
Ein abgangsscharfes Messen ermöglicht der modular erweiterbare Energieanalysator UMG 800
Neben dem Erfüllen der gesetzlichen Vorgaben können die Netzbetreiber selbst von der gesteigerten Transparenz im Netz profitieren, etwa beim Netzausbau. Wie schätzen Sie die Situation ein?
Durch die zusätzliche Messtechnik gewinnen Netzbetreiber deutlich mehr Transparenz. So können sie – ganz nach dem Prinzip ‚Intelligenz statt Kupfer‘ – ihre Betriebsmittel besser auslasten. Ein praktisches Beispiel: Eine Trafostation läuft mit 90 Prozent, die Nachbarstation dagegen nur mit 20 Prozent. Durch eine Trennstellenverlagerung lassen sich beide auf etwa 50 Prozent Auslastung bringen. Diese Pufferzone schont die Betriebsmittel. Ein weiterer Vorteil ist die Erkennung von Unsymmetrien im Netz. Die Ursache kann beispielsweise durch den Anschluss von Wallboxen an derselben Phase sein. Durch die hohe Transparenz erkennen die Netzbetreiber dann tatsächlich ihre kritischen Betriebsmittel und Netzgebiete. Damit können sie viel gezielter handeln und müssen nicht mehr nur auf Bauchgefühl oder reine mathematische Berechnungen setzen. Allerdings ist ‚Intelligenz statt Kupfer‘ nur zum Teil möglich, da die BNetzA die Netzbetreiber etwa bei verstärkten Eingriffen durch das Dimmen von Anlagen weiterhin zum Netzausbau verpflichten kann.
Wie stellt sich die Zusammenarbeit zwischen reinen Messgeräten und intelligenten Messsystemen konkret dar und wo können beide Lösungen voneinander profitieren?
Da kommt der digitale Zwilling ins Spiel – hier lassen sich die Daten aus verschiedenen Quellen zusammenführen. Durch die Kombination von Betriebs- und Abrechnungsmessung lässt sich feststellen, ob etwa falsche Dokumente vorliegen. Ist beispielsweise ein Haushalt oder eine Industrieanlage an einer anderen Station angeschlossen als in den Unterlagen verzeichnet? So lässt sich die Datengrundlage wesentlich verbessern. Spannend ist auch, wenn ich die Auslastung der Trafostation kenne und die Messergebnisse im Endstromkreis oder beim Endanwender vorliegen. So lassen sich nichttechnische Verluste wie Stromdiebstahl aufdecken und das Spannungsband überprüfen. Jede Erzeugungsanlage im Netz hebt die Spannung an, um Energie ins Netz einzuspeisen. Die EN 50160 schreibt vor, dass Netzbetreiber das Spannungsband von plus/minus zehn Prozent um 230 Volt oder 400 Volt einhalten müssen. Wenn man ausschließlich an der Trafostation misst, wird es schwierig. Erst durch genauere Messwerte lässt sich die Stufenstellung des Transformators so anpassen, dass das Spannungsband über die gesamte Länge eines angeschlossenen Kabels hinweg stabil bleibt.