Durchdachte Gewebemischungen für mehr Leichtigkeit

In den vergangenen Jahren hat sich Multinormschutzkleidung durchgesetzt, weil diese außer gegen Störlichtbögen gegen viele weitere Gefahren schützt.

Immer mehr Unternehmen setzen nicht auf reinen Störlichtbogenschutz, sondern auf Multinormschutzkleidung (Bild: Bierbaum-Proenen)

Das Thema Leichtigkeit ist vor allem vor dem Hintergrund der immer heißeren Sommer sehr wichtig. ­Zudem sind die Arbeitsplätze, an denen Multinormschutzkleidung getragen werden muss, häufig per se sehr warm und die Arbeiten schweißtreibend. Die Frage ist: Wie schafft man es Schutzfunktion und Leichtigkeit zu verbinden? "Zum Beispiel durch durchdachte Gewebemischungen, die vergleichsweise leicht sind und dennoch sehr haltbar und widerstandsfähig", erklärt Experte Lübke. "Wir mischen beispielsweise inhärent flammhemmende Fasern mit Baumwolle, ­Polyamid und sonstigen Fasern."

Früher bestand PSA oft aus flammhemmend ausgerüsteter Baum­wolle. Das Problem: Die Kleidung kann bei jedem Waschen kleiner und härter werden. Außerdem ist die Grammatur, also das Gewicht, sehr hoch. So gab es etwa zweilagige Lösungen mit einer Grammatur von etwa 350 g/m2 je Lage, also 700 g/m2 insgesamt. "Das hatte schon etwas Rüstungsartiges", sagt Lübke. "Zum Vergleich: Wir arbeiten heute bei unserer Multinorm-Schutzkleidung mit einem Gewebemix, der in der Störlicht­bogenschutzklasse 1 mit 245 g/m2 auskommt. In der Schutzklasse 2 sind nur die besonders gefährdeten Stellen doppellagig ausgerüstet – der Frontbereich und die Ärmel der Jacke sowie der Frontbereich der Hose. Vom Tragegefühl ist diese PSA absolut vergleichbar mit zeitgemäßer Arbeitskleidung aus Industrie und Handwerk."

Der Gewebemix trägt aber nur einen Teil zum Gefühl der Leichtigkeit bei. Der wahrscheinlich größte Beitrag zur gefühlten Leichtigkeit kommt durch die aufgepatchten segmentierten Reflexstreifen. Die Kleidung verliert deutlich an Gewicht und nimmt an Bewegungsfreiheit zu.  Auch die Ergonomie der PSA spielt eine Rolle. Wenn sich die Kleidung den Bewegungen der Träger anpasst und die Menschen nicht gegen Widerstände arbeiten müssen, empfinden sie die PSA ­automatisch als viel leichter. Schließlich verbringen viele Träger von Multinormschutzkleidung einen Großteil ihrer Arbeitszeit in Zwangshaltungen, also beispielsweise im Muffengraben. Da darf die Kleidung nicht zwicken oder behindern. "Die Summe der vermeintlich kleinen Dinge ist es, die sehr große Auswirkungen auf das Tragever­halten haben. So haben wir bei­spielsweise die untere Ärmelpartie schmaler gemacht, damit die Schutzhandschuhe leicht darüber zu ziehen sind", beschreibt Lübke.

Industriewäschetauglich und nachhaltig

Ein ganz anderer Aspekt, den vor allem die Arbeitgeber im Blick haben, ist die Industriewäschetauglichkeit der Kleidung nach ISO 15797. Denn egal, ob es nun Stadtwerke sind, Energieversorger oder Industrieunternehmen – so gut wie alle Unternehmen lassen ihre Schutzkleidung professionell und hygienisch wiederaufbereiten. Diesen Trend hat die Corona-Pandemie noch befeuert. Denn die Industriewäsche ­einschl. Hygienewäsche geschieht i. d. R. bei Temperaturen bis zu 75 °C. Keime und Viren, und auch das Corona-Virus, werden dabei abgetötet. "Für die Kleidung ist die Industriewäsche allerdings ein echter Härtetest", spricht Lübke aus Erfahrung. Warum? "Weil die sehr hohen Wasch- und Trockentemperaturen und die starken mechanischen und chemischen Einwirkungen der Industriewäsche sehr anspruchsvoll für Qualität und Langlebigkeit der Kleidung sind." Damit ist die Grundlage geschaffen, dass mit der Wiederaufbereitung in der Industriewäsche die Schutzfunktion der PSA erhalten bleibt.

Und es kommt noch ein weiteres Kriterium hinzu, das gerade bei kommunalen Stadtwerken und öffentlichen Ausschreibungen einen immer höheren Stellenwert einnimmt: die ökologisch und sozial verträgliche Produktion der Kleidung. In diesem Bereich setzen Hersteller zunehmend fair gehandelte Baumwolle ein und lassen die Produktion ihrer Kleidung durch unabhängige Initiativen wie etwa die Fair Wear Foundation überwachen und auditieren. "Auch diese Anforderungen müssen wir als Entwickler, neben den vielen Bedürfnissen der Träger, immer im Blick haben", sagt Lübke. Das ist auch der Grund dafür, warum die Entwicklungszeit bei Schutzkleidung recht lange dauert. "Es müssen immer sehr viele Faktoren bedacht und aufeinander abgestimmt werden, bevor eine Kollektion allen Ansprüchen gerecht wird und auf den Markt kommen kann. Das ist manchmal sehr komplex und zeit­intensiv – aber schließlich geht es um den Schutz von Leben."

www.bp-multinorm-schutzkleidung.com

Matthias Wenten, Kommunikationsberater und Fachjournalist für Arbeitsschutz, Document1, Uedem, wenten@document1.de

2 / 2

Ähnliche Beiträge