Steigende Verbrauchskosten infolge der Verkehrswende

Das im Jahr 2009 formulierte Ziel der Bundesregierung, bis zum Jahr 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf deutsche Straßen zu bringen [9], scheint bei einem Bestand von knapp unter 55.000 zugelassenen Elektroautos in weite Ferne gerückt [10]. Dabei wäre die Elektromobilität aus energetischer Sicht ein klarer Gewinn, denn sie senkt einerseits den Endenergieverbrauch durch den vergleichsweise hohen Wirkungsgrad des Elektromotors und erhöht andererseits den Anteil erneuerbarer Energien bei Betankung mit regenerativ erzeugtem Strom. Allerdings sind ergänzende ökologische Folgewirkungen zu beachten.

Die kumulierten Emissionen eines elektrisch angetriebenen Durchschnittswagens weisen über die Fahrleistung einen deutlich flacheren Verlauf im Vergleich zum Pendant mit Benzinantrieb auf. Im zuvor vorgestellten Stromszenario für 2050 wäre sogar ein nahezu emissionsfreier Betrieb möglich. Die Emissionen bei der Herstellung der Fahrzeugbatterie führen jedoch zunächst zu einem erheblichen ökologischen Rucksack, der sich beim heutigen Strommix erst nach ca. 60.000 km amortisiert. Bei dieser Belastung ist es wenig verwunderlich, dass Automobilhersteller diese Emissionen bei der öffentlichen Darstellung ihrer Produkte in der Regel unerwähnt lassen.

Ähnlich problematisch gestaltet sich die Situation mit Blick auf die Kosten eines Elektrofahrzeugs. Während die Verbrauchskosten auf 100 km eines durchschnittlichen Benziners bei etwa 7,65 € liegen, fallen bei einem elektrisch angetriebenen Kleinwagen zum heutigen Haushaltsstrompreis zunächst nur ca. 5,85 € an. Allerdings führt eine Umlage der Batteriekosten gemäß der herstellergarantierten Lebensdauer zu einer Verdopplung der laufenden Kosten. Bedenkt man zusätzlich, dass bei einer Elektroautoquote von 50 % rund 15 Mrd. € Steuereinbußen bei Energie- und Umsatzsteuer entstünden und diese durch den Verkehrsstrompreis kompensiert werden müssten, stiege der Verbrauchspreis unter Berücksichtigung prognostizierter Preissteigerungen auf 16 € je 100 km. Elektromobilität stellt somit ohne staatliche Subventionen oder eine höhere Besteuerung fossiler Kraftstoffe keine wirtschaftlich sinnvolle Option dar.

Sektorkopplung als Kern der Energiewende

Die einzelnen Sektoren des Energiesystems sind eng verzahnt und müssen daher gemeinsam optimiert werden, um potenzielle Synergien zu identifizieren und auszuschöpfen. Im Stromsektor gilt dies auch beim Blick über den nationalen Tellerrand, denn durch eine europäische oder gar interkontinentale Vernetzung ließe sich die Stromerzeugung aus Wind- und Sonnenenergie verstetigen. Dadurch würde ein hoher Anteil erneuerbarer Energien auch ohne überdimensionierte Speicherkapazitäten möglich. Allerdings müssen alle Partner an einem Strang ziehen und Einzelinteressen zurückstellen – ein politisch mehr als schwieriges Unterfangen.

Synergien spielen auch im Wärmebereich eine besondere Rolle, wo eine Abkehr von der energetischen Optimierung des Einzelgebäudes hin zu einer umfassenderen Betrachtung ganzer Quartiere notwendig ist. Im Quartiersverbund lassen sich Speicher und regenerative Erzeugertechnologien besser einbinden sowie Effizienzgewinne aus verschiedenen Nutzungen und Gebäude- arten generieren. So können durch den gegenseitigen Ausgleich von Lastspitzen und einer besseren Auslastung der Energieerzeuger Energieeinsparungen von ca. 16 % erreicht werden [11].

In diesem Kontext bietet Power-to-X die Schlüsseltechnologie der Sektorkopplung: Die Umwandlung von regenerativ erzeugten Stromüberschüssen in andere Energieformen macht diese nicht nur speicherbar, sondern eröffnet auch eine Vielzahl an Verwertungsoptionen zur Substitution fossiler Energieträger. Auf diese Weise kann vor allem im Gebäudebestand der Einsatz erneuerbarer Energien vergleichsweise einfach realisiert werden. Durch die Erzeugung synthetischer Kraftstoffe erschließt Power-to-X auch enorme Potenziale in der Mobilität, sofern ein ausgewogener Mix aus Antriebstechnologien und Kraftstoffen forciert wird. Leider schaffen regulatorische Rahmenbedingungen und fehlende Umlagebefreiungen noch keine wirtschaftlichen Voraussetzungen zum Einsatz von Power-to-X abseits der Stromspeicherung.

Nachhaltige Energiewende als Herausforderung

Energiewende und Klimawandel sind die zentralen Herausforderungen unserer Generation. Ob die deutsche Energiewende nachhaltig ist, kann auch deshalb nicht abschließend beurteilt werden, weil sie eine soziale Komponente besitzt, die bislang nur am Rande betrachtet wurde. Fakt ist, dass einkommensschwache Haushalte aktuell eine tendenziell stärkere Kostenbelastung durch die Energiewende erfahren. Es wird von technischen Weiterentwicklungen und politischem Geschick abhängen, diese bereits spürbare Konsequenz im Sinne der Nachhaltigkeit einzudämmen. Die Energiewende ist und bleibt eine langfristige Entwicklung, deren Erfolg oder Misserfolg sich vor allem auf nachfolgende Generationen auswirkt. Daher sollten energiepolitische Entscheidungen sorgfältig und wissenschaftlich fundiert abgewogen werden, denn das Weltklima denkt nicht in Legislaturperioden.
 

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