
Abb.5: Bei der Planung eingesetzte Tools (Mehrfachnennungen möglich). (Quelle: eigene Darstellung)
Zur Langfristplanung setzen die befragten Unternehmen auf unterschiedliche Werkzeuge. Die im Folgenden genannten Markennamen sind geschützt und werden lediglich verwendet, da sie Bestandteil der Antworten der teilnehmenden EVU sind. 6 der 7 EVU, die eine Langfristplanung durchführen, setzen vorwiegend Microsoft Excel ein. Lediglich ein mittleres EVU nutzt hierfür Unit4 (ehemals prevero). Bei der Wirtschaftsplanung zeigt sich hingegen ein heterogenes Bild bei den eingesetzten Werkzeugen. Auch wenn Microsoft Excel dazu bei 83 % der befragten Unternehmen Anwendung findet, kommen zusätzlich weitere ERP-Systeme verschiedener Anbieter zum Einsatz (siehe Abb. 5).
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Tabellenkalkulationsprogramme unabhängig von der eingesetzten Systemlandschaft weiterhin eine bedeutende Rolle in der Wirtschafts- und Langfristplanung spielen.
Ableitung übergeordneter Handlungsfelder
Die Ergebnisse der Umfrage verdeutlichen, dass die langfristige Wirtschaftsplanung in allen teilnehmenden EVU als relevant eingeschätzt wird, ihre konkrete Ausgestaltung jedoch stark variiert. Unabhängig davon, ob bereits eine formalisierte Langfristplanung durchgeführt wird oder nicht, lassen sich aus den Antworten mehrere übergeordnete Handlungsfelder ableiten, die für eine systematische Weiterentwicklung der langfristigen Planung von Bedeutung sind.
Methodische Ausgestaltung der Langfristplanung
Aus den genannten Unsicherheiten hinsichtlich langfristiger Annahmen und Szenarien lässt sich ein Weiterentwicklungsbedarf in der methodischen Ausgestaltung der Planung ableiten. Die Rückmeldungen zeigen, dass insbesondere die Entwicklung belastbarer Annahmen und konsistenter Szenarien als herausfordernd wahrgenommen wird. Dies betrifft sowohl die Ableitung tragfähiger Zukunftsbilder als auch den Umgang mit Unsicherheiten über lange Planungshorizonte.
Die Etablierung klar strukturierter methodischer Ansätze kann dazu beitragen, langfristige Entwicklungen nachvollziehbar abzubilden und die Vergleichbarkeit von Planungsergebnissen über mehrere Perioden hinweg zu erhöhen. Dabei steht weniger die Prognosegenauigkeit im Vordergrund als vielmehr die Transparenz der zugrunde liegenden Annahmen und deren systematische Variation. Die Empfehlungen lauten daher:
- Definition von Methoden, Planungsprämissen, Szenarien und Betrachtungs-Dimensionen,
- Abstimmung sowie Festlegung aktueller und zukünftiger Planungen auf Führungsebene.
Organisatorische Verankerung und Ressourcen
Ein weiteres Handlungsfeld betrifft die organisatorische Verankerung der Langfristplanung innerhalb der Unternehmen. Die genannten Hindernisse deuten darauf hin, dass langfristige Planung häufig zusätzlich zu bestehenden Planungs- und Controllingprozessen erfolgt und nicht immer fest in die regulären Abläufe integriert ist. Begrenzte personelle Ressourcen und konkurrierende Prioritäten erschweren eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit langfristigen Fragestellungen. Hier gelten folgendeEmpfehlung:
- Definition klarer Verantwortlichkeiten für die Langfristplanung innerhalb der Organisation (z. B. im Controlling oder Strategie-Bereich),
- Integration der Langfristplanung in bestehende Planungs- und Steuerungsprozesse sowie Festlegung eines regelmäßigen Planungsrhythmus und damit Verankerung in der Unternehmenssteuerung (z. B. jährliche Durchführung),
- Sicherstellung ausreichender personeller und zeitlicher Ressourcen für die kontinuierliche Weiterentwicklung der Langfristplanung.
Datenbasis und Transparenz
Die Ergebnisse weisen zudem auf ein Handlungsfeld im Bereich Datenbasis und Transparenz hin. Langfristige Planungen erfordern eine konsistente Datenstruktur, die es ermöglicht, Investitions-, Finanz- und Ergebniswirkungen über längere Zeiträume hinweg darzustellen und zu analysieren. Die Nachvollziehbarkeit von Planungsergebnissen sowie deren kommunikative Aufbereitung spielen hierbei eine zentrale Rolle.
