Die Studie benennt eine Vielzahl von Maßnahmen, mit denen sich die Effizienz industrieller Prozesse verbessern ließe. (Bild: Adobe Stock)
Stand 2023 hatte die deutsche Industrie einen Endenergiebedarf von 635,4 TWh/a. Dieser könnte durch die Umsetzung von wirtschaftlichen Endenergieeinsparmaßnahmen um etwa 40 % auf 263 TWh/a gesenkt werden, hat ein Forschungsteam der Hochschule Niederrhein ermittelt. Mit marktnahen Maßnahmen, die Amortisationszeiten von weniger als 3 Jahren haben, sollen sich etwa 28 % (176 TWh/a) der Einsparungen erreichen lassen. Die Einsparungen sind aufgeteilt in 134 TWh/a für Wärme und 42 TWh/a für Stromanwendungen, die nicht in den Wärmebereich fallen.
Ansatzpunkt: Wärmebereich bis 200 °C
Um die Ziele zu erreichen, müssten 104 Mrd. € in notwendige Investitionen fließen. Ihnen gegenüber stehen wirtschaftliche Endenergieeinsparungen in Höhe von rund 29 Mrd. €/a. Die mittlere Amortisationszeit läge damit bei 3,6 Jahren. Kumuliert über die nächsten 20 Jahre beträgt die gesamte Einsparung bei dem in der Studie beschriebenen Investitionspfad etwa 250 Mrd. €.
Zentrale Maßnahmen sieht die Studie in der Dämmung und in der Abwärmenutzung. Die Umstellung auf Wärmepumpen wird besonders im Wärmebereich bis 200 °C als zentrale Effizienzmaßnahme empfohlen. Laut Berechnung macht die gesamte Einsparung durch Elektrifizierung von Prozessen bei den Wärmeanwendungen etwa 20 % der Einsparungen aus. Zudem werden verbessertes Nutzerverhalten, die Steuerungs- bzw. Regelungsoptimierung, Betriebs- und Wartungsmaßnahmen, verbesserte Antriebe mit Drehzahlregelung, der Einsatz hocheffizienter Motoren oder die Nutzung einer freien Kühlung genannt. Einbezogen wurden auch die Erneuerung von Anlagen sowie die Nutzung von Umweltwärme.
Hemmnisse liegen in Unternehmen und Regulierung
Obwohl in vielen Unternehmen die Maßnahmen bekannt sind, identifiziert die Studie Hemmnisse, diese umzusetzen. Genannt werden Liquiditätsbeschränkungen und auf betrieblicher Ebene insbesondere fehlende Personalkapazitäten. Zudem konstatieren die Forscherinnen und Forscher, dass der Wunsch nach kurzen Amortisationszeiten in den Unternehmen höher gewichtet wird als Entscheidungen auf Basis einer Kapitalwertbetrachtung.
Darüber hinaus werden Investitionen in Energieeffizienz durch weitere Hemmnisse erschwert, die außerhalb des Einflussbereichs des einzelnen Unternehmens oder auch der gesamten Branche liegen. Hier wird insbesondere der politische Regulierungsrahmen als ein wichtiger Faktor genannt. Staatliche Eingriffe werden prinzipiell kritisch betrachtet, da diese üblicherweise die Effizienz von funktionierenden Märkten einschränken. Jedoch konstatiert das Forscherteam im Markt für Energieeffizienz ein Marktversagen, da es bisher nicht zu einem effizienten Marktergebnis gekommen ist. Sie schlagen eine offene Diskussion darüber vor, wie zusätzliche staatliche Unterstützung Energieeffizienz fördern könnte.
Eine energiesektorale Betrachtung der Subventionen auf Basis der Planung 2026 kommt zu dem Ergebnis, dass 13 der größten 20 Finanzhilfen mit insgesamt 42 Mrd. € auf den Energiebereich entfallen. Das entspricht über 70 % der Finanzhilfen. Bei den Steuervergünstigungen sind es 7,7 Mrd. €, was über 40 % der Steuervergünstigungen entspricht. Das Forscherteam legt daher nahe, die Vergünstigungen und Zuschüsse zu Energiekosten zu streichen und die freiwerdenden Mittel auf die Energieeffizienzfördermaßnahmen zu verteilen, für die dann keine zusätzlichen Bundesmittel aufgewendet werden müssten.
Neben dem betriebswirtschaftlichen Nutzen haben die Forscherinnen und Forscher auch einen volkswirtschaftlichen Nutzen errechnet, der sich aus der Spitzenlastreduktion ergibt. Einsparpotenzial soll sich dabei beim Bau von Gaskraftwerken ergeben. Hier wird ein Einsparpotenzial von 10 GW angenommen, wenn die Kraftwerke nicht bis 2025 gebaut werden müssen und damit 10 Mrd. € Investitionsbedarf einsparen werden könne. In Verbindung mit vermiedenen Erdgasimportkosten von etwa 1 Mrd. €/a kommt die Studie zu kumulierten volkswirtschaftlichen Einsparungen von 30 Mrd. € über den Zeitraum von 20 Jahren.
Die Studie der Hochschule Niederrhein mit dem Titel „Volkswirtschaftliche und betriebswirtschaftliche Bewertung der Energieeffizienz in der Industrie“ wurde im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe erstellt. Sie ist hier abrufbar.