Ergebnisse

Abb. 1 Vollautomatisierte Marktabdeckung der Produkte (Quelle: The Advisory House)

  • Kategorie übergreifend: Momentan kann kein Anbieter alle abgefragten Anforderungen erfüllen. Aggregiert erfüllen die Anbieter ein vergleichbares Level an Anforderungen (Abweichungen um 25 %), allerdings setzen sie noch unterschiedliche Schwerpunkte. Damit ist aktuell noch kein einheitlicher Marktstandard erkennbar. Aufgrund von Investitionen in die Produkte im aktuellen Entwicklungszyklus scheinen sich die Unterschiede
    mittelfristig anzugleichen. Es entwickeln sich somit mittelfristig energiehandelsspezifische Standardfunktionen.
  • Kategorie Märkte: Der Fokus aller automatisierten Handelssysteme liegt auf den kurzfristigen Spotmärkten. Diese sind aufgrund stetig steigender Liquidität und Volatilität für algorithmenbasierte Handelsstrategien besonders interessant. Terminmärkte werden nur von wenigen Anbietern bearbeitet, nehmen aber an Bedeutung zu. Auch der automatisierte Gashandel wird derzeit nur von einigen der Anbieter abgedeckt. Es ist allerdings auch hier ein klarer Trend zur steigenden Abdeckung von Gasmärkten erkennbar. Der Fokus auf die Strom- und Gasmärkte wird in naher Zukunft auch weiterhin bei den Anbietern dominieren, da eine Ausweitung auf weitere Commodities bei den Anbietern derzeit allenfalls geplant ist (Abb. 1).
  • Kategorie Methodik: In der Kategorie Methodik erfüllen die Anbieter durchschnittlich nur ein Drittel der erfragten Anforderungen, was dem geringsten Erfüllungsgrad der betrachteten Kategorien entspricht. Zudem zeigt der Entwicklungsausblick der Softwareanbieter mittelfristig keine bedeutende Verbesserung des durchschnittlichen Erfüllungsgrades dieser Kategorie. Dieser Sachverhalt begründet sich darin, dass große bzw. ambitionierte Handelshäuser ihre komplexen methodologischen Anforderungen in eigenen Tools entwickeln und die bereits bestehenden Funktionalitäten die Anforderungen von kleineren Handelshäusern schon heute weitgehend erfüllen.
  • Kategorie Funktionalitäten: Deutlich fortgeschrittener zeigt sich die Entwicklung der Funktionalitäten. Viele Anbieter erreichen schon heute mehr als zwei Drittel der möglichen Punkte. Beispiele für Anbieter übergreifend etablierte Funktionen sind u.a. Möglichkeiten für Live-Anpassungen, Ad-hoc-Interventionen, Volumen- und Preislimit Kontrollen, sowie Portfoliomanagement-Funktionalitäten. Anbieterdifferenzierende Funktionen sind hingegen u.a. automatische Optimierungen und das Backtracking einzelner Handelsaktivitäten.

Der interne Markt ist eine notwendige Funktion bei gleichzeitiger Ausführung mehrerer automatisierter Handelsstrategien. Er dient als Portfoliomanager und Gateway vor dem eigentlichen externen Marktzugang. Viele Anbieter weisen hier bereits heute Basisfunktionalitäten aus und planen weitere Investitionen in diesem Bereich.

Handlungsempfehlungen

Die Studie zeigt, dass sich Standardsoftware für den automatisierten Energiehandel etabliert hat. Die Anbieter investieren weiter in ihre Produkte und bauen sowohl Marktabdeckung als auch Funktionalitäten aus. Perspektivisch werden sich sowohl Energiehändler als auch Portfoliomanager aller Größenordnungen mit automatisierten Handelsstrategien beschäftigen müssen. Es stellt sich nicht mehr die Frage nach dem „Ob“, sondern nach dem „Wann“. Die Make or Buy-Entscheidung bezüglich der Software kann zumindest für große Teile des Automatisierungsprozesses (Trade execution) schon heute für die meisten potenziellen Anwender mit einem Buy beantwortet werden. Für kleinere Organisationen muss, wegen vermutlich limitierter Kompetenzen und Ressourcen, die Buy-Entscheidung um die Dimension „Einkauf von automatisiertem Handel als Dienstleistung“ erweitert werden. Ein Markt für Dienstleistungen rund um die Durchführung von automatisiertem Energiehandel etabliert sich erst. Verantwortliche, die sich mit der Einführung von automatisierten Handelsstrategien beschäftigen, sollten, bevor sie sich mit der Software auseinandersetzen, mit folgenden Fragstellungen beschäftigen:

  • Analyse und Potenzialabschätzung:
    − In welchen der vom Unternehmen bewirtschaften Märkte ist automatisierter Handel bereits heute bzw. wird in absehbarer Zeit relevant?
    − Wie hoch sind bzw. werden die Opportunitätskosten dadurch, dass das Unternehmen nicht aktiv ist bzw. wird? − Können zusätzliche Gewinne erzielt werden, wenn das Unternehmen aktiv wird? − Können Kosten eingespart werden? − Sind bereits Kompetenzen und Erfahrungen im Unternehmen aufgebaut? Gibt es z.B. andere Desks, die automatisiert Energie handeln?
    − Welche zusätzlichen Kompetenzen und Infrastrukturen müssen aufgebaut werden?
  • Handelsstrategie und Business Case:
    − Welche Handelsstrategie(n) werden automatisiert? Muss bereits ein interner Markt etabliert werden?
    − Soll diese Handelsstrategie prototypisch umgesetzt werden, oder wird bereits einen strategischen Ansatz gewählt? Kann bestehende Infrastruktur verwendet werden?
    − Auf welcher Plattform (Standardsoftware vs. Dienstleistung) wird die zu automatisierende Handelsstrategie etabliert?
    − Gibt es eine positiven Business Case für die nächsten zwei bis drei Jahre? Wie sieht er aus? − Wie wird der neue Prozess in die bestehenden Prozess- und Systemlandkarte eingebunden?
  • Die Softwareauswahl kann anhand des in der Studie etablierten und standardisierten Anforderungskatalogs durchgeführt werden.

Es lässt sich festhalten, dass die hier beschriebenen Softwareprodukte zur Unterstützung und Durchführung von automatisiertem, algorithmischem Energiehandel nur ein, wenn auch wichtiger, Baustein zur effektiven Umsetzung von Handelsstrategien sind.

Ralf Masthoff et al., The Advisory House
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