Nachhaltigkeitsberichte werden für Versorger zunehmend seitens der Finanzierer nachgefragt. 39 % der befragten Stadtwerke erhielten schon Bankenanfragen zu CSRD- oder VSME-Berichten. (Bild: Adobe Stock)
Die Vereinfachung der europäischen Nachhaltigkeitsberichtspflichten führt bei Stadtwerken nicht zu einem Ende des Nachhaltigkeitsmanagements. Das zeigt eine Trianel-Stadtwerke-Befragung, in der der Status quo im Bereich Umwelt, Soziales, Unternehmensführung (Environmental, Social, Governance, ESG) abgefragt wurde. Danach waren 74 % der an der Befragung teilnehmenden Stadtwerke nach dem Omnibus-Verfahren nicht mehr nach der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) berichtspflichtig.
Nachhaltigkeit nicht allein durch Berichtspflichten getrieben
Für sie bleibt Nachhaltigkeit jedoch ein relevantes Zukunfts- und Transformationsthema. Viele Stadtwerke setzen ihre Aktivitäten fort, planen freiwillige Berichte nach dem Voluntary Sustainability Reporting Standard (VSME) oder arbeiten an Nachhaltigkeitsstrategien, Klimabilanzen und Transitionsplänen. Die Ergebnisse zeigen laut Trianel, dass Nachhaltigkeit bei Stadtwerken nicht allein durch Berichtspflichten getrieben wird. Viele Unternehmen nutzen die bereits aufgebauten Strukturen weiter, um Transparenz gegenüber Kapitalgebern, Kommunen und Öffentlichkeit zu schaffen und ihre Nachhaltigkeitsziele stärker mit der Unternehmensstrategie zu verzahnen.
Seit 2024 erhebt Trianel jährlich den Status quo im Themenfeld ESG unter deutschen Energieversorgern. An der diesjährigen Online-Befragung nahmen 50 Personen aus 33 Stadtwerken teil. Nur noch 26 % der befragten Stadtwerke sind nach aktuellem Stand CSRD-berichtspflichtig. Bei den nicht mehr berichtspflichtigen Unternehmen rückt der freiwillige VSME-Bericht in den Fokus: 42 % planen einen VSME-Bericht für das Jahr 2025, weitere 11 % planen für das Jahr einen VSME-Probebericht, zunächst jedoch ohne Veröffentlichung. Ihnen gegenüber stehen 35 %, die keine Berichterstattung mehr planen. 12 % gaben an, lediglich für 2025 keinen Bericht geplant zu haben.
Nachhaltigkeitsmanagement bleibt relevant
Auch jenseits der formalen Berichtspflicht bleibt Nachhaltigkeitsmanagement relevant. Rund zwei Drittel der nicht mehr CSRD-pflichtigen Stadtwerke messen dem Thema weiterhin eine hohe Priorität, strategische Bedeutung oder eine themenbezogene Relevanz in den Bereichen Ressourceneffizienz, Compliance oder Risikomanagement bei. Ein wesentlicher Treiber bleibt zudem der Finanzmarkt. So erhielten 39 % der befragten Stadtwerke bereits Bankenanfragen zu CSRD- oder VSME-Berichten. Darüber hinaus wurden bei etwa jedem fünften Stadtwerk weitere Nachhaltigkeitskennzahlen oder Angaben zur EU-Taxonomie abgefragt.
Das Omnibus-Paket wirke entlastend, mache die Nachhaltigkeitsinformationen aber nicht überflüssig, erklärt Trianel angesichts der Befragungsergebnisse Stadtwerke stünden weiterhin vor der Aufgabe, Dekarbonisierung, Wärmewende, Investitionen in Netze und erneuerbare Energien sowie soziale und regulatorische Anforderungen in eine tragfähige Nachhaltigkeitsstrategie zu übersetzen.
Die Befragung zeigt, dass viele Stadtwerke Nachhaltigkeit schrittweise strategisch verankern. Aktuell verfügen zwar erst 6 % der befragten Unternehmen über eine vollständig ausformulierte Nachhaltigkeitsstrategie, jedoch zeigt der Blick auf ESG-Teilstrategien und laufende Strategieprozesse ein differenzierteres Bild: 45 % der Stadtwerke haben bereits Teilstrategien entwickelt, weitere 30 % arbeiten derzeit an einer umfassenden Nachhaltigkeitsstrategie. Die wichtigsten Schwerpunkte liegen dabei nah am Kerngeschäft kommunaler Energieversorger: Dekarbonisierung und Klimaneutralität, Wärmewende, der Ausbau erneuerbarer Energien sowie Netzausbau und -modernisierung wurden von den Befragten am häufigsten genannt.
Deutliche Fortschritte zeigen sich zudem bei der Klimabilanzierung. Nachdem in der Befragung 2025 noch 62 % der Stadtwerke eine Klimabilanz erstellt hatten, liegt der Anteil heute bei 79 %. Zudem erfasst mittlerweile die Mehrheit auch Scope-3-Emissionen: 55 % der Stadtwerke verfügen über eine Klimabilanz für Scope 1 bis 3, weitere 24 % für Scope 1 und 2. Damit nehmen Verbreitung und Tiefe der Klimabilanzierung weiter zu.