Grafik zum Thema EU-ETS: Die Entwicklung der CO2-Preise 2016 bis 2018

Entwicklung der CO2-Preise 2016-2018 (Quelle: EEX)

Durch den deutlich schnelleren Abbau der Überschüsse an Emissionsberechtigungen sollen sich ab 2021, mit Beginn der 4. Handelsperiode, knappheitsbedingte Preisanstiege einstellen. Doch es zeigt sich, dass sich die Wirkung der Reform auf die CO2-Preise – allein durch die Erwartungen der Marktteilnehmer – bereits heute entfaltet.   

Ende 2014 hat der Rat der Europäischen Union beschlossen, die Treibhausgasemissionen in der EU bis 2030 um mindestens 40 % gegen-über 1990 zu senken. Zur Erreichung des Ziels soll der Europäische Emissionshandel (EU-ETS) als Leitinstrument der europäischen Klimapolitik wesentlich beitragen.

Um ihren Beitrag zu leisten, müssen die vom EU-ETS erfassten Sektoren ihre Emissionen um 43 % gegenüber 2005 reduzieren. Dazu war eine Novellierung der Emissionshandels-Richtlinie erforderlich, zu der das EU-Parlament und der Rat der EU im November 2017 eine Einigung gefunden haben.

Die Beschlüsse betreffen die 4. Handelsperiode von 2021 bis 2030. Der jährliche Reduktions-faktor für die auszugebende Menge an Emissionsberechtigungen (CAP) wird von 1,74 % auf 2,2 % angehoben. Das führt zu einer Verminderung um jährlich 48 Mio. Zertifikate. Die Emissionsobergrenze von 1,8 Mrd. Zertifikaten im Jahre 2021 reduziert sich so auf 1,3 Mrd. Zertifikate im Jahr 2030 oder um knapp 28 %.

Aufgelaufene Zertifikats-Überschüsse sollen zudem beschleunigt abgebaut werden. Hierzu wird die bereits 2015 eingeführte Marktstabilitätsreserve (MSR) ausgeweitet. Ab 2019 wird jährlich ein Viertel der Überschüsse aus dem Markt genommen, ab 2023 dürfen darüber hinaus nur so viele Zertifikate in der Reserve verbleiben, wie im jeweiligen Jahr versteigert wurden. Alle anderen Zertifikate werden gelöscht.

Im Ergebnis sorgen diese und weitere Maßnahmen der Reform dafür, dass voraussichtlich schon ab 2021 eine deutliche Verknappung der zur Verfügung stehenden Emissionszertifikate eintreten wird. Doch die Wirkung der Reform spiegelt sich bereits aktuell in steigenden Zertifikatspreisen wider: Seit Ende 2017 haben die CO2-Preise stark zugelegt. Während sie im März 2017 noch bei etwa 4,40 €/t CO2 lagen, haben sie sich bis Anfang Mai 2018 auf fast 14 €/t CO2 nahezu verdreifacht – Trend weiter ansteigend [1] (siehe Abb.).

Für die dem EU-ETS unterliegenden Unternehmen der Industrie und Energiewirtschaft bedeuten die Verschärfungen des EU-ETS – sofern sie nicht zu der kleinen, einem starken Carbon-Leakage-Risiko ausgesetzten Gruppe mit kostenloser Zertifikatezuweisung gehören – eine noch größere Herausforderung als bisher. Die Industrie sieht ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit in allen Ländern ohne eine CO2-Bepreisung noch stärker als bisher bedroht.

Weitere Verschärfungen durch zusätzliche nationale Maßnahmen, wie ein vorzeitiger Ausstieg aus der Kohlenverstromung oder ein CO2-Mindestpreis, sind zum einen nicht erforderlich, da das Emissionsminderungsziel durch die Begrenzung der ausgegebenen Emissions-berichtigungen auf europäischer Ebene erreicht wird. Zum anderen stellen solche Eingriffe eine unnötige Belastung für die nationale Volkswirtschaft dar und können zu ungewollten Wechselwirkungen mit dem EU-ETS führen.

Die grundsätzliche Wirksamkeit des Emissionshandels wird dadurch bestätigt, dass der Rückgang der Emissionen im deutschen Emissionshandelssektor 2017 mit 3,4 % gegenüber dem Vorjahr stärker ausfiel als der Rückgang der gesamten deutschen Treibhausgasemissionen, welche zusätzlich auch andere Sektoren (z.B. Verkehr, Haushalte) umfassen [2]. Europaweit haben ETS-Anlagen im Jahr 2017 ihre Emissionen um gut 1,5 % vermindert [3].

Quellen

[1] https://www.eex.com/de/marktdaten/umwelt-produkte/spotmarkt/european-emission-allowan-ces#!/2017/05/02

[2] UBA-Pressemitteilung Nr. 09/2018 vom 10.04.2018

[3] https://www.eea.europa.eu/data-and-maps/dash-boards/emissions-trading-viewer-1

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„et“-Redaktion

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