Wirkung einer Klimaprämie

Tab. 2: CO2-Vermeidungskosten bei Anwendung eines Prämienprogramms für Wäschetrockner

Tab. 2: CO2-Vermeidungskosten bei Anwendung eines Prämienprogramms für Wäschetrockner (Bildquelle: Büro Ö-quadrat GmbH)

Nachfolgend soll am Beispiel eines Wäschetrockners beispielhaft die Kosten- und Klimarelevanz einer solchen „Klimaprämie“ untersucht werden. Hierbei wird unterstellt, dass mit einer Prämie von 50 € das „Umswitchen“ einer Kaufentscheidung von einem nicht A+++-Wäschetrockner (325 kWh/a) auf einen effizienten Wärmepumpentrockner (177 kWh/a) bewirkt wird, was über den Lebenszyklus von 15 Jahren hinweg einen Strom-Minderverbrauch von 2.240 kWh bewirkt. Berücksichtigt man die Mitnahmeeffekte bei den 31 % der Trockner mit höchster Effizienzklasse, vermindert sich die durchschnittliche Einsparung pro gefördertem Gerät auf 1.540 kWh. Dies entspricht einer CO2-Einsparung von 0,75 t.

Die Prämie (nicht die Kosten) pro vermiedene t CO2 läge dann bei 67 €. Die eigentlichen Kosten für das Prämienprogramm, d.h. die Kosten für die Umsetzung des Prämienprogramms (Informationsmaterial, Kommunikation, Verwaltung), wären mit etwa 30 € pro Gerät oder rund 40 €/t CO2 anzusetzen (Tab. 2).

Warum wird hier zwischen der Prämie und den Transaktionskosten unterschieden? Prämien sind aus volkswirtschaftlicher Sicht keine Kosten. Sie sind Transferzahlungen, die in diesem Falle von der Staatskasse in die Haushaltskasse fließen. Hinter der Prämienzahlung (dem reinen Geldtransfer) steckt keine volkswirtschaftliche Leistung. Für die Ermittlung der CO2-Vermeidungskosten müssen jedoch die Transaktionskosten als echte Kosten berücksichtigt werden.

Volkswirtschaftliche Vorteile

Prämienprogramme machen aus ökologischer, betriebswirtschaftlicher und volkswirtschaftlicher Perspektive Sinn. Da die Lebenszykluskosten effizienter Geräte ohnehin wesentlich niedriger sind, rechnet sich der Kauf der effizientesten Geräte für den Haushalt durch die zusätzliche Prämie noch besser.

Bei der volkswirtschaftlichen Betrachtung muss der Mehraufwand für die Produktion effizienterer Geräte mit den eingesparten Stromerzeugungskosten verglichen werden. Im vorliegenden Fall kann festgestellt werden, dass die erreichten Stromkosteneinsparungen ein Vielfaches des Mehraufwandes für die effizienteren Geräte betragen. Mit anderen Worten: Dieselbe Dienstleistung (Kühlung, Wäschewaschen, Trocknen) kann mit viel geringerem gesellschaftlichen Aufwand erbracht werden.

Einordnung der Vermeidungskosten

Vergleicht man die ermittelten CO2-Vermeidungskosten mit den externen Kosten der CO2-Emissionen, die vom Umweltbundesamt mit 180 €/t angegeben werden [10], so drängt sich die Frage auf, warum Programme mit sehr geringen volkswirtschaftlichen CO2-Vermeidungskosten und hohem volkswirtschaftlichen Vorteil nicht genutzt werden, während stattdessen die eingesetzten ineffizienten Technologien hohe CO2-Emissionen und somit hohe externe Kosten verursachen.

Darüber hinaus muss festgestellt werden, dass den Transferzahlungen und den Transaktionskosten bei einem Prämienprogramm hohe Kosteneinsparungen der Haushalte gegenüberstehen, die ein Vielfaches der Programmkosten betragen.

