Technische Eignung: Empirische Befunde

Die technische Eignung von ASIC-Mining-Systemen als steuerbare Last ist Gegenstand einer 2025 an der Hochschule Mittweida vorgelegten Masterarbeit, die in Kooperation mit der Deutschen Telekom MMS, dem Bankhaus Metzler und RIVA Engineering durchgeführt wurde [5]. Die Arbeit dokumentiert folgende Messergebnisse. Die Reaktionszeit von Standby auf Volllast liegt bei rund 40 Sekunden (bei Umgebungstemperaturen ≤20 °C), die Rückschaltzeit bei rund 10 Sekunden. Die Einhaltung der Sekundärreserve(aFRR)-Präqualifikationstoleranzen wurde zu 98,54 % nachgewiesen.

Aus energetischer Sicht wird rund 95 % der aufgenommenen elektrischen Leistung als Wärme abgeführt. Die Temperatur liegt je nach Kühlverfahren bei rund 55 °C bei Luft-/Immersionskühlung, bis 75 °C im Falle der Standard-Hydro-Kühlung bzw. bis 90 °C bei WhatsMiner Hydro M7B. Damit ist die Abwärme in einem Temperaturbereich, der für Raumheizung, Brauchwassererwärmung und industrielle Trocknungsprozesse direkt nutzbar ist.

Systemische Einordnung

Ruhnau und Qvist zeigen in ihrer Modellierung einer 100 prozentigen Versorgung Deutschlands aus erneuerbaren Quellen, dass selbst im kostenoptimalen Szenario rund 12 % der EE- Erzeugung (84 TWh/a) abgeregelt werden. Energie, für die weder Speicher noch Netzexport eine wirtschaftliche Lösung darstellen [6]. Die DIW-Studie von Kittel, Roth und Schill bestätigt diesen Befund und quantifizieren den Flexibilitätsbedarf bei EE-Dunkelflauten auf europäischer Ebene [7].

Wasserstoff deckt den Langzeitspeicherbedarf (56 TWh im Modell von Ruhnau und Qvist [6]), verliert aber auf dem Pfad Elektrolyse, Speicherung und Rückverstromung  60-75 % der eingesetzten Energie, je nach Rückverstromungs-Technologie [8]. Für die darüber hinaus verbleibende Abregelungsmenge bieten steuerbare Lasten eine Alternative ohne Speicherinfrastruktur. Sie verwerten den Überschuss unmittelbar als Prozesswärme und digitalen Wert.

Offene Fragen und Ausblick

Die Verbindung von ASIC-Mining und Energieinfrastruktur wirft Fragen auf, die einer nüchternen Abwägung bedürfen. Die Volatilität des Bitcoin-Preises macht die Erlösseite schwer prognostizierbar. Die regulatorische Einordnung im Rahmen des § 13k EnWG ist noch nicht abschließend geklärt. Und die energiepolitische Debatte über den Stromverbrauch des Bitcoin-Netzwerks bleibt kontrovers, wenngleich sie zunehmend differenzierter geführt wird.

Was die Faktenlage zeigt: Das deutsche Energiesystem produziert strukturell mehr erneuerbaren Strom, als es abtransportieren, speichern oder verbrauchen kann. Die Kosten dafür tragen die Netznutzer. Steuerbare Lasten, die diesen Überschuss in einen handelbaren Wert und nutzbare Wärme umwandeln, sind ein regulatorisch verankertes Instrument zur Reduzierung dieser Systemkosten. Ob ASIC-Mining der ökonomisch sinnvollste Anwendungsfall für steuerbare Lasten ist, wird sich am Markt zeigen, wenn sich dieser der Technologie öffnet. Die technische Eignung ist empirisch dokumentiert.

Literatur

[1] Bundesnetzagentur/SMARD: Netzengpassmanagement im Q4 und Gesamtjahr 2025, abrufbar unter: www.smard.de/home

[2] enervis energy advisors: Renewables Power Market Update 2026. Berlin, Februar 2026, abrufbar unter: enervis.de/en/product/renewables-market-report/

[3] Modo Energy: PV Capture Rate Monitor. London, 2025.

[4] Bundesnetzagentur: Festlegung zum Verfahren gemäß §13k EnWG (Az. 4.12.05.04/1). Bonn, 2024, abrufbar unter: www.bundesnetzagentur.de/DE/Fachthemen/ElektrizitaetundGas/Versorgungssicherheit/NSA/Festlegung.pdf

[5] Fritzsche, C. N.: Strategische Nutzung von Bitcoin Mining in Unternehmen: Untersuchung von wirtschaftlichen Potenzialen für Unternehmen mit erneuerbaren Energiequellen. Masterarbeit, Hochschule Mittweida, 2025, abrufbar unter: monami.hs-mittweida.de/frontdoor/deliver/index/docId/16329/file/Masterthesis_Charlie_Fritzsche.pdf

[6] Ruhnau, O. & Qvist, S.: Storage requirements in a 100% renewable electricity system. In: Environmental Research Letters, Vol. 17 (2022) Nr. 4, 044018, abrufbar unter: doi.org/10.1088/1748-9326/ac4dc8

[7] Kittel, M., Roth, A. & Schill, W.-P.: Coping with the Dunkelflaute: Power system implications of variable renewable energy droughts in Europe. November 2024, abrufbar unter: doi.org/10.48550/arXiv.2411.17683

[8] The Oxford Institute for Energy Studies: Power-to-Hydrogen-to-Power: Technology, Efficiency, and Applications, OIES Paper: ET 48, Juli 2025, abrufbar unter: www.oxfordenergy.org/wpcms/wp-content/uploads/2025/07/ET48-Power-to-Hydrogen-to-Power.pdf und International Energy Agency: The Future of Hydrogen: Seizing today’s opportunities, Paris, Juni 2019, S. 158 (Roundtrip-Effizienz Power-to-Hydrogen-to-Power: 60 Prozent Verlust), abrufbar unter: iea.blob.core.windows.net/assets/9e3a3493-b9a6-4b7d-b499-7ca48e357561/The_Future_of_Hydrogen.pdf

[9] ÜNB: Umsetzungskonzept gemäß §13k Abs. 6 EnWG (Erprobungsphase), inkl. Vergütungsrahmen und SNK-Kompensation. Stand 01.01.2025, abrufbar unter: netztransparenz.de

[10] Hirth, L.: The market value of variable renewables: The effect of solar wind power variability on their relative price. In: Energy Economics, Vol. 38 (2013), 218–236.

Lars Eichhorst, Elektromeister und Energieberater, Technischer Risikomanager (DIN ISO 31000, DGWZ), Geschäftsführer, 21PV GmbH, Starnberg; Vorstand Bitcoin Bundesverband (ESG-Ausschuss), Berlin
lars.eichhorst@21pv.de

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