Kompass, bei dem ein grüner Pfeil auf das Wort Energiewende weist

Damit die Energiewende erfolgreich voranschreiten kann, bedarf es der dringenden Etablierung neuer Marktmechanismen. (Bild: Adobe Stock)

Wie mögliche Lösungsansätze aussehen können, hat der in den USA beheimatete Anlagenhersteller und Energiedienstleister GE Vernova in einem White Paper zusammengefasst. Ausgangspunkt des Papiers ist die Feststellung, dass Deutschlands Energiesystem vor signifikanten Herausforderungen steht, eine zuverlässige und bezahlbare Energieversorgung unter Aufrechterhaltung der Klimaschutzziele sicherzustellen. Angesetzt wird von GE Vernova am Monitoring-Bericht des BMWE, der am 15.09.2025 veröffentlicht wurde. Auf Basis eigener Kenntnisse und Daten entwickelt GE Vernova dabei eine eigene Perspektive auf die deutsche Energielandschaft.

Zeitfaktor entscheidet

Das Unternehmen vertritt die Auffassung, dass die nächsten Jahre kritisch für die Zukunft des deutschen Energiesektors sind. Nur mit einem stärker integrierten und holistischen Planungsansatz könne es gelingen, Wachstum sicherzustellen und gleichzeitig ein zuverlässiges und bezahlbares Energiesystem zu garantieren. GE Vernova sieht große Potenziale, die durch sorgfältige Planung, Koordination und Investments erwachsen können. Umgekehrt wird das Verharren in Untätigkeit als äußerst schädlich bewertet.

Der Monitoring-Bericht zeige, dass der klassische energiepolitische Rahmen, der durch die Trias Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit gebildet wird, heute nicht mehr ausreiche, die Nuancen und Randbedingungen zu erfassen. Stärker einbezogen werden müsse das Risiko der erwarteten Energieunterdeckung (expected energy not served – EENS) sowie die Kappung erneuerbarer Energien in den 2040er Jahren. Zudem müsse der Aufbau von Flexibilitäten, Netzinfrastrukturen und gesicherten Kapazitäten einbezogen werden. Als weitere multidimensionale Faktoren werden Marktdesign, globale Realitäten, Klimaveränderungen, Wettbewerbsfähigkeit und Systemkosten genannt.

Etablierung neuer Marktmechanismen

Um diese Faktoren zu berücksichtigen, schlägt GE Vernova eine integrierte Systemplanung sowie eine Abkehr vom Energy-Only-Markt vor. An seine Stelle sollen 2027 neue Marktmechanismen wie ein Kapazitätsmarkt und die Öffnung hin zu neuen Erzeugungstechnologien treten, so die Empfehlung.

Damit der weitere Umbau des Energiesystems gelingt, müssten Flexibilität skalieren und die Digitalisierung vorangetrieben werden. Der Fokus müsse auf kontrollierbaren Lasten, Verfügbarkeiten und Wiederherstellungszeiten sowie Energieeffizienz liegen, damit das deutsche Energiesystem zuverlässig bleibt und responsiver auf Volatilitäten der Erzeugung und verbrauchsseitige Nachfragemuster wird. Smarte Netze und IoT könnten dazu beitragen, Effizienzen zu heben und Transformationskosten zu senken.

Auch mit einer robusten Energiewendestrategie bleibe Deutschland jedoch anfällig. Die Lieferkettenproblematik und Cyber-Security-Risiken schätzt GE Vernova als hoch ein. Die Abhängigkeiten von Risikoländern müssten reduziert und die Lieferwege weiter diversifiziert werden.   

Das englischsprachige White Paper ist abrufbar unter: gevernova.com

„et“-Redaktion

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