Fazit

Abb. 3 Umwelt- und Klimaschutz, Wertung H2 2023 und H1 2024

Abb. 3 Umwelt- und Klimaschutz, Wertung H2 2023 und H1 2024 (Quelle: McKinsey & Company)

Abb. 4 Wirtschaftlichkeit, Wertung H2 2023 und H1 2024

Abb. 4 Wirtschaftlichkeit, Wertung H2 2023 und H1 2024 (Quelle: McKinsey & Company)

Deutschland ist im internationalen Vergleich ein Spätzünder, wenn es um die Abscheidung und Speicherung von CO2 geht. Werden nun aber zügig die erforderlichen rechtlichen Rahmenbedingungen geschaffen und, wo nötig, Fördermöglichkeiten ins Leben gerufen, könnten sich durch CCS neue Klimaschutzpotenziale bieten.

Derzeit fallen die Kosten noch so hoch aus, dass sich die Technologie für viele Marktteilnehmer nicht rechnet. Das könnte sich mit steigenden Zertifikatspreisen ändern. Ausschlaggebend für die künftige Entwicklung dürfte in jedem Fall sein, welche Option insbesondere die großen Emittenten wählen, die die Kostenkurve anführen: Setzen diese nicht auf CCS, bleibt ein erhebliches CO2-Volumen aus, und die Infrastrukturkosten für die verbleibenden Unternehmen würden deutlich steigen. Doch gerade in den Bereichen, in denen CO2 sich technisch anders nicht vermeiden lässt, könnte CCS zu einem Baustein der Energiewende im Hinblick auf das Netto-Null-Ziel werden.

Energiewende-Index: Die Indikatoren im Überblick

Der Energiewende-Index zeigt gegenüber der Veröffentlichung von März 2024 nur leichte Verschiebungen. Die deutlichste vollzieht sich in der Dimension Wirtschaftlichkeit: Der Haushaltsstrompreis fällt nach seinem kurzzeitigen Aufstieg in den Bereich der realistischen Zielerreichung wieder in die Kategorie „unrealistisch“ zurück. Damit sind aktuell sieben der insgesamt 15 Indikatoren realistisch und sechs unrealistisch in ihrer Zielerreichung. Zwei von ihnen – CO2e-Ausstoß und Reservemarge – stehen weiterhin auf der Kippe.

Sieben Indikatoren mit realistischer Zielerreichung

Der EE-Anteil am Bruttostromverbrauch ist in der ersten Jahreshälfte 2024 gegenüber dem zweiten Halbjahr 2023 von knapp über 50 % auf 58 % gestiegen und liegt auch deutlich über dem des ersten Halbjahrs 2023 (52 %). Das ist der höchste Wert seit Beginn der Energiewende. Der Indikator verbessert seine Zielerreichung von 109 auf 123 % (Abb. 3).

Für den Primärenergieverbrauch wurden neue Hochrechnungen für das Jahr 2023 veröffentlicht. Demnach sank der Verbrauch gegenüber dem Vorjahr um 941 PJ auf zuletzt 10.735 PJ (-8,1 %). Die Zielerreichung beträgt aktuell 108 %. Der starke Rückgang resultiert aus der schwachen Konjunktur, einem milden Winter und steigender Energieeffizienz. Haupttreiber der Entwicklung waren die hohen Energiepreise und der EE-Ausbau im Stromsektor.

Für den Indikator EE-Anteil am Bruttoendenergieverbrauch liegen ebenfalls neue Zahlen für 2023 vor. Danach stieg der Anteil im Vergleich zum Jahr 2022 um 1,2 Prozentpunkte auf 22 %. Hauptreiber war auch hier die vermehrte Nutzung erneuerbarer Energien im Stromsektor – ein Anstieg um mehr als 5 Prozentpunkte. Mit 104 % Zielerreichung bleibt der Indikator damit stabil realistisch.

Der deutsche Industriestrompreis hat sich im Verhältnis zur europäischen Preisentwicklung spürbar verteuert. In der aktuellen Erhebung liegt er 12,6 % über dem Europa-Mittel, im Halbjahr zuvor betrug die Differenz nur 3,3 % (Abb. 4). Ursache hierfür ist, dass die Preise im Ausland um 6 % gesunken sind, während sie in Deutschland um 2 % anzogen. Dennoch beträgt die Zielerreichung des Indikators immer noch 144 %. Der gute Wert liegt in der Berechnungsmethodik begründet: Steigen die Preise im europäischen Ausland stärker als in Deutschland, verbessert sich der Indikator – was in der Vergangenheit der Fall war. 2021 z.B. lagen die Industriestrompreise hierzulande noch satte 25 % über dem europäischen Durchschnitt. 2024 allerdings wird der deutsche Industriestrompreis voraussichtlich überproportional ansteigen, da der letztjährige Bundeszuschuss zu den Übertragungsnetzentgelten in Höhe von 12,8 Mrd. € nun wegfällt.

Für die Indikatoren Arbeitsplätze in erneuerbaren Energien sowie Ausfall Stromversorgung und Verfügbare Kapazität für Import aus Nachbarländern wurden keine neuen Daten veröffentlicht. Sie alle verbleiben jeweils im realistischen Bereich.

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