Im Herbst 2026 ist ein Abschluss-Workshop geplant, in dem die Ergebnisse und Wasserstoff-Empfehlungen präsentiert werden. (Bildquelle: AdobeStock_412231467)
„Unser Modellansatz ist nun fertig validiert und ermöglicht uns verschiedene Technologien zu Versorgungskonzepten zu kombinieren, die wir in ausgewählten Stadtgebieten unter Berücksichtigung unterschiedlicher Szenarien berechnen“, sagt Philipp Schroer, Projektleiter von Seiten des Fraunhofer IEG. In den vergangenen Monaten wurden dafür umfangreiche Datenquellen zusammengeführt, darunter vor-Ort Begehungen, Unternehmens- und Registerdaten sowie Informationen von Stadtwerken und Netzbetreibern.
Im Fokus steht dabei vor allem das Gewerbegebiet Habinghorst, in dem eine intensive Analyse der Energiebedarfe, aufgeteilt nach Prozess- und Raumwärme sowie resultierenden Nutzerstrombedarfe, ermittelt wurde. Die Szenarien orientieren sich dabei explizit an der Bedarfsseite, da im Ruhrgebiet durch die hohe Bevölkerungsdichte der Bedarf die erneuerbaren Erzeugungspotentiale übersteigt. Daher muss auch das Zusammenspiel von Verbrauch und Erzeugung berücksichtigt werden, um mögliche Engpässe oder Überlastungen im Energiesystem durch den Einfluss von Photovoltaik- und Windenergieausbau zu berücksichtigen. Wasserstoff muss sich als ein Baustein in dieses bereits vorahnende und stetig entwickelnde Energiesystem einbetten und kann hier die Rolle einer Ausgleisenergie einnehmen. Für eine ökonomische Umsetzung ist insbesondere der perspektivische Anschluss an das Wasserstoff-Kernnetz entscheidend, der den Betrieb lokaler H2-Erzeugungs- und Rückverstromungsanlagen in Zukunft rechtfertigen können.
Herausforderungen im dynamischen Umfeld
Nach Aussage von Schroer hätten sich die Rahmenbedingungen während der Projektlaufzeit spürbar verändert, zum Beispiel durch politische Wechsel, verändertes Interesse der Abnehmerseite und ein Abflachen des Wasserstoffhypes. Gleichzeitig zeige sich die Komplexität, eine gesamte Stadt abzubilden, weshalb der Fokus gezielt auf ausgewählte Stadtgebiete gelegt wurde. Philipp Schroer: „Gerade in Clustern liegen große Chancen für den wirtschaftlichen Einsatz von Wasserstoff. Gebündelte Bedarfe ermöglichen Lösungen, die für einzelne Unternehmen allein oft nicht tragfähig wären.“
In den kommenden Monaten sollen die Ergebnisse gemeinsam mit Unternehmen und Partnern weiter geschärft werden. Im Herbst ist dafür ein Abschluss-Workshop geplant. Ziel sei es, praxisnahe und tragfähige Ansätze für eine klimaneutrale Energieversorgung in Castrop-Rauxel aufzuzeigen und diese mit den ansässigen Unternehmern zu diskutieren. Gemeinsam sollen so Potentiale für Castrop-Rauxel - und beispielhaft für andere Regionen - entwickelt werden.
Initiative H2Raum
Die Initiative H2Raum wird gefördert durch das Förderprogramm „T!Raum – TransferRäume für die Zukunft von Regionen“ des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt. Ziel des Förderprogramms ist, in strukturschwachen Regionen langfristig zukunftsweisende Innovationen und den Strukturwandel gleichermaßen voranzutreiben. Im Speziellen will der H2Raum dafür sorgen, dass die Wasserstoffakteure im Ruhrgebiet voneinander lernen, gemeinsam diskutieren und miteinander Wasserstoffprojekte entwickeln und durchführen. Der H2Raum adressiert dabei alle Interessierten vom Start-up über kleine und mittelständische Unternehmen, Hochschulen, Bildungs- und Forschungseinrichtungen über Studierende, Schülerinnen und Schüler bis in die Zivilgesellschaft hinein.