Die positive Entwicklung der Heatexpo und die Bedeutung der Wärmewende betonten (v.l.) Dr. Dennis Rendschmidt, Geschäftsführer VDMA Power Systems, VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing und Sabine Loos, Hauptgeschäftsführerin der Westfalenhallen Unternehmensgruppe (Quelle: Laufkötter)
Bis 2045 soll die Wärmeversorgung in Deutschland klimaneutral sein. Doch 82 % der Deutschen trauen der Politik nicht zu, den Umstieg auf klimaneutrales Heizen sozial gerecht zu gestalten. Das geht aus einer repräsentativen Civey-Umfrage unter 5.000 Bürgern im Auftrag des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) hervor, die zum Start der Heatexpo veröffentlicht wurde. VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing fordert die Politik zum Handeln auf: „Die Zweifel der Deutschen sind ein Weckruf an die Politik. Die Wärmewende braucht Akzeptanz. Das setzt voraus, dass die Wärmewende für alle machbar ist – auch finanziell. Deswegen brauchen wir Reformen bei der Wärmewende.“
Auf die Frage, was die Politik bei der Wärmewende besser machen können, antworten 48 % der Befragten mit weniger Bürokratie bei der Umsetzung. 43 % der Befragten setzen auf klare und verlässliche Vorgaben, 40 % sind für realistischere Ziele und Fristen. Das deckt sich weitgehend mit den Ergebnissen einer VKU-Umfrage unter 609 Stadtwerken.
Agenda für die Politik
Deshalb appelliert der Verband an die Bundesregierung, einen Winter der Entscheidungen einzuläuten. Auf der Agenda müsste neben dem Gebäudeenergiegesetz das Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz (KWKG) stehen, das den Ausbau der Fernwärme unterstützt. „Das kommt den Fernwärmekunden zugute und ist auch volkswirtschaftlich sinnvoll: Denn die über das KWKG geförderten, hocheffizienten KWK-Anlagen sichern nicht nur den Fernwärmehochlauf ab, sondern auch die Stromversorgung“, so Liebing. Zudem brauche es ein Fernwärmepaket aus AVB FernwärmeV und Wärmelieferverordnung.
„Die Bundesregierung sollte die Sorgen mit Blick auf die Bezahlbarkeit ernst nehmen und bei der Wärmewende mehr auf Kosteneffizienz achten und strukturelle Reformen anschieben“, sagte der VKU-Chef. „Damit die Wärmewende für alle bezahlbar bleibt, gibt es kein Allheilmittel, sondern nur eine Mixtur an verschiedenen Maßnahmen.“
Prozesswärme in der Industrie
Maßnahmen bräuchte es auch im Hinblick der Defossilierung der Prozesswärme, erläuterte Dr. Dennis Rendschmidt, Geschäftsführer VDMA Power Systems, im Rahmen der Eröffnungspressekonferenz der Heatexpo. Der Endenergieverbrauch für Prozesswärme in der Industrie beläuft sich auf 411 TWh, von denen 72 % mit fossilen Energieträgern erzeugt werden. Die gute Nachricht: Das Elektrifizierungspotenzial industrieller Prozesse liegt bei etwa 90 %. Für Wärme für Prozesse bis 200 °C ist das mögliche Wärmeangebot durch Wärmepumpen sogar größer als der Wärmebedarf.
Doch die unsichere Preisentwicklung von Gas- bzw. Strompreisen bremse laut Rendschmidt die Transformation in der Prozesswärme aus. Zudem seien langsame Netzanschlüsse und fehlende Kapazitäten Hindernisse für die Marktentwicklung. „Die klimaneutrale Wärmeerzeugung ist heute bereits technologisch ausgereift und unter den richtigen Rahmenbedingungen wirtschaftlich darstellbar“, so Rendschmidt.
Heatexpo wächst in allen Bereichen
Technologien rund um die klimaneutrale Wärmeerzeugung präsentierten zahlreiche Aussteller der Heatexpo, die ihren Wachstumskurs im dritten Jahr fortsetzte: Die Zahl der Aussteller ist weiter gestiegen, die Hallenfläche wurde erweitert und das Programm ist in Breite und Tiefe ausgebaut worden.
„Die Heatexpo zeigt, wie breit und praxisnah die Branche heute schon an der Zukunft arbeitet“, sagte Sabine Loos, Hauptgeschäftsführerin der Westfalenhallen Unternehmensgruppe. „Hier treffen Stadtwerke auf Industrie, Technologieanbieter auf Kommunen und Start-ups auf etablierte Player. Aus diesem direkten Austausch entstehen Kooperationen, die Projekte wirklich voranbringen.“
Das Heatexpo-Forum bot an allen drei Messetagen ein hochkarätiges Vortrags- und Diskussionsprogramm. Mit dem Kommunalen Campus rückte die Messe die praktische Umsetzung in Städten, Gemeinden und Landkreisen in den Fokus. Im Mittelpunkt der Bundesabwärmetagung, die im Rahmen der Heatexpo stattfand, stand die gezielte Vernetzung. Und erstmals gab es auf der Messe eine eigenständige Start-up Area, in der junge Unternehmen innovative Lösungen zeigten. – Der Termin für die vierte Ausgabe der Heatexpo steht bereits fest: 24. bis 26. November 2026.