regelmäßig Zustandsinformationen über ihre Objekte – von Freileitungen und Masten über Umspannwerke bis hin zu PV- und weiteren Energieanlagen.
Drohnen etablieren sich hierbei zunehmend. Sie erfassen in regelmäßiger Befliegung schwer zugängliche Anlagen schneller und sicherer. Die Herausforderung liegt darin, von Rohdaten zum fertigen Report zu kommen – die Daten zu sichten, zu bewerten, zu dokumentieren und daraus konkrete Maßnahmen abzuleiten. Hier entscheidet sich, ob digitale Inspektion im Asset-Management und in der Instandhaltung Wirkung entfaltet.
Achillesferse der Inspektion: Medienbrüche durch unterschiedliche Anwendungen
Asset-Management im Netzbetrieb bedeutet, Zustand, Risiken, Investitionsbedarf und Instandhaltungsmaßnahmen über viele Anlagen hinweg belastbar zu steuern. PwC beschreibt die Bereiche Netzbau, Instandhaltung sowie Auftrags- und Projektmanagement als große Herausforderung für Stadtwerke und Netzbetreiber, weil hier viele Prozesse, Systeme und Beteiligte zusammenkommen. Gleichzeitig wird künstliche Intelligenz zunehmend als Werkzeug diskutiert, um aktuelle Infrastrukturfotos mit Soll-Zuständen zu vergleichen und Handlungsbedarfe abzuleiten.
In der Praxis zeigt sich ein wiederkehrendes Muster: Flugplanung, Datenerfassung, Bildanalyse, Reporting und Übergabe in Folgesysteme werden oft getrennt voneinander behandelt. Unterschiedliche Dienstleister und Tools erzeugen Teilergebnisse. Am Ende liegen Bilder in Ordnern, Befunde in Tabellen und Reports in separaten Ablagen. Für das Asset-Management ist ein Befund aber erst dann wertvoll, wenn klar ist, wo genau er liegt, wie kritisch er ist, wie er sich entwickelt und welcher Folgeprozess ausgelöst werden soll.