In den vergangenen Jahren hat sich Multinormschutzkleidung durchgesetzt, weil diese außer gegen Störlichtbögen gegen viele weitere Gefahren schützt.

Wer in der Energieversorgung tätig ist, ist i. d. R. auf Multinormschutzkleidung angewiesen (Bild: Bierbaum-Proenen)

Ein lauter Knall, ein heller Blitz, fliegende Funken – und verheerende Auswirkungen: Wenn ein Störlichtbogen an einer elektrischen Anlage auftritt, werden innerhalb kürzester Zeit gewaltige Mengen an Energie freigesetzt. Das gefürchtete Phänomen entsteht durch einen ungewollten Spannungsüberschlag zwischen ungenügend isolierten elektrischen Leitern oder zwischen diesen und der Erde. Mögliche Ursachen können sowohl mensch­liche Fehler als auch eine technische Fehlfunktion sein.

Die Folgen eines Störlichtbogens für die Betroffenen sind gravierend und können im Extremfall tödlich sein. In der Lichtsäule des Bogens liegt die Temperatur kurzzeitig bei über 9.000 °C, sie ist also fast doppelt so hoch wie auf der Sonnen­oberfläche. Die Stromstärke erreicht Werte von mehreren Kiloampere. Lebensgefährlich für einen Menschen können schon Stromschläge von unter 100 mA sein, wie sie aus einer haushaltsüblichen Steckdose kommen. Die große Hitze und die hohen Stromstärken werden begleitet von einer Druckwelle, die sich schnell ausdehnt. Und damit nicht genug der Gefahren: Die elektromagnetische Strahlung des Störlichtbogens kann zu schweren Schädigungen von Haut und Augen führen, und die toxischen Gase, die durch die Verbrennung entstehen, können beim Menschen Verätzungen und Vergiftungen hervorrufen.

Vielfältige Gefahren

"Vor allem Mitarbeiter von Stadtwerken und Energieversorgern oder Beschäftigte in Industrieunternehmen gehören zu den Berufsgruppen, die besonders von den Gefahren eines Störlichtbogens betroffen sind", sagt Christof Lübke, PSA-Spezialist beim Kölner Hersteller BP – Bierbaum-Proenen. »Sie müssen daher immer Schutzkleidung tragen." Dabei lässt sich in den vergangenen Jahren ein eindeutiger Trend beobachten: Immer mehr Unternehmen setzen nicht auf reinen Störlichtbogenschutz, sondern auf Multinormschutzkleidung. Diese bietet neben dem Störlichtbogenschutz auch Schutz gegen elektrostatische Aufladung, gegen Hitze und Flammen. Multi­normschutzkleidung eignet sich darüber hinaus ebenfalls – zumindest eingeschränkt – als Schutzkleidung gegen flüssige Chemikalien. Und auch beim Schweißen schützt sie den Träger, solange es sich nicht um schwere oder schwerste Schweiß­arbeiten handelt. "Multinormschutzkleidung eignet sich für alle Beschäftigten, die temporär verschiedenen Risiken ausgesetzt sind", weiß Lübke.

Die Gründe für die stetig steigende Nachfrage nach Multinormschutzkleidung sind vielfältig. Ganz allgemein hat der Arbeitsschutz in den vergangenen Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Schließlich kostet jeder Betriebsunfall Geld, senkt die Produktivität und kratzt am Image des Unternehmens. Zum anderen sind auch die Compliance-Regeln der Unternehmen strenger geworden. "Das äußert sich beispielsweise darin, dass in großen Anlagen von Energieversorgern oder in Industrieparks, in denen längst nicht alle Berufsgruppen Schutzkleidung tragen müssten, nur noch Beschäftigte in Multinormschutzkleidung aufs Gelände kommen. Damit ist das Unternehmen im Fall der Fälle abgesichert", erklärt Lübke. Auch in Berufen, in denen man früher nur bei manchen Arbeiten Schutzkleidung tragen musste und sich dafür dann umgezogen hat, wird heute durchgehend Schutzkleidung getragen. Das hat natürlich auch mit der Arbeitsverdichtung zu tun, denn heutzutage werden viele verschiedene Tätigkeiten von einer Person erledigt. Und nicht zuletzt haben auch die Tätigkeiten in Gefahrenbereichen zugenommen.

Königsklasse der PSA

Für Hersteller ist die Entwicklung von Multinormschutzkleidung eine große Herausforderung – nicht umsonst gilt die Kleidung als Königsklasse der PSA. »In der Entwicklung müssen wir sehr viele Aspekte im Blick haben und die Balance finden zwischen den verschiedenen Anforderungen der Träger und der Arbeitgeber«, erklärt BP-Experte Lübke.

An erster Stelle und über allem steht natürlich die Sicherheit. Multinormschutzkleidung muss ein ganzes Bündel von Normen erfüllen. Das stellt hohe Anforderungen an die Materialien. Die Herausforderungen in der Produktentwicklung sind demnach deutlich größer als im Workwear-Bereich, in dem die Kleidung keine Normen erfüllen muss: "Wir müssen Lösungen finden, die einerseits den hohen Ansprüchen der Normen genügen. Andererseits muss die Schutzausrüstung aber so leicht und komfortabel sein, dass ein Mitarbeiter sie den ganzen Tag lang problemlos tragen kann und sich dauerhaft in seiner Kleidung wohlfühlt", schildert Lübke.

Denn gerade hinsichtlich Tra­gekomfort und Design legen die ­Beschäftigten heute ebenso vergleichbar hohe Maßstäbe an ihre Schutzkleidung wie an ihre Freizeitkleidung, Outdoor- oder Sportswear. Das ist ja auch verständlich, schließlich tragen sie ihre Berufs­bekleidung täglich zwischen acht und zehn Stunden. Wer seine Schutzkleidung so lange trägt, der muss sich in seiner PSA wohlfühlen. Bewegungsfreiheit, eine richtig gute Passform und Leichtigkeit sind dabei genauso wichtig wie ein attraktives Design.

 

1 / 2

Ähnliche Beiträge