Smart-Meter-Gateway-Administration: Für den Messstellenbetreiber ist die Auslagerung der Gateway-Administrationsprozesse eine spürbare Entlastung, für den BPO-Dienstleister ein Geschäftsmodell

Für den Messstellenbetreiber ist die Auslagerung der Gateway-Administrationsprozesse eine spürbare Entlastung, für den BPO-Dienstleister ein Geschäftsmodell (Quelle: Adobe Stock)

Business Process Outsourcing (BPO) ist das Geschäftsmodell, bei dem Messstellenbetreiber weder teure Systeme und Strukturen, noch eigenes Personal benötigen, und bei dem sie die Aufwände für eine eigene Sicherheitszertifizierung sparen können. Sowohl für grundzuständige als auch für wettbewerbliche Messstellenbetreiber ist BPO eine sichere und lohnenswerte Alternative zum eigenen Gateway-Betrieb.

Kaum eine andere Marktrolle hat sich in den letzten Jahren so stark entwickelt und ausdifferenziert wie der Messstellenbetreiber (MSB). Inzwischen übernimmt er eine tragende Rolle am Energiemarkt; seine Datenlieferungen an andere Marktbeteiligte sind beispielsweise Voraussetzung für stabile Netze, korrekte Bilanzierung und Beschaffung, für den Ausbau der E-Mobilität, die Integration von Erneuerbaren, die intelligente Schaltung und netzdienliche Steuerung von kleinsten Verbrauchern, Erzeugern und Speichern und viele weitere neue Mehrwertdienste und Geschäftsmodelle. Das Funktionieren der neuen digitalen Infrastruktur mit intelligenten Messsystemen (iMSys) und Smart-Meter-Gateways als wichtiger Schnittstelle zu den Kunden liegt stark in der Hand der MSB.

Einhergehend mit der Verantwortung ist auch die Prozessmenge gestiegen, die MSB im Rahmen des intelligenten Messstellenbetriebs erfüllen und tagtäglich regelkonform abarbeiten müssen. Mit Inkrafttreten der Einbaupflicht (bis Ende des Jahres erwartet) und spätestens zum Endausbau bis Ende 2032 wird die Menge an Prozessen weiter steigen. Funktionierende Mechanismen sind ein Muss, Automatisierung steigert die Effizienz, Software-Unterstützung ist in beiden Aspekten hilfreich.

Gateway-Administration: teuer und aufwendig

Insbesondere für die grundzuständigen MSB (gMSB) führt kein Weg an der aufwändigen Bearbeitung der Prozesse vorbei. Den größten Anteil hat in diesem Zusammenhang der Aufgabenbereich der Smart-Meter-Gateway-Administration (GWA) mit der Konfiguration, Verwaltung und Überwachung der Gateways – eine größere und kostspielige Herausforderung für die MSB.

Am stärksten fallen hierbei die (sicherheits-)technischen Anforderungen des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) ins Gewicht, die sich in Kosten für Hardware und Rechenzentrum, Sicherheitszertifizierung, Prozessabwicklung und Personal niederschlagen: Der Gateway-Administrator benötigt u.a. eine Zertifizierung nach ISO 27001, ein Information Security Management System (ISMS), ein eigenes Rechenzentrum, teure Hardware-Sicherheitsmodule und die passende Software, einen abgesetzten Arbeitsplatz mit Zugangskontrolle in einem separaten Raum mit einem separaten Netzwerk, regulatorisch geschultes Personal mit ausreichend Zeit für die aufwändigen Prozesse, Urlaubs- und Krankheitsvertretungen usw.

Insbesondere kleinere Stadtwerke und Energieversorger stoßen an ihre Grenzen. Für kleine Netze mit nur wenigen Gateways lohnen sich teure Investitionen in Infrastruktur und Personal nicht. Gesucht werden Möglichkeiten, den GWA-Betrieb kostengünstig auszulagern, um die Kosten für die Zertifizierung und den Rechenzentrumsbetrieb zu sparen, die eigenen Fachkräfte nicht mit Routineaufgaben betrauen zu müssen und nicht zuletzt, um die Verantwortung für die regelkonforme Erfüllung der komplexen GWA-Prozesse abgeben zu können.

