Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen wendet Automatisierungs-KI an, aber auch der Einsatz prädiktiver KI und agentenbasierter KI schreiten voran. (Bild: Adobe Stock)
Aber nicht nur KI-Ansatz und Tiefe der KI-Einbettung verändern sich, auch die Erkenntnis von Unternehmen wächst, den Schritt hin zur Einführung industrieller KI zu machen. Laut Analyse von IFS, einem der führenden Anbieter von Industrial-AI-Software, ist innerhalb der nächsten 12 Monate davon auszugehen, dass sich die Einführung industrieller KI von 32 % auf 59 % fast verdoppeln wird.
Dabei offenbart die „IFS Invisible Revolution Study 2025“ aber auch Herausforderungen. Die weltweite Befragung von Entscheidungsträgern in Industrieunternehmen zeigt, dass sie aktuell zwar KI einführen, aber deren vollständige Implementierung noch nicht ausreichend vorbereitet ist. Zwar berichten 88 % der Unternehmen schon Rentabilitätssteigerungen, die von IFS als „KI-Implementierungslücke” identifizierte Herausforderung ist jedoch offensichtlich: Die Unternehmen haben schneller auf KI umgestellt, als ihre Mitarbeiter sich weiterbilden konnten. 99 % der Belegschaften weltweit müssen sich wegen KI auf umfangreiche Umschulungen einstellen. Laut der Studie schätzen mehr als die Hälfte der befragten Führungskräfte, dass bis zu 60 % ihrer Mitarbeiterinnen und -arbeiter neue Fähigkeiten benötigen werden. Ein Drittel gibt sogar an, dass die komplette Belegschaft mit Schulungen und Weiterbildungen unterstützt werden muss, um künftig erfolgreich in KI-orientierten Umgebungen arbeiten zu können.
In den nächsten 12 Monaten wird die Zahl der Unternehmen, die sich noch in der Frühphase der KI-Erprobung befinden, von 24 % auf nur 7 % sinken (Deutschland: 35 % auf 9 %). Dennoch geben international betrachtet 52 % der Führungskräfte an, dass ihre Managementteams KI nicht vollständig verstehen, in Deutschland sind es nur 42 %.
Wachsende Wertschöpfung, mangelnde Strategie
Die Studie zeigt einen auffälligen Widerspruch, der den Kern des KI-Booms betrifft. Während die Technologie bereits beeindruckende Ergebnisse liefert, sind die meisten Unternehmen noch nicht bereit, die Effekte zu skalieren. Mehr als die Hälfte der Führungskräfte (53 %) gibt zu, dass ihr Unternehmen noch keine klare KI-Strategie hat.
Doch die Studie zeigt deutlich die Chancen der KI-Nutzung: 70 % der Unternehmen berichten von einem besser als erwarteten ROI ihrer KI-Investitionen. Durchschnittlich 88 % geben an, dass KI bereits die Rentabilität verbessert hat, in den USA sind es 92 % und in Deutschland sogar 94 %.
KI in strategischen Entscheidungsprozessen
Zwar wird das Potenzial von KI zur Steigerung von Produktivität und Wachstum erkannt, jedoch setzen nur wenige Unternehmen volles Vertrauen in ihre KI-Lösungen. Nur 29 % akzeptieren, dass die KI strategische Entscheidungen autonom trifft, in Deutschland sind es 31 %. Bei weltweit 68 % der Befragten (Deutschland: 65 %) muss ein Mensch die von KI generierten Ergebnisse weiterhin bestätigen oder genehmigen.
Auch das Bias-Problem, also die Voreingenommenheit gegenüber KI, wird als Problem erkannt – insbesondere in den USA und Deutschland. Dort nennen 63 % respektive 65 % der Befragten dies als eines der wichtigsten Probleme. Aufgeschlossener sind mit nur 40 % die nordischen Länder.
Hoch ist die Unterstützung für die Schaffung einer unabhängigen, internationalen KI-Regulierungsbehörde. 65 % der befragten Unternehmen halten eine solche Behörde für sinnvoll, um das Vertrauensdefizit zu beseitigen.
Industrielle KI löst einen Wandel der Geschäftsmodelle aus
Während GenAI für die Revolutionierung persönlicher Produktivität und kreativer Aufgaben Aufmerksamkeit erregt hat, verändert die industrielle KI die Arbeitsweise von Unternehmen grundlegend. Tief in die Kerngeschäftsprozesse eingebettet, automatisiert sie Wartungsarbeiten, prognostiziert Störungen, optimiert Lieferketten und koordiniert intelligente Entscheidungsprozesse in den Bereichen Außendienst, Anlagenmanagement und Fertigung.
Realität ist dies schon in der Automatisierungs-KI bei weltweit 54 % der Unternehmen (Deutschland: 52 %). 45 % setzen prädiktive KI ein (Deutschland: 41 %). Auch die Experimente mit agentenbasierter KI schreiten voran: 35 % nutzen eine solche Lösung, die in der Lage ist, Entscheidungen über Arbeitsabläufe hinweg autonom auszuführen. In Deutschland sind es sogar schon 42 %.
Auch traditionelle Geschäftsmodelle verändern sich durch KI. 77 % der weltweit führenden Unternehmen geben an, dass KI die Servitization beschleunigt, also die Entwicklung vom Produktverkauf hin zu ergebnisorientierten Services, bei denen Unternehmen nicht nur physische Güter liefern, sondern auch Verfügbarkeit, Leistung und kontinuierlichen Mehrwert.
IFS kommt auf Basis der Studie zum Schluss, dass eine neue Phase der Einführung von Unternehmens-KI eingeläutet ist. Sie beschränkt sich nicht mehr auf Innovationslabore, sondern erreicht den Kernbereich der Unternehmen.
Für die Studie wurden 1.700 Entscheidungsträger aus aller Welt befragt. Vertretene Branchen waren Luft- und Raumfahrt, Verteidigung, Bau und Ingenieurwesen, Fertigung, Energiewirtschaft, Versorgungs- und Ressourcenindustrie sowie die Telekommunikations- und Dienstleistungsindustrie.
Die Studienergebnisse stehen hier zum Download bereit: ifs.com