Der Energy Transition Index 2026 bewertet die Transformationsbemühungen der Energielandschaft in den Bereichen Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und Sicherheit. (Bild: Adobe Stock)
Trotz Rekordinvestitionen in saubere Energien im Jahr 2025 zeigt der am 18. Juni 2026 von Accenture und dem Weltwirtschaftsforum vorgelegte „Energy Transition Index 2026“, dass sich die weltweite Energiewende-Dynamik verlangsamt und die Bereitschaft zur Energiewende zum ersten Mal seit mehr als einem Jahrzehnt nachlässt. Als einer der Schlüsselfaktoren nennt das Weltwirtschaftsforum die durch die Sperrung der Straße von Hormus ausgelösten Versorgungsengpässe. Belastend wirken zudem eine steigende Nachfrage, Infrastrukturengpässe sowie das Investitionsvolumen in saubere Energieformen. Im Hinblick auf Regionalentwicklungen zeigen sich sehr unterschiedliche Trends: Die nordischen Länder führen die Energiewende an. China verzeichnet auf seinem Transitionspfad ein Rekordwachstum. Sehr dynamisch entwickeln sich Indien, Singapur und Subsahara-Afrika.
Schwellenländer: zunehmende und ungleichmäßige Belastung
Der Irankrieg hat deutlich gemacht, dass die Energiesysteme weiterhin für geopolitische Schocks anfällig sind. Gerade importabhängige Schwellenländer sind besonders stark betroffen. Versorgungsrisiken und strukturelle Zwänge setzen die Länder einer zunehmenden und ungleichmäßigen Belastung aus. Das wirkt sich auf Erschwinglichkeit von Energie, Widerstandsfähigkeit und langfristige Nachhaltigkeit aus.
Accenture und Weltwirtschaftsforum halten die Reaktion auf die aktuelle Krise für mitentscheidend, ob mit Blick auf die Zukunft Energiesicherheit und Nachhaltigkeit als konkurrierende Prioritäten oder sich gegenseitig verstärkende Ziele behandelt werden. Daraus schließen Accenture und Weltwirtschaftsforum zwar nicht auf eine Umkehr der Energiewende, aber auf eine Spaltung.
Weltweite Investitionen in Höhe von 3,3 Bio. US-$
Der „Energy Transition Index 2026“ definiert die globale Energiewende als Fortschritt hin zu einem nachhaltigeren, gerechteren und sichereren Energiesystem. Dazu wurden zuletzt weltweite Investitionen in Höhe von 3,3 Bio. US-$ getätigt, von denen 2,3 Bio. US-$ in saubere Energien geflossen sind. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Gesamtwerte des Energiewende-Index somit weitgehend unverändert geblieben. Obwohl die Gesamtinvestitionen eine Rekordhöhe erreicht haben, kommen Accenture und Weltwirtschaftsforum zu dem Schluss, dass die globale Energiewende stockt, da Investitionen nicht mehr allein in der Lage sind, die Dynamik aufrechtzuerhalten.
Festgemacht wird dies an einer zunehmenden Diskrepanz zwischen Kapitalinvestitionen und einer abnehmenden Bereitschaft zum Wandel. Der Rückgang der Energiesicherheit und der Bereitschaft zur Energiewende – die politischen Rahmenbedingungen, die Infrastruktur sowie die Investitions- und Innovationsbedingungen, die für einen nachhaltigen langfristigen Fortschritt erforderlich sind – wird durch Gewinne in anderen Bereichen angesichts angespannterer Finanzierungsbedingungen und infrastruktureller Engpässe ausgeglichen. Trotz zunehmender Herausforderungen konnten 60 % der Länder ihre Gesamtbewertung verbessern, wobei sich die Fortschritte jedoch zunehmend auf einzelne Bereiche konzentrieren: Nur jedes vierte Land konnte in allen drei Bereichen (Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit und Sicherheit) Fortschritte erzielen.
Industrieländer belegten 14 der 20 Spitzenplätze
Die nordischen Länder führten weiterhin die ETI-Rangliste an, während Singapur zu den größten Aufsteigern gehörte und im Index um 10 Plätze vorrückte. Zurückzuführen ist dies auf neue Vorschriften und ein stärkeres politisches Engagement. Die Industrieländer belegten 14 der 20 Spitzenplätze. Ihre Fortschritte sind jedoch uneinheitlich. Weitgehend ist für diese Gruppe Stillstand zu verzeichnen. Ihre durchschnittlichen Gesamtwerte stiegen im Vergleich zum Vorjahr lediglich um 0,2 %.
Sechs G20-Volkswirtschaften rangieren unter den Top 20: Deutschland (9.), Frankreich (10.), das Vereinigte Königreich (11.), China (14.), Brasilien (17.) und die Vereinigten Staaten (19.). Unter den großen Volkswirtschaften steigerte China seine Investitionen in saubere Energien weiterhin auf Rekordniveau. Indien verzeichnet einen der stärksten Zuwächse bei der Bereitschaft zur Energiewende, während die Vereinigten Staaten trotz eines insgesamt leichten Rückgangs weiterhin eine starke Leistung im Bereich der Energiesicherheit zeigen.
Auf regionaler Ebene verzeichnet Subsahara-Afrika die stärksten Zuwächse, während Lateinamerika angesichts einer nachlassenden Übergangsbereitschaft an Dynamik verliert. Brasilien bleibt dank seines soliden Energiemix weiterhin eine führende Kraft in der Region. Auch in den Ländern des Nahen Ostens und Nordafrikas ist ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen, da nachlassendes politisches Engagement und geringere Infrastrukturinvestitionen die Fortschritte bremsen; Saudi-Arabien sticht jedoch durch Zuwächse hervor, die auf eine erhebliche finanzielle Unterstützung und den Ausbau erneuerbarer Energien zurückzuführen sind.
Systematik des Energy Transition Index
Der Energy Transition Index 2026 baut auf über 16 Jahre Benchmarking des Weltwirtschaftsforums auf und nutzt 44 Indikatoren in 120 Ländern, um eine datengestützte Bewertung sowohl der aktuellen Leistungsfähigkeit der Energiesysteme als auch ihrer Zukunftsfähigkeit zu liefern. Dabei werden die Leistungen in den Bereichen Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und Sicherheit sowie wichtige Rahmenbedingungen wie Politik, Finanzen, Infrastruktur und Innovation bewertet. Die Gesamtbewertung setzt sich aus der Systemleistung (60 %) und der Umstellungsbereitschaft (40 %) zusammen. Die Ergebnisse spiegeln die zum Zeitpunkt der Erhebung aktuellen verfügbaren Daten wider.
Der Energy Transition Index 2026 ist hier abrufbar: weforum.org