Maximale Kosteneinsparungen lassen sich für gewerbliche Betriebe realisieren, wenn Marktpreise, Netzentgelte und lokale Lastprofile optimal aufeinander abgestimmt werden. (Bild: Adobe Stock)
Europas Energiesysteme werden grüner – und somit auch zunehmend volatiler. Mit dem wachsenden Anteil erneuerbarer Energien verschieben sich Preis- und Laststrukturen. Fürs Gewerbe entsteht daraus nicht nur ein Risiko, sondern auch ein wirtschaftlicher Hebel. Ein dynamischer Stromtarif mit Spotmarktpreisen ermöglicht es Unternehmen, Marktschwankungen gezielt zu nutzen und von günstigen Preisphasen zu profitieren.
Die dynamischen Tarife haben keinen festen Arbeitspreis, sondern sind an die sich viertelstündlich ändernden Großhandelspreise im Day-Ahead-Markt der europäischen Strombörse EPEX Spot gekoppelt. Day-Ahead bedeutet, dass hier in Abhängigkeit von Angebot und Nachfrage die Preise für den nächsten Tag ausgehandelt werden. Bspw. ist der Strom nachts aufgrund der geringeren Nachfrage oder zur Mittagszeit, wenn viel Solarstrom ins Netz gespeist wird, günstiger. Verbraucher zahlen je nach Tageszeit und Marktsituation unterschiedliche Preise. Besonders wirksam wird dieser Ansatz in Kombination mit einem intelligenten Energiemanagementsystem und einem Batteriespeicher. Der Speicher lädt bei niedrigen Preisen und gibt die Energie bei höheren Preisen wieder ab – so werden Stromkosten optimiert.
Reduzierte Netzentgelte nutzen
In Deutschland wirken seit April 2025 zeitvariable Netzentgelte als weiterer Hebel. Die Netzbetreiber legen dafür gemäß Modul 3 in § 14a des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) drei Tarifstufen fest. Sie sind einerseits variabel, andererseits recht starr, da sie zeitlich fixiert sind. Sie gelten als Wegbereiter für viertelstündliche dynamische Netzentgelte, die derzeit im Verfahren zur Festlegung der Allgemeinen Netzentgeltsystematik Strom (AgNes) der Bundesnetzagentur angestrebt werden.
Schon sehr viel länger als dynamische Netzentgelte gibt es eine weitere Einsparmöglichkeit für Unternehmen mit atypischer Netznutzung. § 19 der deutschen Stromnetzentgeltverordnung (StromNEV) erlaubt es diesen Unternehmen, unter bestimmten Voraussetzungen mit ihrem Netzbetreiber ein reduziertes, individuelles Netzentgelt zu vereinbaren. Dafür müssen sie ihre Jahreshöchstlast auf Zeiten außerhalb definierter Hochlastzeiten verschieben, die die Netzbetreiber jedes Jahr neu festlegen.
Auf diese Weise lassen sich Markt- und Netzkosten gleichzeitig senken. Das volle Einsparpotenzial entfaltet sich, wenn diese Mechanismen mit lokalen Optimierungsansätzen kombiniert werden – etwa mit solarer Eigenverbrauchsoptimierung oder Lastspitzenkappung. So entsteht ein ganzheitliches Energiemanagement, das Kosten reduziert, Netze entlastet und die Wirtschaftlichkeit nachhaltig steigert.
Wie nutzt das Gewerbe flexible Tarife?
Die Grundlage dazu bildet ein geeigneter dynamischer Stromtarif in Kombination mit einem leistungsfähigen Stromanschluss mit registrierender Leistungsmessung (RLM), also einer viertelstündlichen Erfassung des Strombezugs. Bei Unternehmen, die mehr als 100 MWh verbrauchen, ist eine RLM-Messung bereits heute Standard. Darauf aufbauend kann der Standort modular erweitert werden – etwa durch einen Batteriespeicher, Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge oder eine solare Eigenverbrauchsoptimierung.
Sowohl Einstiegshürden als auch Anfangsinvestitionen bleiben damit überschaubar, während der wirtschaftliche Nutzen schrittweise wächst. Eine intelligente Software verbindet alle Komponenten miteinander. Eine lokale Steuereinheit erfasst Erzeugung und Verbrauch in Echtzeit und steuert Batteriespeicher sowie Ladeinfrastruktur vollautomatisch anhand von Preis- und Lastsignalen. Die Optimierung erfolgt dabei kontinuierlich im Hintergrund – ohne manuellen Eingriff und ohne Auswirkungen auf interne Abläufe wie bspw. Fertigungsprozesse.
Größter Hebel wirkt im Zusammenspiel der Komponenten
Der Markt sei aktuell stark fragmentiert, resümiert Frank Blessing, Managing Director bei der auf Energielösungen für Unternehmen spezialisierten Coneva GmbH. Es gebe spezialisierte Anbieter für dynamische Tarife, für Lastspitzenkappung oder für lokale Energiemanagementsysteme. „Nur wenige Unternehmen verbinden diese Bausteine ganzheitlich in einer integrierten Lösung.“ Gerade in der intelligenten Kombination aus dynamischem Tarif, Speicher und Energiemanagement liege jedoch der größte wirtschaftliche Hebel. „Erst durch das Zusammenspiel aller Komponenten lassen sich Marktpreise, Netzentgelte und lokale Lastprofile optimal aufeinander abstimmen – und damit maximale Kosteneinsparungen realisieren", erklärt Blessing.
Unternehmen suchen vor allem messbare Einsparungen bei minimalem operativem Aufwand. Gefragt sind daher integrierte Gesamtlösungen, die dynamische Stromtarife, Batteriespeicher und Ladeinfrastruktur automatisch und intelligent steuern – ohne zusätzlichen Aufwand für die Betreiber.