Weitsichtige Festlegungen für die öffentliche Beleuchtung

Bild 3 zum Thema: Grundzüge Beleuchtungskonzept Sternenstadt Fulda
Bild 3. Die »Bat Lamp« ist eine besonders nachhaltige Leuchte mit der warmen Lichtfarbe »amber« (Bernstein) (Bild: RhönEnergie Fulda)

Die auf einem umfangreichen Antrag basierenden Vereinbarung der Stadt Fulda mit der IDA hat drei zentrale Ziele:

  • Nur so viel Licht wie nötig. Anpassung an den tatsächlichen Bedarf durch Dimmung oder Dimmprofile, Bewegungs-, Präsenzmelder oder auch Abschaltung.
  • Konsequente Ausrichtung auf 0°.  Keine Aufneigung der Leuchte, keine Verwendung von gewölbten Gläsern.
  • Lichtfarbe ≤ 3 000 K bzw. Einsatz von Lichtspektren mit wenig Blauanteilen.

Diese Prämissen gelten bei Neuinstallationen und beim sukzessiven Ersatz von alten Leuchten. Denn da Leuchten eine lange ­Lebensdauer haben, sind im Stadtgebiet Fulda noch eine größere Anzahl von Pilz- und Peitschenleuchten im Einsatz, die nun Zug um Zug gegen nachhaltige Leuchten ausgetauscht werden (Bild 3). Ein Leuchten-Kataster hilft bei der Planung und beim Monitoring.

In den kommenden acht Jahren werden in Fulda folgende Maßnahmen umgesetzt:

  • Umrüstung von rd. 600 Leuchten von gewölbtem Glas auf Planglas bei gleichzeitiger Reduzierung der Aufneigung von bis 15° auf 0° und Einstellung des Reflektors, um die zu beleuchtende Fläche weiterhin optimal zu beleuchten, aber ohne Streulicht zur Seite. Dies betrifft vor allem Kofferleuchten.
  • Ersatz von noch vorhandenen Pilz- und Peitschenleuchten, Zylinderleuchten sowie alten Koffer-, Kugel-, Schirm- und Glockenleuchten durch technische Leuchten.
  • Reduzierung der Lampenleistung von 70 auf 50 W (rd. 850 Stück) wo möglich mit der damit verbundenen vertretbaren Reduzierung des Lichtstroms.
  • Umrüstung auf Retrofit-Lampen von 70 auf rd. 30 W (rd. 270 Stück) wo möglich mit der damit verbundenen vertretbaren Reduzierung des Lichtstroms.
  • Umrüstung auf Halbnachtbetrieb (rd. 350 Stück) zu Nachtzeiten (z. B. von 22:30 bis 5:30 Uhr), wenn keine Beleuchtung erforderlich ist. Das heißt: Abschaltung oder kurzzeitige Einschaltung mittels Präsenzmelder.
  • Keine Beleuchtung von Radwegen, vor allem außerhalb geschlossener Ortschaften.

Wirtschaftlicher Vorteil: In Summe wird in der Stadt Fulda damit eine Energieeinsparung von jährlich 761 000 kWh erzielt und eine jährliche CO2-Reduzierung von rd. 400 t.

Perspektivisch noch viel ­Potenzial

Flankiert wird die Optimierung der Straßenbeleuchtung durch Maßnahmen in den anderen Bereichen (öffentlich, gewerblich, privat). Themen sind hier: Rückbau der Bodeneinbaustrahler, Optimierung der Schaufensterbeleuchtung (zu viel Licht außen auf der Straße statt im Schaufenster), Verzicht auf »dekorative« Anstrahlungen von Bäumen oder Gartenanlagen im privaten und gewerblichen Bereich. Verzicht auf Solar-Gartenleuchten und Nutzung von Rollos. Denn auch die nach außen dringende Zimmerbeleuchtung trägt zur Lichtverschmutzung bei.

Wie viele Dark-Sky-Orte gibt es bereits weltweit und wie viele davon in Europa?
Dr. John Barentine, IDA: »Weltweit gibt es 22. Nur fünf davon befinden sich in Europa und gerade einmal zwei in Kontinentaleuropa: die dänischen Inseln Møn und Nyord sowie Fulda. Viele der International Dark Sky Communities haben weniger als 1 000 Einwohner und nur in geringem Umfang öffentliche Beleuchtung. In Fuldas Größenklasse gibt es weltweit nur eine einzige weitere Sternenstadt: Flagstaff in Arizona. Das war 2001 die erste Dark Sky Community überhaupt. Flagstaff und Fulda haben beide rd. 70 000 Einwohner und viele tausend öffentliche Leuchten. Deshalb haben diese beiden Städte in Bezug auf die Erreichung der Ziele die ehrgeizigste Auf­gabe.«

In Bearbeitung ist derzeit das Lichtkonzept für die Kern-Innenstadtbereiche. Von der Stadt Fulda wurde eine »Lichtsatzung« verabschiedet und veröffentlicht. Gewerbetreibende, Installateure, Architekten und Private werden beraten und erhalten Handlungsempfehlungen. Parallel hat die Hessische Landesregierung Empfehlungen für Industrie und Gewerbe mit dem Titel »Nachhaltige Außenbeleuchtung« herausgegeben.

Weiterhin ist der Aufbau eines Lichtmesskonzepts vorgesehen, um die Verbesserungen (Rückgang der Lichtverschmutzungen) nachweisen zu können.

Auch werden Untersuchungen zum mesopischen Sehen vorangetrieben, das zwischen dem photopischen Sehen (Tagsehen, Zapfen) und dem skotopischen Sehen (Nachtsehen, Stäbchen) liegt. Bei dem mesopischen Sehen (Übergangsbereich) sind sowohl die Stäbchen als auch die Zapfen der Netzhaut des Auges beteiligt. Eine Lichtquelle mit höherem S/P-Verhältnis (relativer Beitrag der Stäbchen und Zapfen zur visuellen  Wahrnehmung) stimuliert die Stäbchen mehr (hellere Wahrnehmung) als eine Lichtquelle mit niedrigerem S/P-Verhältnis, bei gleichem photopischen Lichtstrom.

Beim Einsatz von LED-Leuchten wird durch das günstige S/P-Verhältnis die Wahrnehmung positiv beeinflusst und damit ggf. weniger Licht und somit eine niedrigere Leistung in der Lampe benötigt. Eine standardisierte Bewertung von Licht in diesem Bereich ist bis heute nicht erfolgt. Es gibt jedoch erste Untersuchungen, die Anhaltspunkte dafür liefern, dass die bekannten Messmethoden und Messgrößen zur Straßenbeleuchtung neu überdacht werden müssen, da alle Kenngrößen nach dem photopischen Sehen bewertet wurden. Damit sind die heutigen Lichtstrombewertungen durchaus in Frage zu stellen und sollen daher in Pilotprojekten untersucht werden.

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