Dicke silberne Fernwärmerohre vor einem Strommast.

Der Electrification Action Plan der Europäischen Kommission benennt die wichtige Rolle von Fernwärme- und Fernkälteinfrastrukturen bei der Elektrifizierung (Quelle: Laufkötter)

Ziel ist es, bis 2030 15 % des Wärmebedarfs in der EU durch Fernwärme und -kälte zu decken. Zudem werden zwei weitere Initiativen vorgestellt: eine EU-Initiative zur Nutzung von Abwärme – mit dem Ziel, bis 2050 11 % des EU-Wärmebedarfs aus Abwärme zu decken – sowie ein Aktionsplan für Wärme und Kälte.

Um Fernwärme- und Fernkältenetze auszubauen, legt der Aktionsplan einen Schwerpunkt auf die Infrastrukturfinanzierung und die Risikominderung. Er kündigt eine erste Pilotauktion mit einem Volumen von 15 Mio. € über die „European City Facility“ an, um lokale Wärme- und Kältepläne zu finanzieren. Ergänzend dazu werden die „Heat Pump Accelerator Platform“ und der „Energy Efficiency Financing Accelerator“ mobilisiert, um Investitionen in Wärmepumpen sowie in den Anschluss an Fernwärme- und Fernkältesysteme zu finanzieren und das damit verbundene Risiko zu verringern. 

Elektrifizierung der Fernwärme und Fernkälte

In Fernwärme- und Fernkältesysteme stiegen zwischen 2023 und 2024 die Kapazitäten für Großwärmepumpen und Elektroheizkessel um 19,6 % bzw. 55 %. Der Anteil erneuerbarer Wärmequellen und von Abwärme erreichte 2024 einen Rekordwert von 46,2 %. Für Europa ergeben sich daraus bedeutende Chancen: Eine aktuelle Studie zeigt, dass Fernwärme bis 2050 rund 55 % des europäischen Wärmemarkts abdecken könnte. Um diese Entwicklung zu beschleunigen, sind jedoch umfangreiche Investitionen erforderlich – darunter 1,16 Billionen € für die Fernwärmeinfrastruktur bis zum Jahr 2050.

Laut Pauline Lucas, Policy Director bei Euroheat & Power, ist der veröffentlichte Aktionsplan dahingehend ausgewogen, als dass einerseits das enorme Potenzial von Fernwärme- und Fernkältenetzen zur Beschleunigung der Elektrifizierung genutzt und andererseits Raum für die Ausarbeitung spezifischer Instrumente im Rahmen eines „Cooling and Heating Action Plan“ gelassen wird. „Dies ist eine hervorragende Nachricht, die unserem Sektor die richtigen Wachstumssignale gibt – wenngleich auch der Rahmen für die Zeit nach 2030 entscheidend sein wird, um regulatorische Planungssicherheit zu gewährleisten und Investitionen zu fördern.“ 

Lucas fügte hinzu: „Abwärme ist eine der größten ungenutzten Quellen für saubere Wärme in Europa und bietet eine einmalige Chance, Elektrifizierung, Energieeffizienz und Dekarbonisierung in großem Maßstab miteinander zu verknüpfen. Die angekündigte EU-Abwärmeinitiative sollte auf dem besonderen Beitrag aufbauen, den Fernwärme- und Fernkältesysteme bei der Rückgewinnung und Nutzung dieser wertvollen Energie in Gebäuden und der Industrie leisten.“

EHP-Redaktion

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