Eine weitere hohe Verdichtung von Offshore-Windanlagen in der Nord- und Ostsee wäre für die Energieausbeute nachteilig. (Bild: Adobe Stock)
Für eine grenzüberschreitende Kooperation bei der Flächennutzung und Netzanbindung plädiert eine Studie des Fraunhofer IWES im Auftrag des Bundesverbands Windenergie Offshore (BWO) und des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft. Berechnet wurde, welche volkswirtschaftlichen Effekte die grenzüberschreitende Offshore-Windplanung gegenüber einem nationalen Ausbaupfad hat. Neben der Steigerung der Stromerträge um bis zu 13 % zeigt die Studie, dass sich durch die Anbindung von Offshore-Windparks in der dänischen und schwedischen Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) an das deutsche Stromnetz mehrere Milliarden € sparen lassen. Vergleichsgröße ist hier der weitere Offshore-Windenergieausbau ausschließlich in der deutschen Nord- und Ostsee.
Kosteneffizienz und Versorgungssicherheit
Bis 2045 will Deutschland 70 GW Offshore-Wind realisieren. Die Studie zeigt, dass sich die Ziele mittels der Kooperation mit Dänemark und Schweden deutlich kosteneffizienter realisieren lassen. Die Kapazitäten werden dabei in der Studie auf das nationale Ausbauziel angerechnet. Zentrale Studienergebnisse sind, dass radiale Anbindungen dänischer und schwedischer Anlagen an das deutsche Stromnetz die Erträge erhöhen, Systemkosten senken und auch zur Robustheit des Stromsystems beitragen, da die breitere geografische Verteilung der Anlagen für zusätzliche Einspeisung in windschwachen Phasen in Deutschland möglich wäre.
Vorteil des vorgestellten Ansatzes ist die räumliche Entzerrung von Offshore-Windparks in der deutschen AWZ. Wird eine weitere Verdichtung vermieden, sinken die Abschattungseffekte. Umgekehrt steigen die Vollstunden und entsprechend würden sich die Stromerträge im Nordseeraum erhöhen. Insbesondere die dänischen Offshore-Wind-Zonen gelten als besonders ertragreich und könnten die durchschnittlichen Vollbenutzungsstunden des deutschen Offshore-Wind-Portfolios erhöhen. Die Analyse zeigt, dass bessere Windbedingungen zu einem 13 % höheren Stromertrag führen können, die zudem mit bis zu 11 % niedrigeren Kosten pro Megawattstunde inkl. Netzanbindung einhergehen. Ein weiterer Vorteil des Ansatzes liegt in der Vermeidung weiterer volkswirtschaftlicher Kosten des Offshore-Windausbaus einschließlich der Netzanbindungs- und Netzausbaukosten.
Forderung nach verbindlicher Zusammenarbeit
Der BWO weist darauf hin, dass die Ergebnisse der Studie eine engere und verbindlichere Zusammenarbeit der Nordseeanrainerstaaten nahelegen. Dies sei auch schon im Koalitionsvertrag der Bundesregierung im Ansatz angelegt. Nun gelte es, die Potenziale über bilaterale Vereinbarungen zu heben.
Die Veröffentlichung des Gesamtberichts des Fraunhofer IWES ist für Februar 2026 vorgesehen. Aktuell verfügbar ist eine Kurzversion mit dem Titel „International Optimization of Full Load Hours in the German Bight – Cross-Border Radials“.
Zur Kurzversion: bwo-offshorewind.de