Timo Ross, Wireless Logic mdex: »Energieunternehmen müssen jetzt Zukunftsentscheidungen treffen«

Timo Ross, Wireless Logic mdex: »Energieunternehmen müssen jetzt Zukunftsentscheidungen treffen«. (Bildquelle: Wireless Logic mdex)

Allen Ankündigungen der Mobilfunknetzbetreiber zum Trotz war die lange geplante Abschaltung des 3G-Netzes in den USA buchstäblich ein Blackout durch die Hintertür. Im Jahr 2022 verschwanden Zehntausende von IoT-Geräten still und leise aus den Unternehmensnetzwerken. Dies betraf nicht nur Einbruchs- und Brandmeldeanlagen, medizinische Notruf- oder Fernüberwachungssysteme, sondern auch wichtige Komponenten wie Zähler im Netzwerk von Energieversorgern. In einer Stadt in North Dakota konnten beispielsweise Wasserzähler und Anlagen nicht mehr überwacht und verwaltet werden. In der amerikanischen Presse verbreitete sich der Begriff »Alarmageddon« in Anspielung auf den Ausfall zahlreicher Notrufsysteme.

In Deutschland war die 3G-Abschaltung noch glimpflich verlaufen. Zwar mussten seinerzeit ältere 3G-Geräte auf 4G aufgerüstet werden, doch weniger leistungshungrige IoT-Geräte fielen einfach auf 2G zurück. 

Das 2G-Netz in Deutschland soll ab Juni 2028 eingestellt werden, um den Betreibern mehr Kapazität für LTE und 5G zu verschaffen. Dies könnte empfindlichere Folgen als die Abschaltung des 3G-Netzes im Jahr 2021 haben. Existiert das 2G-Netz nicht mehr, »verschwinden« diese Altgeräte nämlich einfach aus dem IoT.

Das größte Risiko für die Energiewirtschaft ist dabei nicht ein umfassender Schwarzfall, sondern der schleichende Verlust von Transparenz über kritische Systeme.

Handlungsbedarf bei deutschen Energieversorgern

Wie viele 2G-Verbindungen in kritischen Infrastrukturen in Deutschland noch betrieben werden, ist offiziell nicht bekannt. Das Marktforschungsinstitut Gartner schätzt jedoch, dass in Deutschland mindestens noch 700 000 2G-Verbindungen im industriellen IoT existieren.

»Bereits jetzt besteht aufgrund der geplanten 2G-Abschaltung im Jahr 2028 Handlungsbedarf«, erklärt Timo Ross, Managing Director vom Mobilfunk-Dienstleister Wireless Logic mdex. »Oftmals sind Hunderte Sensoren, Router, Zähler und weitere kritische Geräte im Feld installiert; teils ohne dokumentierte Netztechnologie. Der große Umfang der Netze vor allem bei Energieversorgern erfordert eine genaue Inventur vernetzter Geräte. Das bedeutet neben den erforderlichen Investitionen einen erheblichen Zeitaufwand.«

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