Selber machen oder auslagern?

Da es sich bei den GWA-Prozessen hauptsächlich um Routineaufgaben handelt, sind sie quasi prädestiniert für ein BPO. Dazu zählen Aufgabenbereiche wie Datenpflege, Zertifikatsmanagement, Profilverwaltung, systemseitige Inbetriebnahme von neuen Gateways, Updates, Störungsmanagement und Wechselprozesse. Solche Aufgaben lassen sich gut routinemäßig von unternehmensfremden Personen abarbeiten; ebenso wie – eine entsprechende Software vorausgesetzt – nachfolgende Prozesse, die zwar nicht zur eigentlichen Gateway-Administration gehören, aber trotzdem vom Messstellenbetreiber durchgeführt werden müssen, wie Plausibilisierung der Messwerte, automatisierte Ersatzwertbildung und Marktkommunikation nach WiM, d.h. unter anderem sternförmiger Versand der korrekten Werte an weitere Marktrollen.

Das Stadtwerk übergibt also die Verantwortung für die Gateways an den BPO-Anbieter und erhält im Ergebnis die Messwerte aus den Gateways in seinem Netz, die es dann sowohl für seine Dienstleistungen und Angebote nutzen kann, als auch an weitere berechtigte Marktpartner im Rahmen der sternförmigen Kommunikation versenden muss. Per BPO schafft es kostengünstig eine rechtssichere Basis für die Umsetzung des intelligenten Messstellenbetriebs und kann die Preisobergrenzen einhalten. Für eine große Erleichterung und Einsparung sorgt insbesondere, dass das Stadtwerk keine eigene BSI-Zertifizierung benötigt, wenn es die GWA-Prozesse an einen zertifizierten Dienstleister auslagert.

Die Kosten für Hardware, Software, Rechenzentrumsbetrieb, der regelmäßige und dauerhafte Aufwand für die Zertifizierung und das ISMS sowie der personelle Aufwand für die tagtägliche Abarbeitung der GWA-Aufgaben liegen beim BPO-Anbieter. Erstens durch Synergien und Skaleneffekte sowie zweitens durch den Einsatz einer modernen automatisierten Software zur Durchführung der GWA-Prozesse lohnt sich das Geschäftsmodell auch für ihn.

Bei der regelkonformen, effizienten und automatisierten Abwicklung der Gateway-Administrationsprozesse spielen Datensicherheit und Datenschutz eine wichtige Rolle. Technik/Systeme, Prozesse und Personal für die GWA müssen zertifiziert sein. Bei KISTERS läuft die Software für die GWA in der KISTERScloud im eigenen Rechenzentrum in Aachen. Alle Aspekte der KISTERScloud-Services, von der technischen Infrastruktur über die Betriebsprozesse bis hin zum Personal, sind nach ISO 27001 für Informationssicherheits-Managementsysteme zertifiziert, darüber hinaus besitzt das Rechenzentrum eine TÜV-TSI-Zertifizierung, und die Software-Lösung für die GWA ist nach BSI TR-03109-6 zertifiziert und damit offiziell für den Messstellenbetrieb zugelassen.

BPO für die Gateway-Administration: Win-Win

Für den Messstellenbetreiber ist die Auslagerung der Gateway-Administrationsprozesse eine spürbare Entlastung von zeitaufwändigen Routineaufgaben sowie von kostspieligen Investitionen in Infrastruktur, Hardware, Software und Sicherheitszertifizierung – für den BPO-Dienstleister bzw. -Anbieter ist es ein Geschäftsmodell, das sich durch Skaleneffekte lohnt. Durch die insgesamt geringeren Kosten lassen sich Preisobergrenzen für Smart Meter leichter einhalten. Besonders ins Gewicht fällt, dass Stadtwerke, die die GWA auslagern, sich nicht einer eigenen Sicherheitszertifizierung unterziehen müssen.

