Energie- und sozialpolitische Fragestellungen des Stromkosten privater Haushalte sollten differenziert betrachtet werden. (Bild: Adobe Stock)
Zu verstehen, wie in Deutschland die Strompreise für private Haushalte zustande kommen, ist keine leichte Aufgabe. Auf dem Strommarkt geht es um mehr als um ein Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage. So greift die Politik in vielfältiger Form in das Marktgeschehen ein. Stichworte sind: Konzessionsabgabe, Kraft-Wärme-Kopplungs-Umlage, Offshore-Netz-Umlage, Festlegung der Netzentgelte, Stromsteuer, CO2-Bepreisung und schließlich die komplexen Regelungen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. Allein die Vielzahl dieser Nennungen deutet auf eine größere Ausarbeitung hin. Für eine erste Einschätzung genügt aber auch ein Blick auf die langfristige Entwicklung des Strompreises für private Haushalte in Deutschland und eine Einordnung dieser Entwicklung in einen gesamtwirtschaftlichen Rahmen.
Entwicklung der Strompreise für private Haushalte
In Deutschland beziehen rund 41 Mio. Privathaushalte Strom. In der Vergangenheit konnten nur wenige Verbraucher auf Anhieb sagen, was eine Kilowattstunde Strom kostet. Die meisten hatten auch nur eine sehr ungefähre Ahnung, wie viel Strom sie verbrauchen. Das scheint sich verändert zu haben. Nach dem Anstieg der Strompreise in den vergangenen Jahren ist das Thema immer stärker zum Gegenstand öffentlicher Debatten geworden. So hört man heute sogar gelegentlich von Stimmen, die den Strompreis – in Anlehnung an die Ereignisse der Französischen Revolution – zum neuen „Brotpreis des 21. Jahrhunderts“ stilisieren.
Was wissen wir über die langfristige Entwicklung des Strompreises der privaten Haushalte? Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hat dazu entsprechende Daten zusammengestellt [1], bei denen es sich um den Durchschnitt der jeweiligen Tarife für Haushaltskunden bei einem Jahresverbrauch von 3.500 kWh handelt. Wichtig ist der Hinweis, dass in diesen Angaben auch der Grundpreis enthalten ist. Abb. 1 zeigt die Entwicklung des Strompreises von 1990 bis 2024.
Es ist hilfreich, verschiedene Entwicklungsphasen zu unterscheiden:
- Von 1990 bis 2000 blieb der Strompreis relativ stabil bei einem Niveau von 15 bis 16 ct/kWh.
- Nach 2000 ist der Strompreis für Haushaltskunden bis 2021 mehr oder weniger kontinuierlich angestiegen.
- Das Jahr 2022 markiert einen Einschnitt in der energiewirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands. Der russische Überfall auf die Ukraine führte zu sprunghaft steigenden Beschaffungskosten, insbesondere bei Erdgas. Diese Kostensteigerungen wurden an die Kunden weitergereicht. Und so mussten die privaten Haushalte im Jahr 2023 für Strom einen Spitzenwert von 47,01 ct/kWh bezahlen.
- Mittlerweile sind die Großhandelspreise für Erdgas wieder gesunken. Das Gleiche gilt für Kraftwerkskohle. Dem entsprechend sind auch die Stromerzeugungskosten und die Preise der privaten Haushalte für Strom zurückgegangen.
- Für das Jahr 2024 wird ein Preis von 40,22 ct/kWh genannt. Erste Abschätzungen weisen darauf hin, dass sich der Strompreis im Jahr 2025 in etwa weiter auf diesem Niveau bewegen wird.