Porträtfoto von Steffen Homann, Leiter Trade, Geschäftsbereich Energie, KISTERS AG, Aachen.

Steffen Homann, Leiter Trade, Geschäftsbereich Energie, KISTERS AG, Aachen. (Bild: KISTERS)

„et“: Herr Homann, viele in der Branche sagen, die Komplexität des Portfoliomanagements (PFM) habe in den letzten Jahren deutlich zugenommen.

Homann: Das kann ich ohne Einschränkung bestätigen. Die Veränderungen im Energiehandel wirken heute viel stärker auf die IT-Systeme als früher. Die Märkte bewegen sich schneller, reagieren unmittelbarer auf Wetterdaten, Einspeisungen oder Netzsituationen, und die Abstimmung zwischen Prognose, Risiko, Portfolio und Handel muss nahezu in Echtzeit erfolgen. 

„et“: Was war früher anders?

Homann: Früher konnte ein PFM-System über Nacht Daten verarbeiten, Berichte vorbereiten und am nächsten Morgen Ergebnisse bereitstellen. Heute ist Schnelligkeit ein zentraler Wettbewerbsparameter. Intraday-Prozesse laufen im Minuten- oder Sekundenraster. Die Energiemengen werden kleinteiliger, die Handelsentscheidungen dynamischer – und das bedeutet, dass Systeme eine völlig andere Belastung aushalten müssen.

„et“: Das ist der Volatilität des Marktes geschuldet … 

Homann: Richtig, aber gleichzeitig sind auch die Erwartungen an Transparenz, Governance und Compliance stark gestiegen. Entscheider wollen jederzeit nachvollziehen können, warum ein Portfolio reagiert hat, wie Preis- und Risikoeffekte zusammenhängen und ob gesetzliche Vorgaben korrekt umgesetzt wurden. Diese Nachvollziehbarkeit erzeugt zusätzlichen Druck auf Datenqualität und Systemarchitektur. Kurz gesagt: Die fachlichen Prozesse sind vergleichbar geblieben, aber ihre Frequenz, ihr Volumen und ihre technische Anforderung haben sich vervielfacht. Und damit steigt die Komplexität eines PFM-Systems ganz automatisch.

„et“: Das lässt sich nicht mit herkömmlichen Tools einfangen? 

Homann: Diese Komplexität lässt sich nicht sinnvoll in einer einfachen Windows-Applikation beherrschen. Für den Betrieb moderner Softwaresysteme werden technisch anspruchsvolle Plattformarchitekturen wie z. B. Kubernetes benötigt. Die Systeme müssen so geschnitten sein, dass sie hochverfügbar, skalierbar und sicher laufen. Also praktisch ohne Downtime, auch wenn gleichzeitig große Datenvolumina durchlaufen oder neue Marktinformationen verarbeitet werden.

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