Insbesondere im Austausch mit internen Entscheidungsträgern und externen Stakeholdern wird Transparenz über Annahmen, Wirkzusammenhänge und Ergebnisse als wesentliche Voraussetzung für die Akzeptanz langfristiger Planungen deutlich. Hier lauten die Empfehlungen:
- Aufbau einer konsistenten und zentral verfügbaren Datenbasis für langfristige Planungsmodelle,
- Dokumentation und transparente Kommunikation zentraler Annahmen, Wirkzusammenhänge und Modelllogiken,
- Standardisierung von Auswertungen und Ergebnisdarstellungen zur Verbesserung der Nachvollziehbarkeit und Vergleichbarkeit über Planungsperioden hinweg.
Unterstützung strategischer Entscheidungsprozesse
Schließlich lässt sich ein Handlungsfeld in der stärkeren Nutzung der Langfristplanung als strategisches Entscheidungsinstrument identifizieren. Die Umfrageergebnisse zeigen, dass langfristige Planungen insbesondere dort als wertvoll wahrgenommen werden, wo sie als Grundlage für strategische Diskussionen, Investitionsentscheidungen und die Ausrichtung des Unternehmens dienen.
Eine systematische Verknüpfung der Langfristplanung mit strategischen Fragestellungen kann dazu beitragen, zukünftige Handlungsoptionen frühzeitig sichtbar zu machen und Entscheidungsprozesse zu strukturieren. Dabei steht nicht die Ableitung konkreter Maßnahmen im Vordergrund, sondern die Schaffung einer fundierten Informationsbasis für langfristige unternehmerische Entscheidungen. Empfehlungen sind:
- Systematische Verknüpfung der Langfristplanung mit strategischen Fragestellungen und Investitionsentscheidungen,
- Nutzung der Planungsergebnisse als strukturierte Grundlage für strategische Diskussionen auf Management-, Führungs- und Gesellschafter-Ebene,
- Integration von Szenarioanalysen zur Bewertung alternativer strategischer Handlungsoptionen und zukünftiger Entwicklungen.
Fazit
Die Ergebnisse der Kurzumfrage zeigen, dass die langfristige Wirtschaftsplanung in Energieversorgungsunternehmen als wichtiges und relevantes Instrument der Unternehmenssteuerung wahrgenommen wird, ihre konkrete Ausgestaltung jedoch deutlich variiert. Während ein Teil der befragten Unternehmen bereits formalisierte Planungsansätze über den mittelfristigen Horizont hinaus etabliert hat, verzichten andere bislang auf eine systematische Langfristplanung.
Unabhängig vom aktuellen Umsetzungsstand der Langfristplanung verdeutlichen die Antworten, dass über einen längeren Planungshorizont hinweg ein steigender Investitionsbedarf erwartet wird. Gleichzeitig wird die Langfristplanung von den Befragten weniger als Instrument zur exakten Prognose zukünftiger Entwicklungen verstanden. Vielmehr dient sie als strukturierte Grundlage zur Unterstützung strategischer Entscheidungsprozesse sowie zur Schaffung von Transparenz über finanzielle und investive Entwicklungen. Auf dieser Basis bildet sie einen Orientierungsrahmen für die Bereitstellung finanzieller Mittel durch Gesellschafter oder externe Finanzierungspartner.
Die Ergebnisse machen deutlich, dass vorhandene Hindernisse insbesondere in organisatorischen und ressourcenbezogenen Aspekten sowie in der Unsicherheit langfristiger Rahmenbedingungen liegen. Methodische Defizite werden hingegen von den befragten Unternehmen nicht als wesentliches Hemmnis wahrgenommen.
Insgesamt unterstreicht die Kurzumfrage die Bedeutung einer strukturierten Auseinandersetzung mit langfristigen wirtschaftlichen Fragestellungen. Sie liefert EVU eine erste Einordnung des eigenen Planungsverständnisses im Vergleich zu anderen Unternehmen und kann als Ausgangspunkt für eine weiterführende interne Diskussion zur Ausgestaltung und Rolle der Langfristplanung dienen.
Maximilian Bahr, Lisa Wunderlich und Jan Gustav Franke, Utility Partners, Solingen
maximilian.bahr@utility-partners.de