
Abb 1: Durchschnittlicher Strompreis für Privathaushalte in ct/kWh. (Quellen: BDEW 2025, Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen)
Projekt Energiewende
Abb. 1 deutet auf einen wesentlichen Faktor für den Anstieg der Strompreise für private Haushalte in den letzten 25 Jahren hin. Die Rede ist vom „Projekt Energiewende“. Die Anfänge dieses Projektes liegen so weit zurück, dass es hilfreich ist, eine kurze Anmerkung zur Entstehungsgeschichte zu machen. Anfang der 1990er Jahre gewann der Schutz der Erdatmosphäre politisch an Bedeutung [2]. So hat die Bundesregierung in ihrem energiepolitischen Gesamtkonzept am 11. Dezember 1991 beschlossen, die CO2-Emissionen drastisch zu vermindern [3]. Diese Vorgabe bedeutet, dass der Einsatz der fossilen Energieträger, bei deren Verbrennung unausweichlich CO2-Emissionen entstehen, drastisch zurückgefahren werden muss.
An die Stelle von Kohle, Öl und Erdgas sollten die erneuerbaren Energieträger treten, im Falle der Stromerzeugung vor allem Windenergie und Photovoltaik. Blickt man auf die Veränderungen bei der Struktur der Stromerzeugung in den letzten 24 Jahren, kann man gut erkennen, wie weit man bei der Umstellung vorangekommen ist. Im Jahr 2000 lag der Beitrag der Erneuerbaren zur Stromerzeugung noch bei 6,6 %. In 2024 weist die Statistik einen Beitrag von 56,8 % aus (siehe Tab. 1). Das ist ohne Zweifel ein Erfolg, den viele in den 1990er Jahren so für kaum möglich gehalten haben.
| 2000 | 2024 | |||
| TWh | Anteil in % | TWh | Anteil in % | |
| Braunkohle | 148,3 | 25,7 | 79,1 | 15,8 |
| Steinkohle | 143,1 | 24,8 | 28,1 | 5,6 |
| Kernenergie | 170,0 | 29,4 | 0,0 | 0,0 |
| Erdgas | 49,2 | 8,5 | 80,3 | 16,0 |
| Mineralöl | 5,9 | 1,0 | 5,0 | 1,0 |
| Sonstige | 22,6 | 3,9 | 23,7 | 4,7 |
| Erneuerbare | 37,9 | 6,6 | 284,9 | 56,8 |
Allerdings: Der mit dem „Projekt Energiewende“ verbundene Umbau der Energieversorgung ist mit Kosten verbunden; ablesbar insbesondere beim Strompreis. Dabei ist das Verständnis wichtig, dass in dem Strompreis nicht nur die Kosten der Stromerzeugung durch Wind und Sonne sichtbar werden. Bedeutsamer sind die sog. Systemkosten. Hier geht es insbesondere um den durch die Energiewende erzwungenen Ausbau der Stromnetze. Schließlich geht es auch um die Bereitstellung von ausreichenden Sicherheitskapazitäten für Zeiten, in denen Wind und Sonne nicht in der Lage sind, in ausreichendem Maße Strom bereitzustellen.
Das alles erklärt den in der Abb. 1 angedeuteten parallelen Verlauf zwischen dem steigenden Beitrag der erneuerbaren Energien zur Stromerzeugung und dem Anstieg der Strompreise. Und diese Entwicklung ist noch nicht zu Ende. Die Vorgabe des Klimaschutzgesetzes, die Emissionen bis zum Jahr 2045 so weit zu mindern, dass Netto-Treibhausgasneutralität erreicht wird, läuft auf eine Energiezukunft hinaus, in der die erneuerbaren Energien einen Beitrag von nahezu 100 % zur Stromerzeugung leisten müssen [4]. Insofern stehen in den kommenden Jahren noch weitere Anpassungen an; aller Voraussicht nach sogar noch kostenträchtigere Veränderungen, da die einfachen, „tiefhängenden Früchte“ beim Umbau der Energieversorgung bereits geerntet worden sind. So wird sich in den kommenden Jahren wohl noch zeigen, ob alle die Konsequenzen zu tragen bereit sind, die der Wunsch nach einer klimaneutralen Energiezukunft mit sich bringt.