Preis- und Mengenrisiken: Wir können die Risiken bei der Gasbeschaffung beherrschen - Seite 2

Jens Nixdorf zum Thema Gasbeschaffung
Jens Nixdorf: Viele Stadtwerke wollen das Mengenrisiko auf den Vorlieferanten abwälzen. Dafür haben wir das Produkt RegioFlat entwickelt. (Bildquelle: Gas-Union)

RegioFlat spricht meines Erachtens vor allem kleine und mittlere Stadtwerke an, also Unternehmen, die traditionell ein begrenztes Engagement für den Beschaffungsprozess zur Verfügung stellen. Wie verhält es sich mit den im Beschaffungsprozess hoch involvierten Unternehmen, also Stadtwerken, die eher strukturiert beschaffen. Erkennen Sie auch in diesem Sektor Veränderungen?

Nixdorf: Auch Unternehmen, die strukturiert beschaffen, sind im vergangenen Jahr für Risiken deutlich sensibler geworden. Denn bei der strukturierten Beschaffung sind ausreichende Flexibilitäten einzuplanen. Diese können am Spotmarkt eingekauft werden und genau dort haben wohl einige Unternehmen im März 2018 Geld verloren. Daneben ist zu berücksichtigen, dass der Gasmarkt im Jahr 2018 volatiler geworden ist. Dadurch steigt das Preisrisiko deutlich an.

Getreu dem Spruch »das gebrannte Kind scheut das Feuer« müsste die Zahl der Unternehmen, die strukturiert beschaffen, doch eher zurückgehen, oder?

Nixdorf: Davon gehe ich nicht aus. Die strukturierte Beschaffung bietet dem Einkäufer eine ganze Reihe von Möglichkeiten, seinen Erdgasbezug zu optimieren. Der Einkäufer kann frei entscheiden, mit welchen Standardprodukten und Fahrplänen er sein Portfolio befüllt. Er kann situationsbedingt jeweils das beste Produkt auswählen. Versicherungsbedürftig sind die Flexibilitäten. Hier sollte eine Absicherung der Spotmarktrisiken erfolgen.

Ist eine solche Absicherung nicht sehr schwierig, weil die Prognose des Gasbedarfs komplex ist. Die Güte der Prognose hat erheblichen Einfluss darauf, wie exakt die Flexibilitäten quantifiziert werden können. Nur so kann auch das Risiko ordentlich bewertet werden. Wie lässt sich ein solches Dilemma lösen?

Nixdorf: Gas-Union hat an dieser Herausforderung im vergangenen Jahr intensiv gearbeitet. Unser Lösungsansatz ist in ein neues Produkt mit dem Namen VarioSafe eingeflossen. VarioSafe überlässt dem Stadtwerk die freie Beschaffung am Markt. Gas-Union übernimmt dabei die Spotmarktrisiken im Erfüllungszeitraum. Das können wir deshalb absichern, weil wir für unseren Geschäftspartner die Prognose und das Bilanzkreismanagement übernehmen. So kann das Stadtwerk frei strukturiert beschaffen, ohne das Spotmarktrisiko übernehmen zu müssen. Auch das Produkt VarioSafe stellen wir auf der E-world 2019 in Essen erstmals vor.

Zum Schluss, wie schätzen Sie die Marktentwicklung für das Jahr 2019 ein?

Nixdorf: Der Gasmarkt wir auch im Jahr 2019 volatil sein. Bei den Stadtwerken und auch bei den Industriebetrieben wird sich die Bereitschaft erhöhen, für die Entlastung von Preis- und Mengenrisiken einen angemessenen Betrag zu zahlen. Der Markt wird sich dabei weiter konsolidieren und der Anteil der Geschäfte über Plattformen und Net-basierte Apps wird weiter steigen. Gas-Union hat deshalb in den vergangenen Jahren enorm in die Entwicklung digitaler Anwendungen investiert. So bieten wir mit dem Gas-Union-Dashbord und über unsere Beteiligung an der Plattform Tender365 dem Kunden unterschiedliche Möglichkeiten, webbasiert Gas zu handeln.

Martin Heinrichs
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