Das Konzept eines Daten-Hubs setzt voraus, dass alle Marktteilnehmer ihre Daten vollständig und automatisiert zur Verfügung stellen können. (Bild: Adobe Stock)
Insbesondere für Verteilnetzbetreiber (VNB), Messstellenbetreiber (MSB) und Lieferanten (LF) gilt: Wer in diesem Umfeld fachlich mitreden will, muss IT-Affinität als Kernkompetenz begreifen. Historisch gewachsene IT-Systeme mit all ihren Workarounds und unternehmensindividuellen Sonderlösungen, wie sie aktuell in den meisten Energieversorgungsunternehmen (EVU) im Einsatz sind, müssen auf eine neue Welt mit Kommunikation über APIs (Application Programming Interfaces) vorbereitet werden. Wenn zukünftig Systeme direkt über Schnittstellen miteinander kommunizieren und Daten austauschen, müssen sie einander verstehen. D. h., Marktkommunikationsprozesse müssen nach dem gleichen Verständnis darin umgesetzt sein. Der Mensch/Sachbearbeiter muss für seine Rolle als zwischengeschaltete Klärungsinstanz weitere IT-Kompetenzen erwerben. Wie können EVU sich auf die neue Situation vorbereiten?
Änderungen in der Marktkommunikation in der Praxis
Komplexe und umfangreiche Änderungen der Marktregeln für den deutschen Energiemarkt stehen regelmäßig auf der Tagesordnung. Kaum ist eine Regel passend in den Prozessen und in den IT-Systemen der Marktteilnehmer umgesetzt und lauffähig, naht schon die nächste Änderung. Sowohl EVU als auch deren IT-Dienstleister stehen diesbezüglich unter massivem Zeitdruck, was zur Folge hat, dass das Ziel einer vollständigen Umsetzung meist nicht erreicht wird, sondern man sich auf diejenigen Funktionalitäten konzentriert, die essenziell für das Funktionieren des Betriebs sind.
Ein Beispiel: Mit dem 6. Juni 2025 als Startdatum des 24-h-Lieferantenwechsels in der Sparte Strom liegt die letzte umfangreiche Anpassung der Prozesse und des betreffenden Datenaustauschs noch nicht lange zurück und in einigen Fällen vielleicht auch noch schwer im Magen. Viele Änderungen waren von grundlegender Bedeutung und bedurften struktureller Anpassungen: positive APERAK, Zeitscheibensystematik in Stammdatenänderungen, die Einführung einer API zur Identifikation der Marktlokations-ID sowie das Auflösen des sog. Stammdatenloops, indem nun die jeweiligen Stammdatenverantwortlichen der Marktrollen die Stammdaten selbst an alle berechtigten Empfänger versenden müssen – ohne die Schleife über einen Verteiler.
Trotz Verschiebung des Startdatums um zwei Monate (ursprünglich vorgesehen war der 4. April 2025) kann von einer reibungslosen Umstellung nicht die Rede sein. Viele Systeme waren tage- oder sogar wochenlang offline. Zahlreiche Erkenntnisse über eine korrekte Umsetzung verschiedener Details wurden erst in den Wochen nach Produktivsetzung gesammelt und umgesetzt. Solche Einschwingphasen sind typisch und in Anbetracht des Umfangs und der Komplexität der Anpassungen offenbar auch erwartbar, denn sonst hätte die Bundesnetzagentur (BNetzA) nicht so viel Pufferzeit zum eigentlichen Zieltermin für einen funktionierenden 24-h-Lieferantenwechsel eingeplant, der über EU-Vorgaben auf den 1. Januar 2026 festgesetzt wurde.