Stilisiertes Haus, in dem die Effizienzklassen von A nach G aufgetragen sind.

Zwar sind Effizienzklasse und Baumaterialien entscheidende Faktoren für Gebäudeemissionen, die Potenziale der Betriebsoptimierung sollten jedoch nicht unterschätzt werden. (Bild: Adobe Stock)

Eine Ende Oktober in Nature Communications veröffentlichte Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die Emissionen des Baugewerbes bei sofortiger Klimaneutralität aller anderen Sektoren allein das 1,5-°C-Ziel des Pariser Klimaabkommens überschreiten werden. Eine Ende Oktober in Nature Communications veröffentlichte Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die Emissionen des Baugewerbes bei sofortiger Klimaneutralität aller anderen Sektoren allein das 1,5-°C-Ziel des Pariser Klimaabkommens überschreiten werden. Basis ist die Ermittlung der Emissionen des globalen Gebäudesektors in den letzten drei Jahrzehnten, deren Entwicklung bis 2050 projiziert wird. Laut Forscherteam verursacht das Baugewerbe etwa ein Drittel der globalen CO₂-Emissionen, hauptsächlich durch die Herstellung von Zement, Stahl und Ziegeln. Ihr Anteil an den Bauemissionen stieg seit 1995 von 39 % auf 57 %. Die Forschenden gehen davon aus, dass 2022 40 % der CO₂-Emissionen aus Zement, Klinker, Ziegel und Ton stammen. Metalle machen weitere 15 % aus. Daher sollten künftig mehr biobasierte, zirkulär genutzte und wiederverwendete Materialien zur Reduzierung von Emissionen im Baugewerbe zum Einsatz kommen.

Optimierung des Energieverbrauchs

Mit Exergio weist ein Unternehmen, das international in der Gebäudewartung aktiv ist, jedoch darauf hin, dass auch bei klimaneutral errichteten Gebäuden nach ihrer Inbetriebnahme weiterhin Energie verbraucht wird und dieser Verbrauch entsprechend optimiert werden müsse. Der Ersatz von Beton und Stahl durch biobasierte Materialien trägt zwar dazu bei, die Herausforderungen an der Baustelle zu minimieren. Das Unternehmen richtet den Blick jedoch darauf, dass selbst Gebäude aus klimaneutralen Materialien weiterhin Energie nutzen und ggf. verschwenden. Auch die IEA weist in ihrem aktuellen Marktbericht „Energy Efficiency 2025“ darauf hin, dass die breitere Nutzung digitaler Optimierungsmethoden einen Hebel bietet, um den CO₂-Fußabdruck von Gebäuden zu reduzieren – neben strengeren Bauvorschriften und höheren Investitionen in Gebäudesanierungen.

„Sobald Gebäude in Betrieb sind, entsteht unbemerkt Energieverschwendung: Heiz- und Kühlsysteme arbeiten gegeneinander, Sensoren liefern ungenaue Messwerte, und Räume bleiben lange warm oder kalt, nachdem niemand mehr da ist. Diese Verluste summieren sich schnell“, erklärt Donatas Karčiauskas, CEO von Exergio. „Die gleiche Ineffizienz, die bei der Materialproduktion beginnt, setzt sich im Betrieb fort. Sie ändert nur ihre Form.“ Da eine Umstellung des weltweiten Gebäudebestands auf neue Materialien Jahrzehnte dauern würde und von den Kosten her nicht zu stemmen wäre, schlägt Exergio vor, die Betriebsoptimierung von Gebäuden stärker in den Blick zu nehmen.

Das Unternehmen sieht Effizienzpotenziale von um die 30 %, wenn KI-basierte Plattformen mit bestehenden Gebäudemanagementsystemen verbunden werden und Heizung, Kühlung und Lüftung kontinuierlich steuern. Solche Systeme ermöglichen es, auf Basis der Analyse von Echtzeitdaten wie Belegung, Wetterbedingungen und Temperaturschwankungen Sollwerte automatisch zu korrigieren und damit Energieverschwendung zu vermeiden. Die digitale Modernisierung solle darauf zielen, nicht Anlagen zu ersetzen, sondern sie mitdenken zu lassen.

Sanierung und internationale Entwicklung

Für den Exergio-Ansatz spricht, dass hinsichtlich Materialemissionen dieselbe Logik auch für umfassende Sanierungen gilt, die häufig als Alternative zur Emissionsreduzierung in Gebäuden vorgeschlagen werden. Der großflächige Austausch von Fassaden, Fenstern oder Heizung, Lüftung und Klimatechnik (HLK) erfordert kohlenstoffintensive Materialien, die laut Studie mit steigenden Emissionen in Verbindung stehen.

Das Unternehmen konzentriert sich aktuell auf Bestandsgebäude im asiatischen Markt, da dort Nachfrage und Energieintensität rasant steigen. Laut Nature-Communications-Studie verursacht Asien mittlerweile über 70 % des baubedingten CO₂.  Nordamerika und Europa bauen zwar weniger, setzen aber weiterhin auf Beton und Stahl. Afrika und der Nahe Osten wachsen derweil jedes Jahr schneller, da ihre Städte rasant expandieren.

Weitere Informationen: exergio.com, nature.com, iea.org

„et“-Redaktion

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