Abb. 1: Leitlinien der polnischen Energiepolitik bis 2040 (Quelle: PEP2040 draft, ver. 2.1 – Nov 8, 2019, eigene Darstellung)

Abb. 1: Leitlinien der polnischen Energiepolitik bis 2040 (Quelle: PEP2040 draft, ver. 2.1 – Nov 8, 2019, eigene Darstellung)

Eine vollständige Dekarbonisierung von Wirtschaft und Gesellschaft bis 2050 sieht das Konzept nicht vor. Durch eine Option auf die Kernkraft und die Nutzung der Offshore-Windkraft hofft das Land, den Anschluss an die europäischen Klimaziele zu halten.

Mit dem Entwurf „Polens Energiepolitik bis 2040 – Strategie für die Entwicklung des Kraftstoff- und Energiesektors“ (PEP2040) stellt die polnische Regierung einen Fahrplan für die wichtigsten Herausforderungen des nationalen Energiesektors in den kommenden Jahrzehnten auf, der sowohl in den Nachbarländern wie auch bei der EU für erheblichen Diskussionsbedarf sorgt.

Polen deckt seinen Primärenergiebedarf von derzeit rund 4.400 PJ überwiegend durch Stein- und Braunkohle aus heimischer Gewinnung. Beim Mineralöl ist das Land zu 96 % von Importen abhängig, beim Erdgas beträgt die Importquote knapp 80 %. Die Potenziale der erneuerbaren Energien werden derzeit nur in sehr geringem Maße ausgeschöpft. Die Stromnachfrage in Höhe von aktuell 171 TWh pro Jahr wird weitgehend aus Kohlekraftwerken gedeckt. Bis 2040 rechnet die polnische Regierung mit einem Anstieg des Verbrauchs auf etwa 220 TWh. Die Erzeugungskapazität soll von derzeit weniger als 50 GW auf deutlich über 70 GW steigen.

Stromerzeugung

Vor allem bei der Stromerzeugung will Polen auch in Zukunft stark auf heimische Energieressourcen setzen. Dazu soll die derzeitige Steinkohlenförderung von 75 Mio. t pro Jahr beibehalten werden. Die zukünftige Entwicklung der Braunkohlengewinnung, derzeit etwa 58 Mio. t, hängt dagegen stark von der Entwicklung der Preise für CO2-Emissionszertifikate ab. Eine stabile Förderung beider Kohlearten sowie die kräftige Zunahme des Stromverbrauchs werden allerdings dazu führen, dass der Kohleanteil an der polnischen Stromerzeugung auf 60 bis 55 % sinkt. In den kommenden Jahren soll deshalb die technische und wirtschaftliche Lage des polnischen Bergbaus durch Investitionen und Steuererleichterungen weiter verbessert werden.

Außerdem sollen Kraftwerke mit einem Wirkungsgrad von weniger als 35 % zügig vom Netz gehen oder modernisiert werden, um den Anforderungen der europäischen Richtlinie für Industrieanlagen (EID) zu genügen. Betroffen sind Kapazitäten in einer Größenordnung von etwa 2,5 GW. Vor allem durch den Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung sollen die spezifischen Emissionen der polnischen Kohlekraftwerke einen Zielwert von 450 kg CO2 pro MWh erreichen. Die polnische Regierung hofft, auf diesem Wege einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung des EU-Klimaziels bis 2030 erreichen zu können.

Der geringe Anteil der Erneuerbaren an der Stromerzeugung soll bis 2030 auf 32 % der Nettostromerzeugung steigen. Einen erheblichen Zuwachs soll die Inbetriebnahme des ersten Offshore-Windparks ab 2025 bringen. Allerdings, so die polnische Regierung, darf die Nutzung der erneuerbaren Energien die Versorgungssicherheit nicht gefährden, und spielt damit auf erhebliche Probleme bei den Energienetzen in Polen an. Außerdem wird von der EU erwartet, dass sie den Ausbau der Erneuerbaren in Polen massiv fördert.

Den größten Beitrag zur sicheren und CO2-freien Stromversorgung erwartet die polnische Regierung von der Nutzung der Kernenergie. Der erste Kernkraftwerksblock mit einer Kapazität von 1 bis 1,5 GW soll um 2033 in Betrieb gehen. Weitere fünf Blöcke mit einer Gesamtkapazität von 5 bis 7,5 GW werden alle zwei bis drei

Jahre in Betrieb genommen. 2043 sollen Anlagen mit einer Kapazität von 6 bis 9 GW am Netz sein. Polen hatte Planungen für den Bau eigener Kernkraftwerke in den 1990er Jahren eingestellt. Angaben über die Realisierung der Projekte sowie Konzepte zur Entsorgung und Lagerung radioaktiver Abfälle macht der Entwurf nicht.

Diversifizierung des Öl- und Gassektors

Zum Energiepaket gehört auch eine Diversifizierung des Öl- und Gassektors (siehe Abb. 1). Nach dem Auslaufen des Jamal-Liefervertrags mit Russland soll ab 2020 ein großer Teil des polnischen Erdgasbedarfs, der derzeit bei etwa 18 Mrd. m3 liegt, über eine Pipeline-Verbindung aus Norwegen sowie über Anlandungen am bereits bestehenden LNG-Terminal erfolgen. Auch im Ölbereich soll die hohe Abhängigkeit von Russland abgebaut werden.

Vor erheblichen Investitionen steht das Land bei der Modernisierung der Netze, vor allem des Stromnetzes. Neben einer erhöhten Versorgungssicherheit stellt auch die Anpassung der Infrastrukturen an diversifizierte Bezüge hohe Anforderungen

Das formulierte Ziel der polnischen Energiepolitik (siehe Abb. 2) ist die Gewährleistung der Energieversorgungssicherheit bei gleichzeitiger Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft, der Energieeffizienz und der Verringerung der Umweltauswirkungen unter optimaler Nutzung der eigenen Energieressourcen. Dazu sollen bestimmte Indikatoren für das Jahr 2030 - die allerdings nicht als Zwischenziele auf dem Weg ins Jahr 2040 definiert wurden - als Maßstab dienen.

Fazit

Zusammengefasst sollen vor allem die Modernisierung von Stromerzeugungsanlagen sowie die Stilllegung von Anlagen mit niedrigen Wirkungsgraden sowie ein vermehrter Einsatz kohlenstoffarmer Energiequellen und die Verbesserung der Energieeffizienz zu einem Rückgang der CO2-Emissionen um 30 % bis zum Jahr 2030 (im Vergleich zu 1990) führen. Für 2040 wird kein klimapolitisches Ziel genannt. Lediglich in der strategischen Umweltverträglichkeitsprüfung der PEP2040 taucht die Prognose einer THG-Minderung um 50 % auf.

Letztlich werden – anders als in Deutschland und der EU – keine starren Ziele auf der Zeitachse formuliert. Neuen Herausforderungen und technischem Fortschritt soll mit einer systematischen Anpassung des PEP2040 begegnet werden. Vorrangige Ziele sollen neben einem hohen Anteil heimischer Energiequellen wettbewerbsfähige Energiepreise für Industrie und Verbraucher sein.

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„et“-Redaktion

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