Netze BW reagiert mit dem neuen Vergabeverfahren auf den wachsenden Bedarf an Netzanschlüssen und Leistungserhöhungen – und investiert zugleich in den Ausbau und die Modernisierung der Stromnetzinfrastruktur (Bildquelle: Netze BW)
Ziel ist es, verfügbare Anschlussleistungen transparent, fair und diskriminierungsfrei zu verteilen – und gut vorbereiteten Projekten mehr Planungssicherheit zu geben. "Die Vielzahl der eingehenden Anfragen zeigt deutlich, wie groß der Bedarf an schnellen und leistungsfähigen Netzanschlüssen ist", erklärt Jörg Reichert, Vorsitzender der Netze BW-Geschäftsführung. Die höchste gleichzeitig benötigte Leistung im Netz-BW-Netzgebiet habe 2025 bei 7,3 GW gelegen. Dem stünden heute offene Anschlussanfragen von über 20 GW in der Hochspannung und 2,2 GW in der Mittelspannung gegenüber, davon mehr als 93 % für Speicherprojekte.
"Die nachgefragte Anschlussleistung übersteigt damit bereits die bisherige Spitzenlast im Netz deutlich. Was in früheren Phasen angesichts geringerer Nachfrage praktikabel war, reicht unter diesen Bedingungen heute nicht mehr aus", so Reichert. Umso wichtiger sei es, knappe Kapazitäten nicht mehr allein nach dem Prinzip "Wer zuerst kommt, mahlt zuerst" zu vergeben. Wer sein Vorhaben gut vorbereitet, vollständige Unterlagen einreicht und ein konkretes Projekt nachweisen kann, bekomme schneller einen Netzanschluss, betont der Netz-BW-Chef.
Drei Kriterien stehen im Mittelpunkt
Das neue stichtagsbezogene Punkteverfahren setzt auf drei Kriterien. Eines ist die Projektreife. Je weiter ein Projekt bereits vorbereitet ist – etwa durch Kaufverträge, Reservierungsvereinbarungen oder Genehmigungen –, desto stärker wird dies berücksichtigt. Das zweite Kriterium ist die Ortsgebundenheit: Wenn ein Projekt an einen bestimmten Standort gebunden ist – etwa bei Erweiterungen bestehender Anlagen oder bei der Anbindung an Fern- und Nahwärmenetze –, fließt auch dies in die Bewertung ein. Zudem ist die Frühzeitigkeit von Bedeutung. Hier wird berücksichtigt, wie früh eine Anfrage angemeldet wurde.