Abwrackprämie

Grundsätzlich wäre auch ein vorzeitiger Geräteaustausch sowohl aus ökologischer wie aus ökonomischer Sicht sinnvoll [11], vor allem für Kühl- und Gefriergeräte mit Baujahr vor 2005 sowie für alte Geschirrspüler und ineffiziente Kondensations-Wäschetrockner und Abluftwäschetrockner [12].

Mit einer Abwrackprämie könnten Anreize gegeben werden, solche ineffizienten Altgeräte bereits vor Ende ihrer technischen Nutzungsdauer aus dem Verkehr zu ziehen.

Das so erreichbare Einsparpotential lässt sich jedoch schwer quantifizieren, da keine Zahlen über die Verteilung von verbrauchsintensiven Altgeräten in bundesdeutschen Haushalten verfügbar sind.

Zusammenfassung und Ausblick

Um die angesichts des fortschreitenden Klimawandels erforderlichen CO2-Minderungsziele zu erreichen, bedarf es an Instrumenten, die schnell umgesetzt und rasch wirksam werden sowie zusätzlich geringe CO2-Vermeidungskosten verursachen. Ein Klima-Prämienprogramm für hocheffiziente Haushaltsgeräte sowie ein entsprechendes Abwrack-Prämienprogramm wären geeignete Instrumente, um diese Ziele zu erreichen.

Geht man davon aus, dass durch ein bundesweit gut umgesetztes Prämienprogramm die Hälfte der Kaufentscheidungen hin zu marktbesten Haushaltsgeräten beeinflusst werden könnten, so ließe sich der Stromverbrauch in Deutschland über die Lebensdauer der Geräte um etwa 2,6 TWh reduzieren. Hinzu käme ein nicht quantifizierbares Einsparpotenzial, das sich durch den vorzeitigen Ersatz von Altgeräten im Rahmen eines Abwrack-Prämienprogramms ergibt.

Folgende Instrumente stehen grundsätzlich zur Verfügung:

  • Klimaschutz-Kaufprämie für besonders sparsame Haushaltsgeräte (beispielsweise der A+++-Geräte): In einer ersten überschlägigen Betrachtung ergeben sich die CO2- Vermeidungskosten von ca. 40 €/t CO2 (ohne Transferzahlung in Höhe der Prämie).
  • Abwrackprämie für besonders verbrauchsintensive Haushaltsgeräte [13]: Eine solche Prämie würde vor allem die ineffizienten Altgeräte der Baujahre 2005 und früher betreffen, die noch in Betrieb sind. Das CO2-Einsparpotenzial ist hier besonders groß, da alte Stromfresser durch besonders sparsame Haushaltsgeräte ersetzt würden.
  • Verkaufsverbot für Geräte unterhalb der A+++-Effizienzklasse: Diese auf den ersten Blick radikal anmutende Maßnahme könnte über eine Verschärfung der Eco-Design-Richtlinie eingeleitet werden. Sie würde Bürge- rinnen und Bürger davor schützen, ein vermeintlich billiges, aber ineffizientes und langfristig teures Neugerät zu erwerben. Eine reflexartige „Verbotskultur“-Diskussion würde ausbleiben, da der Haushaltsgerätemarkt genügend Bestgeräte zu einem sehr günstigen Preis anbietet. Die Wirkung auf die Gerätehersteller, hier noch intensiver an energiesparenden Technologien zu arbeiten, wäre zudem beträchtlich.
  • Verschärfung Eco-Design-Richtlinie: Im Hinblick auf die im März 2021 kommenden neuen Energielabels würde sich anbieten, die Verschärfung der Eco-Design-Richtlinie anhand des Energieeffizienzindexes vorzunehmen, der die Grundlage für die Eingruppierung in die Effizienzklassen darstellt. Die Bundesregierung sollte sich auf der EU-Ebene für eine entsprechende Verschärfung der Eco-Design-Richtlinie einsetzen.
  • Verhaltensbedingte Einsparpotentiale fördern: Nach wie vor lassen sich durch den richtigen Gebrauch der Haushaltsgeräte (Volle Waschmaschine, Wäschetrocknung im Frei­en, niedrigere Waschtemperatur etc.) weitere Einsparungen erzielen. Um diese zu mobilisieren bedarf es Informationsportale, Infoprogramme, Schulungen, u.v.m., auch unter Einbeziehung der Verbraucherzentralen.

