Fachkräftemangel verursacht Zeitdruck

Diskussionsrunde zur Qualitätssicherung

Zur Qualitätssicherung ist die Dokumentation wichtig, waren sich die Experten einig (v.l.): Dr. Stephan Richter, Stefan Dettmer, Rolf Besier, Michael Stolze, Michael Haushahn und Rainer Schöller (Quelle: Laufkötter)

Das Fachpersonal ist rar, die Baubranche boomt, das Ergebnis ist Zeitdruck. „Mancher Muffenmonteur stellt abends im Graben die letzte Muffe fertig in dem Wissen, dass er anschließend noch 600 km fahren muss, um am nächsten Morgen auf der nächsten Baustelle beginnen zu können“, berichtet Dr. Stephan Richter, Vorstand der GEF Ingenieur AG, aus der Praxis. Das gehe zwangsläufig zu Lasten der Qualität.

Die Situation am Markt ist so zugespitzt, dass Auftraggeber teilweise froh sind, überhaupt Angebote zu bekommen. Dabei stehen sie nicht nur unter Kostendruck, sondern müssen sich oft auch mit der Umsetzung beeilen, um zeitlich befristete Fördermittel abrufen zu können. Einige Baubeteiligte machen sich dies anscheinend zu Nutzen, indem sie anbieten, auf die Dokumentation, die in den Leistungsbeschreibungen zur Sicherung der Qualität gefordert wird, zu verzichten, um damit Zeit zu gewinnen. Dem Auftraggeber würde dies mit Kostensenkungen schmackhaft gemacht, so Richter: „Wir haben festgestellt, dass die Preise, die die Baufirmen für diese Kontrollmaßnahmen ansetzen, zum Teil etwa 20 bis 30 % des Muffenpreises ausmachen. Es wird angeboten – das machen nicht die Systemhersteller im Wesentlichen, sondern die Baufirmen –, dass es durch das Weglassen der Muffendokumentation deutlich billiger wird.“ 

20 bis 30 % des Preises für die Muffendokumentation hält Kauschat für sehr hoch: „Dann würde ich nur noch Muffendokumentation machen.“ Auch Andreas Lederle, Geschäftsführer der Erdwärme Grünwald und der Geothermie Unterhaching, sind derartige Angebote unbekannt. 

Dokumentation zur Sicherstellung der Qualität

Die Dokumentation ist zur Sicherstellung der Qualität wichtig. Darin waren sich alle Diskutanten einig. „So wie die Stahlschweißnaht zu dokumentieren ist, ist auch die Muffenmontage zu dokumentieren: Die wesentlichen Arbeitsbedingungen sollten sich aus einem Protokoll, z.B. mit Fotografien, ergeben. Es sollte auch klar sein, welcher Muffenmonteur das gemacht hat“, sagte Besier. „Wenn ganz auf die Dokumentation verzichtet wird, dann macht man einen gewissen Blindflug. Das kann später zu erheblichen Problemen führen“, warnte er. 

Während eine Schweißnaht im Rohrleitungsgraben zerstörungsfrei geprüft werden kann, gibt es für eine Muffe bisher kein Mittel, eine zerstörungsfreie Prüfung vor­zunehmen. „Umso wichtiger ist eine umfassende, zeitnahe und vollständige Dokumentation“, sagte Holger Hamers, Projektleiter, Bereichsleiter Bau- und Qualitätsüberwachung bei GEF. Das Ingenieurbüro fordert seit Jahren eine umfassende Fotodokumentation für die Herstellung der KMR-Muffen und Dehnpolster in den Leistungsbeschreibungen und damit den Bauverträgen. Neben der ausführlichen Beschreibung der Dokumentationsbestandteile sind in den Leistungsbeschreibungen auch Fristen genannt, wann die jeweiligen Dokumentationsunterlagen vorzuliegen haben. Die entsprechenden Abläufe zur Übergabe der Unterlagen an den Auftraggeber bzw. die Bauüberwachung sind ebenfalls beschrieben. Die Dokumentation sei wichtig, bestätigte Dettmer. „Wir prüfen jede Schweißnaht und nehmen jede Muffe einzeln ab“, erklärte Schöller. 

Doch das ist nicht überall so. Die Dokumentation muss nicht nur erstellt werden, sondern auch vom Fernwärmeversorger rechtzeitig geprüft werden, bevor die Graben bereits wieder zugeschüttet sind. Allerdings herrscht auch auf Seiten der Betreiber teilweise ein Fachkräftemangel. Langjährige Mitarbeiter gehen in den Ruhestand und werden aus betriebswirtschaftlichen Gründen nicht ersetzt oder durch Mitarbeiter aus anderen Sparten, denen nicht die Möglichkeit gegeben wurde, sich lange genug in die Fernwärme einzuarbeiten. Fehlende Fachkompetenz mache sich auch bei den Ausschreibungen bemerkbar, bei denen beispielsweise nicht selten die Dokumentation der Qualitätssicherung nicht enthalten sei, stellten die Rohrleitungshersteller fest. 

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