Aktuell sind Stromkunden, die ihren Tarif oder Anbieter nicht regelmäßig wechseln, gegenüber Neukunden benachteiligt. (Adobe Stock)
Ein Markt mit zwei Preiswelten
Eine Untersuchung der RWTH Aachen zusammen mit Octopus Energy [1], basierend auf der Analyse von über 2.300 Preisanpassungsschreiben von 70 Stromanbietern aus den Jahren 2022 bis 2025, zeigt: Bestandskunden zahlen im Durchschnitt rund 13 ct/kWh mehr als Neukunden. Das entspricht einem Preisaufschlag von rund 47 %.
Diese Differenz ist kein kurzfristiger Effekt einzelner Tarifaktionen. Die Analyse zeigt vielmehr eine strukturelle Preisdifferenz im Markt. Während im Neukundensegment intensiver Wettbewerb herrscht, reagieren Bestandskundentarife deutlich träger auf sinkende Beschaffungs- und Marktpreise.
So entsteht faktisch ein Markt mit zwei Preiswelten: ein dynamischer Wettbewerbsmarkt für Neukunden und ein deutlich höheres Preisniveau für bestehende Verträge. Besonders sichtbar wird diese Struktur in der Grundversorgung. Sie dient eigentlich als Sicherheitsnetz für Haushalte ohne aktiven Liefervertrag. In der Praxis verbleiben dort jedoch viele Verbrauchende über längere Zeit, und zwar häufig zu deutlich höheren Preisen als im wettbewerblichen Markt.