Schutzmechanismen für Verteilnetze bei 100 % erneuerbaren Energien

Wenn mehrere kritische Ereignisse zeitgleich eintreten, bleiben oft nur Sekunden, um einen großflächigen Stromausfall zu verhindern (Bildquelle: AdobeStock/Dennisvdwater)

Ziel ist es, Verteilnetze so resilient zu gestalten, dass sie auch bei extremen Wetterereignissen, technischen Störungen oder Cyberangriffen zuverlässig funktionieren – selbst bei einem Anteil von nahezu 100 % erneuerbarer Energien.

Im Rahmen des vom AIT Austrian Institute of Technology koordinierten Projekts ProRES entstehen neue Verfahren zur präziseren Zustandseinschätzung von Stromnetzen, Frühwarnsysteme für potenzielle Probleme sowie intelligente Reaktionsmechanismen. Zu den Kernkomponenten gehören KI-gestützte Prognosen, ein Szenario-Analysetool, das Tausende von "Was-wäre-wenn"-Situationen pro Minute durchspielen kann, sowie ein innovativer Schutzmechanismus, der das Netz im Krisenfall kontrolliert in einen sicheren Notbetrieb überführt – vergleichbar mit einem Airbag, der einen Totalausfall verhindert, so die Projektpartner.

Entwicklung eines Airbag-Systems

OFFIS konzentriert sich innerhalb des Projekts auf die Entwicklung dieses "Airbag-Systems" – einer KI-gestützten, sicheren Degradation des Stromnetzes. Lernende Software-Agenten sollen in der kritischen Phase nach einem Störfall optimale Schalthandlungen vorschlagen und vorhandene Flexibilitäten wie Batteriespeicher oder Elektrofahrzeuge nutzen, um die Versorgung möglichst vieler Verbraucherinnen und Verbraucher aufrechtzuerhalten.

Ein weiterer Baustein des Projekts ist eine cyber-physische Trainings- und Testumgebung, in der reale Stromnetze samt IT- und Steuerungstechnik detailgetreu nachgebildet werden. Netzbetreiber können dort Extremsituationen gefahrlos durchspielen, neue Smart-Grid-Software auf Sicherheit und Regelkonformität prüfen und das Zusammenspiel von Mensch und KI in kritischen Momenten trainieren.

np-Redaktion

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