Im Bild: Kleinere, von Bilfinger entwickelte H2Dry-Testanlage. In Huntorf (Wesermarsch) wird die H2Dry-Technologie erstmals im kommerziellen Maßstab zum Einsatz kommen. (Bildquelle: Bilfinger)
Der EWE-Konzern treibt den Aufbau seines Wasserstoffspeichers im niedersächsischen Huntorf (Wesermarsch) weiter voran. Das Tochterunternehmen EWE Gasspeicher GmbH hat jetzt den Industriedienstleister Bilfinger mit der Lieferung einer Gasaufbereitungsanlage beauftragt. Bilfinger übernimmt das Engineering, die Installation und die Inbetriebnahme der Anlage. Damit erreicht EWE einen weiteren wichtigen Meilenstein bei der Umrüstung einer bestehenden Erdgaskaverne für die großtechnische Speicherung von Wasserstoff.
Eine von sieben unterirdischen Erdgaskavernen am EWE-Speicherstandort Huntorf in der Wesermarsch wird dafür umgerüstet. Künftig stehen dort rund 16 Millionen Normkubikmeter Arbeitsgasvolumen für Wasserstoff zur Verfügung. Der Speicher soll an das Wasserstoffkernnetz angeschlossen werden und so Erzeugung, Transport und Nutzung flexibel miteinander verbinden.
Speicher stärken Versorgungssicherheit und Systemstabilität
Wasserstoff wird künftig dann erzeugt oder importiert, wenn Energie verfügbar ist – nicht unbedingt dann, wenn Industrie, Energieversorgung oder Kraftwerke ihn benötigen. Wasserstoffspeicher lösen dieses zeitliche Ungleichgewicht: Sie nehmen Wasserstoff auf, wenn er verfügbar ist, und stellen ihn bedarfsgerecht wieder bereit. Damit gleichen sie Schwankungen im Wasserstoffangebot aus, schaffen Flexibilität und stärken die Versorgungssicherheit und Stabilität im künftigen Wasserstoffsystem.
„Für eine sichere und verlässliche Energieversorgung brauchen wir Wasserstoffspeicher. Sie schaffen einen Puffer zwischen Erzeugung, Import und Verbrauch und sorgen dafür, dass Wasserstoff auch dann verfügbar ist, wenn er gebraucht wird. Unabhängig davon, wann er erzeugt oder geliefert wird. Mit unserem Speicher in Huntorf schaffen wir dafür konkrete Infrastruktur und gehen mit der Vergabe an Bilfinger einen weiteren wichtigen Schritt“, sagt EWE-Gasspeicher-Geschäftsführer Peter Schmidt. „Damit Wasserstoffspeicher ihre Funktion im künftigen Energiesystem erfüllen und Investitionen in die notwendige Infrastruktur umgesetzt werden können, sind verlässliche regulatorische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen ebenso entscheidend wie ein termingerechter Ausbau des Wasserstoff-Kernnetzes.“
Neue Technologie für die Wasserstoffaufbereitung
Bilfinger begleitet EWE bereits seit mehreren Jahren bei der Planung und Realisierung von Anlagen zur Wasserstoffspeicherung und -erzeugung an unterschiedlichen Standorten. Für den Speicher in Huntorf übernimmt der Industriedienstleister das Engineering, die Installation und die Inbetriebnahme der Anlage für die Wasserstofftrocknung. Dabei kommt erstmals die von Bilfinger entwickelte H2Dry-Technologie im kommerziellen Maßstab zum Einsatz.
„Die Speicherung von Wasserstoff erfordert effiziente und wirtschaftliche Aufbereitungslösungen. Mit H2Dry bieten wir genau das – und unterstützen unseren Kunden dabei, grünen Wasserstoff wettbewerbsfähig in den Markt zu bringen“, sagt Ulrich Trebbe, Product Manager Wasserstoff bei Bilfinger. „EWE und Bilfinger verbindet eine langjährige Zusammenarbeit und wir freuen uns sehr, diese weiter ausbauen zu dürfen, um einen Beitrag zur zukunftsfähigen Energieversorgung in Deutschland zu leisten.”
Huntorf verbindet Erzeugung, Transport und Nutzung
Der Wasserstoffspeicher Huntorf ist Teil des EWE-Großvorhabens „Clean Hydrogen Coastline“. Das Projekt bringt Erzeugung, Speicherung, Transport und Nutzung von grünem, aus erneuerbaren Energien erzeugten Wasserstoff im Nordwesten Deutschlands zusammen. Für das vierteilige Vorhaben im Rahmen des europäischen IPCEI-Programms (Important Project of Common European Interest) hat EWE im Sommer 2024 die Förderbescheide von Bund und Land Niedersachsen erhalten.
EWE setzt die Umrüstung der bestehenden Erdgaskaverne in Huntorf zum großtechnischen Wasserstoffspeicher derzeit schrittweise um. Die Gasaufbereitungsanlage ist dabei ein wesentlicher Bestandteil der künftigen Speicherinfrastruktur. Im Jahr 2028 soll der Speicher an das Wasserstoff-Kernnetz angebunden werden und in Betrieb gehen. Als Puffer zwischen Erzeugung, Transport und Verbrauch kann der Speicher Schwankungen im Wasserstoffsystem ausgleichen, Wasserstoff bedarfsgerecht bereitstellen und so die Versorgungssicherheit stärken.
Erfahrungen aus Forschung fließen in Huntorf ein
Den Nachweis, dass Wasserstoff sicher in Salzkavernen gespeichert werden kann, hat EWE im Rahmen eines Forschungsprojekts an seinem Gasspeicherstandort Rüdersdorf bei Berlin erbracht. Die Erkenntnisse aus Bau und Betrieb der dortigen 500-Kubikmeter-Testkaverne überträgt EWE nun auf großtechnische Kavernen wie in Huntorf.
EWE verfügt insgesamt über 37 Salzkavernen und damit über langjährige Erfahrung im Bau und Betrieb unterirdischer Energiespeicher. Dieses Know-how bringt das Unternehmen in den Aufbau einer Wasserstoffspeicherinfrastruktur ein.