Nahaufnahme eines Mikrochips mit der EU-Flagge, der Europas Fortschritte in Technologie und digitaler Souveränität symbolisiert.

Nur 21 % aller befragten Unternehmen haben bereits eine Strategie entwickelt, sich in kritischen IT-Prozessen von nicht-europäischen Anbietern zu lösen. (Bild: Adobe Stock)

Aktuell wirkt die Antwort auf die Frage, wie es in deutschen Unternehmen um die Digitale Souveränität steht, wie ein Lippenbekenntnis. 92 % der branchenübergreifend Befragten gaben an, dass das Thema eine große Rolle spielt. Jedoch haben nur 21 % bisher eine dezidierte Strategie entwickelt, Digitale Souveränität zu erlangen – so das Kernergebnis der aktuell vorgelegten Studie „Index Digitale Souveränität“, für die von adesso und dem Handelsblatt Research Institute 500 Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitenden und Organisationen der öffentlichen Hand befragt wurden.

Verkürzte Betrachtung

Auch bei der Gewichtung des Themas im Unternehmen sind die Zahlen ernüchternd. Nur in 25 % der Unternehmen ist das Thema beim Vorstand angesiedelt. Eine Implementierung in die Gesamtstrategie der Unternehmen ist noch geringer. Lediglich 13 % der Unternehmen geben an, dass die Digitale Souveränität Teil der Unternehmensstrategie ist.

Angesiedelt ist das Thema mehrheitlich in der IT-Abteilung, so 46 % der Befragten. Dass das Thema eingeschränkt betrachtet wird, zeigt sich an den Schwerpunkten, auf die es reduziert wird. 72 % gaben an, dass sie das Thema Cloud in den Blick nehmen, 91 % betonen das Thema Sicherheit. Weitgehend unbeachtet sind rechtliche Aspekte und Regulierung, Weiterbildung und Kompetenzaufbau sowie Einkauf oder Supply-Chain-Management.

Bereitschaft, in Digitale Souveränität zu investieren

Deutlich ist die Abhängigkeit der befragten Unternehmen von nicht-europäischen Anbietern in Schlüsseltechnologien wie Cloud, Software und Künstlicher Intelligenz (KI). Das bestätigen 60 % der befragten Unternehmen. Im Schnitt liegt der Reifegrad der deutschen Wirtschaft bei 65,8 %, wobei Unternehmen (67 %) etwas besser als die öffentliche Verwaltung (64 %) abschneiden. Bei den Unternehmen führen wiederum kleinere (68,9 %) vor den größeren (64,2 %).

Der Aufbau Digitaler Souveränität wird aktuell durch fehlende Kompetenz, den Fachkräftemangel und hohe Kosten gebremst. Das Wissen, das sich die Unternehmen bewegen müssen, wächst jedoch. 80 % der Unternehmen geben an, für entsprechende Lösungen einen Aufpreis von im Schnitt 17 % zahlen zu wollen. Größere Unternehmen sind sogar bereit, einen Aufpreis von knapp 30 % zu akzeptieren.

Bei der Umsetzung von Digitaler Souveränität raten die Studienautoren dazu, das Maß der Unabhängigkeit von den Anwendungsbereichen und der Datensensibilität abhängig zu machen. Statt kompletter Autarkie müsse eine optimale Balance zwischen Unabhängigkeit und Wettbewerbsfähigkeit gefunden werden.

Weitere Informationen: adesso.de

„et“-Redaktion

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