Das Hintergrundpapier "Künstliche Intelligenz in der Netzleittechnik" ist kostenlos als Download verfügbar (Bildquelle: Screenshot)
Vor allem der Einsatz von KI in kritischen Infrastrukturen wird häufig hinterfragt. Die Energietechnische Gesellschaft im VDE (VDE ETG) macht jedoch deutlich, dass es im Stromnetz bereits verschiedene Anwendungen gibt, in denen KI-Systeme zuverlässig arbeiten oder sich in Feldtests bewährt haben. So werden Last- und Einspeiseprognosen auf Basis von Wetter- und Kameradaten ermittelt. Ein anderes Beispiel sind Feldversuche im Rahmen des Verbundvorhabens GridAnalysis, die aufzeigen, dass KI-basierte Zustandsschätzungen in Niederspannungsnetzen mit hoher Genauigkeit erfolgen können.
Programme wie ChatGPT lassen sich in der Netzführung als Assistenzsysteme einsetzen, betont VDE ETG. Durch die Integration in sogenannte Retrieval Augmented Generation (RAG)-Systeme seien sie dazu in der Lage, relevante Informationen aus internen Dokumenten, technischen Vorschriften oder externen Quellen auf Anfrage bereitzustellen. Auch könnten solche Lösungen relevante Informationen hervorheben und so Entscheidungsprozesse beschleunigen.
Vierstufiges Implementierungsmodell
"Die Einführung von KI in der Netzleittechnik ist sensibel", stellt Dr. Ralf Petri, Geschäftsführer VDE ETG, fest. Es brauche klare Anforderungsprofile, eine überprüfbare Entwicklung, robuste Tests und einen kontrollierten Betrieb. Daher hat die VDE ETG ein vierstufiges Implementierungsmodell entwickelt, das sich an etablierten Prozessen wie dem Technischen Sicherheitsmanagement (TSM), dem Information Security Management System (ISMS, ISO/IEC 27001) oder der Softwareentwicklung entlang des V-Modells (ISO 26262-6) orientiert. Der regulatorische Rahmen für den Einsatz von KI ist der EU AI Act, dessen Vorgaben die VDE ETG im vorgeschlagenen Modell ebenfalls berücksichtigt.
Die Autoren des Hintergrundpapiers weisen allerdings darauf hin, dass der Begriff KI-Systeme im AI Act sehr weit gefasst ist. Auch seien Spielräume in der Definition technischer Dokumentationen enthalten, die es Herstellern erschweren, der Dokumentationspflicht ordnungsgemäß nachzukommen.