Und mehr: Da viele BPO-Modelle lediglich die Abwicklung der reinen GWA-Prozesse umfassen, liegen alle Folgeprozesse, die zur Durchführung eines regelkonformen Messstellenbetriebs anfallen, weiter in der Verantwortung des Stadtwerks – von der Prüfung der Messdaten auf Vollständigkeit und Plausibilität, der Bildung von sinnvollen Ersatzwerten bei Lücken oder unplausiblen Ausreißern, bis hin zur Weitergabe der plausibilisierten Werte an weitere Marktteilnehmer wie Netzbetreiber, wettbewerbliche Messstellenbetreiber, Lieferanten und Energieserviceanbieter. In einem erweiterten BPO-Modell lassen sich sogar diese Folgeprozesse auslagern: BPO-Anbieter wie die KISTERS AG führen sie dann in einem MSB-Cockpit durch, stellen dem Stadtwerk qualitativ hochwertigere Messdaten zur Verfügung und können auch die komplette Marktkommunikation mit den relevanten Marktpartnern übernehmen. So bleibt dem Stadtwerke-Personal noch mehr Zeit für wertschöpfende Tätigkeiten.

Da es die Problematik von aufwändigen Prozessen, die mit wenig Personal durchgeführt werden müssen, auch in anderen Bereichen wie z.B. im Redispatching gibt, ist absehbar, dass Business Process Outsourcing zukünftig noch stärker zum Tragen kommt.

D. Frech, Vertrieb Metering-Lösungen, A. Beckers, Leitung Marketing, KISTERS AG, Aachen, danny.frech@kisters.de, astrid.beckers@kisters.de

 

Exkurs: Was macht die Gateway-Administration so personalaufwändig?

Die Aufgaben eines Gateway-Administrators liegt hauptsächlich in den beiden Bereichen Inbetriebnahme von neuen Gateways, also Aufbau der Kommunikationsinfrastruktur, sowie im Regelbetrieb.

Kommen neue Gateways ins Netz, müssen diese zunächst parametrisiert, initialisiert und in die Kommunikationsinfrastruktur integriert und die nötigen Software-Komponenten (Headend-System, Hardware-Sicherheitsmodul usw.) gehosted werden. Darüber hinaus müssen vorbereitende Arbeiten in der MSB-Software stattfinden, um das neue Gerät und seine Eigenschaften dort bekannt zu machen.

Im Regelbetrieb muss der GWA die intelligenten Messsysteme in Betrieb nehmen, d.h. an die PKI-Infrastruktur (Public Key Infrastructure) anbinden, Sensor- und Tarifprofile einspielen, berechtigte Dritte für CLS-Schaltungen (also Steuern von iMSys über die Schnittstelle Controlable Local System) freigeben und alle Regelprozesse durchführen. Darunter fallen u.a. die Profil-, Schlüssel- und Zertifikatsverwaltung inkl. turnusmäßigem Wechsel der Zertifikate, Firmware- und Tarif-Updates sowie die Unterstützung der Prozesse beim Wechsel der Geräte (Zähler oder Gateways) oder der beteiligten Marktteilnehmer (Externe Marktteilnehmer EMT, Letztverbraucher).

Anschließend an diese reinen GWA-Prozesse stehen für den Messstellenbetreiber weitere Aufgaben rund um die Messdaten an, wie z.B. Entschlüsselung der Datenpakete und Prüfung der Werte auf Vollständigkeit und Plausibilität) sowie die Abbildung von Wechselprozessen gemäß Marktkommunikation nach WiM (Wechselprozesse im Messwesen). Gibt es Änderungen in den Regeln zur Marktkommunikation, so müssen diese abgebildet und nachvollzogen werden.

Bei einer großen Anzahl von Gateways können die Prozesse offensichtlich viel Zeit in Anspruch nehmen, selbst dann, wenn man auf Software zurückgreifen kann, die die Effizienz steigert.

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