Wir müssen die Energiewirtschaft ganzheitlich betrachten - Seite 2

Optimaler Standort für großtechnische Power-to-X-Anlage von Amprion und Open Grid: Lingen stellt den optimalen Schnittpunkt von Gas- und Stromnetz dar.
Amprion und Open Grid Europe haben einen geeigneten Standort für ihre großtechnische Power-to-X-Anlage gefunden. In Lingen befindet sich ein idealer Schnittpunkt zwischen dem Strom- und dem Gasnetz. (Bildquelle: OGE/Amprion)

Wie weit ist die Entwicklung eines reinen Wasserstoffnetzes in Deutschland?

Hüwener: Wasserstoffleitungen zu betreiben, ist erprobte Technik. Es gibt heute schon ein 240 km langes Wasserstoffnetz im Ruhrgebiet. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir in Zukunft unterschiedliche Leitungen parallel nutzen: Reine Erdgasleitungen, reine Wasserstoffleitungen und Leitungen mit einem Gemisch aus beiden Gasarten könnten sich gegenseitig ergänzen. Natürlich lässt sich aus Wasserstoff zusammen mit CO2 auch Methan erzeugen, dass dann als grünes Erdgas in das vorhandene System eingespeist wird. Auch das soll im Rahmen von Hybridge erprobt werden.

Bisher haben Sie gemeinsam mit Amprion viel Arbeit in die Idee investiert. Sie begründen die Entwicklung von Hybridge mit der Verantwortung für die Versorgungssicherheit in Deutschland. Woraus leiten Sie diese Aufgabe ab?

Hüwener: Rein formal ist es nach der aktuellen Marktordnung nicht mehr unser Auftrag, für Versorgungssicherheit zu stehen. Das war früher in vollintegrierten Unternehmen anders. Wenn wir aber über gesellschaftliche Verantwortung reden, wollen wir dazu beitragen, dass Deutschland die Klimaschutzziele erreicht und wir weiterhin ein sicheres und stabiles Energiesystem haben. Die volatile Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien braucht einen Partner, der in der Lage ist, Energie zu transportieren und zu speichern. Günstig ist dabei, dass die Infrastruktur dafür in Form der Gasnetze bereits vorhanden ist.

Wie wollen Sie die Kosten für das Projekt abbilden?

Hüwener: Wir werden im März 2019 einen Investitionsantrag bei der Bundesnetzagentur stellen. Wenn der Investitionsantrag genehmigt wird, fangen wir sofort mit der Realisierung an. Grundsätzlich bekommen wir als Spediteur nur die reine Transportdarstellung vergütet. Die Leistungen, die wir bisher erbracht haben, sind unser unternehmerisches Risiko. Das wird sich natürlich effizienzmindernd auswirken. Aber wir müssen auch die Zukunft gestalten. Daher war es strategisch wichtig, dafür Mittel in die Hand zu nehmen. Inzwischen sieht auch die Politik die Zukunft mit den Gasnetzen sehr positiv.

Der regulatorische Rahmen unterscheidet streng zwischen Strom und Gas. Wie kann eine gemeinsame Regelung aussehen?

Hüwener: Die Investitionsplanung von Strom- und Gasnetz muss stärker verzahnt werden. Um einen Effekt für das Gesamtsystem zu haben, ist es entscheidend, die jeweils oberste Ebene der beiden Netze zu verbinden. Nur so können die Transportkapazitäten genutzt werden. Daher sollte es uns Netzbetreibern auch erlaubt werden, solche Projekte gemeinsam durchführen zu können. Wir wollen ja kein Eigentum an den transportierten Commodities erwerben, sondern eine Power-to-X-Anlage dem Markt zur Verfügung stellen. Im Netzentwicklungsplan Strom sind solche Anlagen mit einer Kapazität von 1 bis 3 GW sogar vorgesehen.

Erwarten Sie von der Politik eine Art der Förderung für das Projekt?

Hüwener: Nein. Uns geht es um die Anerkennung des Systemtransformators als ein neuartiges Netzelement. Die Finanzierung erfolgt dann über Netzentgelte. Ein staatlicher Förder- oder Umlagemechanismus ist nicht erforderlich.

Auch wenn die geplante Anlage in der Relation zu dem bisher Bekanntem groß ist, wird es nur eine kleine Verbindung zwischen Strom- und Gasnetz sein. Wie werden Sie diese Brückenkapazitäten verteilen?

Hüwener: Wir kennen eine ähnliche Situation bereits von der Kapazitätsvergabe an den Grenzkuppelstellen im Strommarkt sowie bei den grenzüberschreitenden Gastransportkapazitäten. Geplant ist, die begrenzte Kapazität in Auktionen den Händlern oder Direktabnehmern anzubieten. Die Erlöse der Auktion mindern dann die Netzentgelte. Das kommt allen Verbrauchern zugute.

Astrid Sonja Fischer
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