E-Lkw flexibel laden im Depot

Produktionsbetriebe und Handelsstandorte mit planbaren Lastprofilen profitieren erheblich von diesen Ansätzen. Das Angebot der Coneva basiert auf einem dynamischen Stromtarif kombiniert mit einem sog. Profit-Share-Modell: Die Vergütung für den Service ist direkt an die tatsächlich erzielten Einsparungen gekoppelt. So werden Investitionsrisiken minimiert und Einstiegskosten deutlich reduziert.

Besonders attraktiv ist das Modell für Standorte mit einem Jahresverbrauch ab etwa 100 MWh. Ein typisches Beispiel sind Logistikdepots: Die Lkw stehen dort planbar über Nacht oder zwischen Touren am Standort, ihre Ladeleistung ist steuerbar und häufig hoch. Dadurch werden die Fahrzeugbatterien selbst zu einem wertvollen Flexibilitätsinstrument. Kombiniert man sie mit einem stationären Batteriespeicher, können Unternehmen Lastspitzen gezielt kappen, teure Hochlastzeitfenster vermeiden und günstige Marktpreisphasen systematisch nutzen.

Wie ermittelt man potenzielle Einsparungen?

Ähnliche Effekte zeigen sich bei Produktionsbetrieben mit hohem Energiebedarf und planbaren Lastprofilen. Auch sie profitieren von einer intelligenten Steuerung – wenngleich das genaue Einsparpotenzial je nach Standort, Lastprofil und verfügbarer Flexibilität variiert. Zwei Faktoren treiben die Einsparungen: Unternehmen nutzen zur Strombeschaffung gezielt günstige Preisfenster und sie vermeiden Lastspitzen, wodurch ihre Netzentgelte sinken.

Wie wirkungsvoll dieses Zusammenspiel sein kann, zeigt ein Projekt, das von Coneva beim Logistikunternehmen Döpke Logistik GmbH + Co KG in Endingen am Kaiserstuhl realiei: Eine Photovoltaikanlage mit 430 kW Spitzenleistung, ein Batteriespeicher mit 400 kWh Kapazität sowie zwei E-Sattelzugmaschinen mit Schnellladepunkten werden dort über ein zentrales Energiemanagementsystem intelligent koordiniert. In einem ähnlichen Projekt wurden durch die Kombination aus solarer Eigenverbrauchsoptimierung, Lastspitzenkappung, dynamischer Beschaffung und gezielter Verlagerung der Jahreshöchstlast die Stromkosten um rund 20 % gesenkt.

Abrechnung für Versorger komplex

Die Abrechnung dynamischer Tarife ist für Energieversorger komplex, weil sie bislang größtenteils manuell läuft. Das Schweizer Unternehmen Exnaton stellt Energieversorgern deshalb eine Softwareplattform zur Verfügung, die komplexe Stromprodukte für Endkunden automatisiert und revisionssicher abrechnet. Typische Anfragen kommen von Versorgern, die dynamische Tarife für Geschäftskunden entwickeln und dafür eine sichere Ende-zu-Ende-Lösung für die Verarbeitung von Börsenpreisen, Netzentgelten, Umlagen sowie Sonderformen wie individuelle Netzentgelte gemäß § 19 StromNEV benötigen.

In Studien und Praxisanwendungen können Kunden mit dynamischen Tarifen durchaus zwischen 10 und 30 % bei Energie- und Netzkosten einsparen. Ein vereinfachtes Beispiel rechnet Fabian Stocker, Head of Key Account Management bei Exnaton vor: Ein KMU mit 100 MWh Jahresverbrauch, einem durchschnittlichen Energiepreis von 25 ct/kWh und Netzentgelten von 10 ct/ kWh zahlt heute Stromkosten von rund 35.000 €/a. Eine Reduktion um 20 % entspricht immerhin 7.000 €.

Dynamische Netzentgelte in Europa

Mehrere europäische Länder arbeiten bereits mit zeit- oder leistungsabhängigen Netzentgelten. So sind die Niederlande stark leistungsbasiert, das Vereinigte Königreich setzt auf sog. Time-of-Use-Signale, und auch Spanien sowie die skandinavischen Länder nutzen zunehmend zeitabhängige Modelle.

Deutschland verfügt mit § 19 StromNEV und § 14a EnWG über gesetzlich verankerte Flexibilitätsmechanismen. Leistungspreissignale und Hochlastzeitfenster gewinnen europaweit an Bedeutung und werden für Unternehmen mit planbaren Lastprofilen immer relevanter.

In der Schweiz werden Energiekosten und Teile der Netzentgelte schrittweise dynamisiert, etwa über leistungsabhängige Komponenten, zeitvariable Arbeitspreise und neue dynamische Netz- beziehungsweise Gesamttarife, wie sie die Axpo-Tochter CKW ab 2026 auf Basis eines flächendeckenden Smart-Meter-Rollouts in ihrem Versorgungsgebiet anbieten will.

Flexibilität als wirtschaftliche Ressource

Auf EU-Ebene verlangt die Elektrizitätsbinnenmarktrichtlinie 2019/944 Netztarife, die Flexibilität anreizen und Doppelbelastungen vermeiden. Berater wie SmartEn und FTI Consulting haben hierzu eine Roadmap für kostendeckende Netzstrukturen veröffentlicht. Sie betont, dass Netztarife künftig stärker die tatsächlichen Systemkosten widerspiegeln und flexible Verbraucher entlasten sollen. Damit entsteht für Gewerbekunden in ganz Europa ein wachsendes Feld an dynamischen Energie- und Netzprodukten – und ein klares Signal, Flexibilität als wirtschaftliche Ressource zu begreifen.

Niels Hendrik Petersen, Energie- und Wirtschaftsjournalist, Berlin
info@em-power.eu

EM Power Europe: Flexibilität in der Praxis umsetzen

 

Dynamische Stromtarife und variable Netzentgelte sind ein Schlüssel für die Energiewende. Entdecken Sie auf der EM-Power Europe vom 23.–25. Juni 2026 in München, wie Unternehmen Energiekosten senken, ihre Flexibilität steigern und die Energiewende zum echten Wettbewerbsvorteil machen können. Die EM-Power Europe bietet Entscheidern aus Industrie und Gewerbe Know-how und Technologien rund um die dezentrale, erneuerbare Energieversorgung, Energiemanagement, Last- und Flexibilitätsmanagement für Gebäude und Gewerbe, Advanced Metering Infrastructure sowie Energy-as-a-Service.

Zusätzliche Impulse bietet an allen drei Messetagen das im Rahmen der EM-Power Europe stattfindende „The smarter E Forum“ mit praxisnahen Vorträgen, etwa zu intelligentem Energiemanagement. Flexibilität steht auf der EM-Power Europe Conference, am 22.  und 23. Juni 2026 im Fokus, unter anderem in den Sessions „Electric Vehicle Grid Integration – Scaling up Flexibility“ und „Turning Industrial and Commercial Demand Side Flexibility into Value“.

Die EM-Power Europe ist Teil von The smarter E Europe, Europas größter Messeallianz für die Energiewirtschaft. Zu ihren vier parallel stattfindenden Fachmessen Intersolar, ees, Power2Drive und EM-Power Europe werden 2.800 Aussteller und 100.000+ Energieexperten erwartet.

Weitere Informationen: EM-Power.eu

 

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