Der modular erweiterbare Netzanalysator UMG 801 eingebaut in eine Ortsnetzstation Bildquelle (alle Bilder) Janitza electronics GmbH
Netzbetreiber dürfen den netzwirksamen Leistungsbezug von steuerbaren Verbrauchseinrichtungen und Energie-Management-Systemen (EMS) bei drohenden Netzengpässen reduzieren, wenn ein Engpass durch eine Netzzustandsermittlung festgestellt wird. Wie komplex ist dieses Verfahren aus Ihrer Sicht?
Das Gesamtverfahren rund um den Paragraph 14a ist schon sehr komplex. Das liegt an verschiedenen Marktrollen. Neben dem Netzbetreiber spielt auch der Messstellenbetreiber eine wesentliche Rolle – ein Aspekt, der oft unterschätzt wird. Ich bemerke die Unsicherheit auch im privaten Umfeld, beispielsweise beim Einbau einer Wallbox oder Wärmepumpe. Unter den Endanwendern gibt es noch viele Fragenzeichen: Was fällt alles darunter? Ab welchem Punkt darf der Netzbetreiber bei steuerbaren Verbrauchseinrichtungen eingreifen und die Anlagen herunterregeln? Hier muss noch einiges an Aufklärungsarbeit geleistet werden. Darüber hinaus spielen komplexe Prozesse und regulatorische Fragen eine zentrale Rolle. Wir sind ja in Deutschland, wo alles reguliert ist. Daher ist es tatsächlich ein sehr herausforderndes Thema. Dennoch bin ich zuversichtlich, dass wir das umgesetzt bekommen. Aber man darf es eben nicht auf die leichte Schulter nehmen.
Welche konkreten Erfahrungen haben Sie bislang in der Umsetzung der Vorgaben bei Netzbetreibern gemacht?
Wir bei Janitza beschäftigen uns intensiv mit dem Thema, allerdings bilden wir derzeit nur Teilschritte der gesamten Regelkette ab. Die gesamte Prozesskette – von der Messung des Netzzustands im Verteilnetz auf Ebene von Ortsnetzstationen oder Kabelverteilern über die Ableitung eines dynamischen Netzmodells in einem sogenannten digitalen Zwilling und der Netzzustandsschätzung bis hin zur Anlagenregelung – hat meines Wissens noch niemand außerhalb von Pilotprojekten durchgeführt. Solange intelligente Messsysteme und steuerbare Verbrauchseinrichtungen nicht flächendeckend vorhanden sind, können wir über diese Systeme nicht wirklich regeln. Von daher sind die Erfahrungen noch überschaubar, mit Ausnahme von Teilbereichen, wie der Installation von Messtechnik. Große Verteilnetzbetreiber haben dafür inzwischen eigene Abteilungen aufgebaut. In kleineren Unternehmen hingegen trägt häufig nur der Netzmeister die gesamte Verantwortung. Ohne weitere Aufklärungsarbeit wird es schwer, ein grundlegendes Verständnis für den Gesamtprozess zu erreichen.