Drei Männer stehen vor einer blau-grünen Wand, auf der "Heute für Morgen" steht.

Der Vorstand der MVV Energie präsentierte die Bilanzzahlen des Geschäftsjahrs 2025 (v.l.): Dr. Hansjörg Roll, Ralf Klöpfer und Dr. Gabriël Clemens (Quelle: Laufkötter)

Obwohl der bereinigte Umsatz von MVV für das Geschäftsjahr 2025 wegen rückläufiger Großhandelspreise mit 6,1 Mrd. € unter dem Vorjahr (7,2 Mrd. €) lag, erwirtschaftete das Unternehmen ein Adjusted EBIT von 360 Mio. €. „Damit haben wir – angesichts eines herausfordernden Marktumfelds – ein Ergebnis erzielt, mit dem wir zufrieden sein können“, erklärte Clemens. Zwar liegt das Ergebnis unter dem des Vorjahres (426 Mio. €), das sei aber von Anfang an so erwartet und prognostiziert worden, betont Clemens: „In den Jahren 2023 und 2024 gab es diverse Sondereffekte, die für ein außergewöhnlich gutes Ergebnis gesorgt haben. Uns war klar, dass sich diese nicht wiederholen werden.“

Gesteigert hat sich MVV hinsichtlich des Investitionsvolumens: Insgesamt 501 Mio. € – 84 Mio. € mehr als im Vorjahr – flossen in Projekte der Wärmewende, Stromwende und grüne Kundenlösungen. Es handelt sich dabei um eines der höchsten Investitionsvolumen der Unternehmensgeschichte, das das Unternehmen im laufenden Geschäftsjahr deutlich erhöhen will.

Wärmewende weiter voranbringen

Im Zuge der Wärmewende entsteht auf dem Gelände der Grosskraftwerk Mannheim AG eine zweite MVV-Flusswärmepumpe mit einer thermischen Leistung bis 165 MW. Sie soll im Winter 2028 in Betrieb gehen. Für die vollständige Vergrünung der Fernwärme in Mannheim und der Region plant MVV zudem eine dritte Flusswärmepumpe sowie die Nutzung regionaler Geothermie. Einen ersten Standort für ein Erdwärmeheizwerk hat die Geohardt GmbH, ein Joint Venture von MVV und EnBW, Mitte November bekannt gegeben. 

Auch in Offenbach und Kiel stellt MVV auf eine klimaschonende Wärmeerzeugung durch Großwärmepumpen um: In Offenbach wird dafür die Abwärme aus Rechenzentren, in Kiel das Wasser der Kieler Förde genutzt. Zudem ist geplant, das dortige Küstenkraftwerk an das Wasserstoffkernnetz anzubinden. „Allein für den Ausbau des Fernwärmenetzes nehmen wir in Mannheim, Kiel und Offenbach in den nächsten zehn Jahren mehr als 700 Mio. € in die Hand“, sagte Clemens.

Politische Rahmenbedingungen notwendig

Wie schnell das Unternehmen auf seinem Kurs Richtung „klimapositiv“ vorankomme, hänge u.a. von den Entscheidungen der einzelnen Kunden ab, die in der Energiewende inzwischen eine zentralere Rolle einnehmen. „Gerade in dieser Phase ist es wichtig, dass die nachhaltige Versorgung mit Energie eine Balance findet: zwischen Klimaschutz, Wirtschaftlichkeit und Versorgungssicherheit. Und sie funktioniert nur mit breiter gesellschaftlicher Akzeptanz – durch Verlässlichkeit, faire Rahmenbedingungen und soziale Verträglichkeit“, so der MVV-Chef. 

Entscheidend seien zudem die politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen. „Für die Transformation des Wärmesektors muss die EU-Gasbinnenmarkt-Richtlinie zügig in nationales Recht umgesetzt werden. Denn nur mit klaren rechtlichen Vorgaben können Netzbetreiber handeln. Es ist ein gutes Signal, dass die Bundesregierung das Gesetzgebungsverfahren noch im Jahr 2025 gestartet hat“, sagte Clemens. Ebenfalls positiv bewertet er die Verabschiedung des Geothermie-Beschleunigungsgesetzes durch den Bundestag Anfang Dezember.

Hinsichtlich der Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW) forderte er, dass die Vereinbarung des Koalitionsvertrags umgesetzt werde, derzufolge die BEW in ein Gesetz mit einem gesetzlichen Förderanspruch überführt und aufgestockt werden soll. „Nach Berechnungen der Branche sind etwa 3,5 Mrd. € pro Jahr für die Transformation der Fernwärme nötig“, so der MVV-Chef.  

Der Umbau des Energiesystems sei eine enorme Aufgabe, die alle Bereiche der Gesellschaft betreffe. „Wir als MVV leisten unseren Beitrag“, sagte Clemens und schloss: „Wir tun das, weil es richtig ist. Und weil es wirtschaftlich vernünftig ist.“  

EHP-Redaktion

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