Viele Menschen sitzen auf Stühlen in Reihen hintereinander und hören einem Redner zu.

Bei der 20. Auflage der NRW-Geothermiekonferenz informierten sich über 160 Teilnehmer über aktuelle Fortschritte hinsichtlich der Geothermie in NRW (Quelle: Laufkötter)

Simon Lülsdorf vom NRW-Wirtschaftsministerium berichtete den rund 160 Teilnehmern über aktuelle Projekte, die Fördersituation, derzeitige Planungen und Umsetzungsstrategien. Mit einem Explorations- und Bohrprogramm erkundet das Land gezielt den Untergrund nach Gesteinsschichten, die sich für Geothermie eignen. Aktuell ist eine bis zu 2.000 m tiefe Forschungsbohrung geplant, mit der der Wettbewerb „Übernahme einer Forschungsbohrung zur geothermischen Anschlussnutzung in Nordrhein-Westfalen“ verbunden ist. Gesucht werden ein geeigneter Standort sowie ein potenzieller Erwerber. Das Land NRW übernimmt das Fündigkeitsrisiko für die erste Bohrung. Nur wenn diese erfolgreich ist, nutzt der vorab ermittelte Erwerber sie für sein eigenes Geothermieprojekt. Zu diesem Wettbewerb findet am 12. September um 10 Uhr ein Webinar statt. Weitere Informationen dazu sind zu finden unter www.wirtschaft.nrw

Neben strategischen Fragen dazu ging es auf der Konferenz um konkrete Einblicke zu ersten geplanten Projekten: im Ahrtal, in Solingen, Münster, im Rheinland sowie im Ruhrgebiet, wo vor allem die Bergbaufolgenutzung ein Thema ist. Ermöglicht wird all dies, weil das Land bereits wichtige Weichen gestellt hat.

NRW bietet günstige Voraussetzungen für Geothermie 

Christian Mildenberger, Geschäftsführer NRW.Energy4Climate: „In Nordrhein-Westfalen ist bei der Geothermie in den letzten Monaten einiges passiert: von der Verabschiedung der Energie- und Wärmestrategie des Landes, über den Masterplan Geothermie bis hin zur Entwicklung von Instrumenten zur Absicherung des Fündigkeitsrisikos. Die erste tiefe Forschungsbohrung in NRW dieses Jahr in Krefeld macht große Hoffnung auf eine künftige Nutzung von Geothermie in der ganzen Region. Jetzt kommt es darauf an, solche Vorarbeiten in konkrete und wirtschaftliche Projekte zu überführen.“

Prof. Dr. Rolf Bracke, Fraunhofer IEG: „Um die Wärmewende nachhaltig zu gestalten und um unsere Klimaschutzziele zu erfüllen, ist es in den kommenden Jahren unabdingbar, Geothermie für weitere Kommunen und die Industrie in erheblichem Umfang verfügbar zu machen. Der Untergrund von NRW bietet dafür günstige Voraussetzungen. Mit dem Forschungsinfrastrukturprojekt Reallabor Geothermie Rheinland unterstützen wir – auch als Blaupause für andere Regionen – die Kommunen und die regionale Wirtschaft bei der Erschließung ihrer heimischen Wärmepotenziale.”

Aktuelle Beiträge der Forschung

Über das „Quartier Kannenhof“ und Ergebnisse des Projekts „UrbanGroundHeat“ berichteten Frederick Schacht von den Stadtwerken Solingen und Holger Born vom Fraunhofer IEG. Für die Wärmeversorgung des Quartiers Kannenhof in Solingen wurden verschiedene Varianten betrachtet. Born unterstrich den Wert der oberflächennahen Geothermie für Kommunen und Quartiere. Im Projekt UrbanGroundHeat entwickelt er mit Stadtwerken fallübergreifende Leitfäden und erweitert Planungstools, damit Energieversorger künftig Geothermieprojekte auch im Bestand umsetzen können.

Um den saisonalen Wärmespeicher für die Quartiersversorgung attraktiver zu machen, betonte René Verhoeven vom Fraunhofer IEG den Nutzen eines Mittelfristwärmespeichers. Ein kompakter Wassertank wird kontinuierlich mit geringer Wärmepumpenleistung mit Umweltwärme aufgeheizt. Er hilft später, Lastspitzen kostengünstig zu glätten, die sonst hohe Investitionskosten in Wärmepumpen oder Backup-Heizkessel verursachen. Mittelfristwärmespeicher können den Wärmegestehungspreis senken und den Bedarf an Wärmepumpenleistung halbieren und machen eine Unterstützung durch fossil befeuerte Erzeugungsanlagen unnötig.

Reallabor Geothermie Rheinland 

Neue Optionen für eine zuverlässige, zukunftsfeste und nachhaltige Wärmeversorgung in NRW möchte das „Reallabor Geothermie Rheinland“ der Fraunhofer IEG öffnen, das Bracke in seinem Vortrag vorstellte. Es wird Wärmeversorger, Projektentwickler und Kommunen den Zugang zu geothermalem Know-how ermöglichen. Das Reallabor macht einen ersten Schritt im Strukturwandel vom Kohle- zum Wärmebergbau und damit zu neuer Wertschöpfung, in dem es das Potenzial der Tiefen Geothermie zwischen Aachen und Düren erkundet.

„Erdwärme ist eine Energiequelle mit hoher Versorgungssicherheit: München und Paris, Heerlen und Bochum zeigen, wie es geht“, so Bracke. „Die NRW-Geothermiekonferenz bleibt die führende Austauschplattform für Kommunen, Wirtschaft und Forschung in NRW. Die 20. Auflage, die wir dieses Jahr mit über 160 Teilnehmern feiern, zeigt, dass die Akteure konstant an den neuen Möglichkeiten interessiert sind, die die Ressource Untergrund für die kommunale Wärmeplanung und die Prozesswärme bietet.“

EHP-Redaktion

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