Anmerkungen

[1] Die Betriebskosten umfassen die Stromkosten sowie die Wasserkosten (bei Geschirrspülern und Waschmaschinen). Spül- bzw. Waschmittelkosten werden nicht berücksichtigt, da sie unabhängig von der der Effizienzklasse der Geräte anfallen. Reparaturkosten werden ebenfalls nicht berücksichtig, da hierzu keine Daten vorliegen.

[2] Die angegebenen Kaufpreise sind gemittelte Verkaufspreise im Online-Einzelhandel und wurden im Oktober 2019 erhoben.

[3] Als Verbrauchsangaben wurden die Herstellerangaben auf den Energielabels verwendet. Der tatsächliche Verbrauch hängt vom Nutzungsverhalten ab.

[4] Dies entspricht dem durchschnittlichen Strompreis aller Haushalte in 2018 (Quelle: Statistisches Bundesamt, März 2018). Dieser Preis setzt sich aus Arbeitspreis und Messpreis zusammen. Wir gehen davon aus, dass der Arbeitspreis durch die Kosten der Energiewende in den nächsten Jahren moderat ansteigen wird. Gleichzeitig wird durch die Beschlüsse des Klimapakets 2030 eine gewisse Entlastung bei der EEG-Umlage erfolgen. Deshalb wurde über den Betrachtungszeitraum von 15 Jahren mit dem aktuellen Durchschnittspreis gerechnet.

[5] Datenbasis: Haushaltsgerätedatenbank www.spargeraete.de, Stand Oktober 2019.

[6] Hierbei wurde unterstellt, dass Geräte mit hohen und niedrigen Stromverbräuchen gleichhäufig verkauft werden.

[7] Für die durchschnittlichen Emissionen der Stromerzeugung wurden der vom Umweltbundesamt angegebene Wert von 0,486 kg CO2 pro kWh angesetzt (Quelle: Umweltbundesamt, März 2019: Entwicklung der spezifischen Kohlendioxid-Emissionen des deutschen Strommix in den Jahren 1990-2018). Tatsächlich ist mit einer höheren CO2-Minderung zu rechnen, da bei einem geringeren Stromverbrauch die fossilen Kraftwerke entsprechend zurückgefahren werden müssen, während die regenerativen Energiequellen unvermindert einspeisen, da sie Einspeisevorrang haben.

[8] Solange die Effizienzunterschiede zwischen den Verbrauchsklassen bestehen.

[9] Bei der Gestaltung der Prämie ist darauf zu achten, dass keine Lenkungswirkung hin zu nicht nachhaltigen Produkten entsteht (z.B. durch Festlegung von maximalem Kühlvolumen oder maximalen Verbrauchswerten).

[10] Das Umweltbundesamt (UBA) empfiehlt für im Jahr 2016 emittierte Treibhausgase, 180 €2016 pro t CO2) als zentralen Kostensatz für die Klimakosten zu verwenden (€2016 bezeichnet die Kaufkraft des € im Jahr 2016). Quelle: https://www.umweltbundesamt.de/daten/umweltwirtschaft/gesellschaftliche-kosten-von-umweltbelastungen#textpart-5

[11] Das Öko-Institut empfiehlt Kühlgeräte, die vor dem Jahr 2000 gekauft wurden oder in die Energieeffizienzklasse B oder schlechter eingruppiert sind, durch Neugeräte der höchsten Effizienzklasse A+++ zu ersetzen. Quelle: https://www.oeko.de/fileadmin/oekodoc/FAQ-Langlebigkeit-elektronische-Produkte.pdf

[12] Eine genauere Abgrenzung, welche Geräte vorzeitig ersetzt werden sollten, findet sich bei Öko-Institut: FAQ Langlebigkeit von Elektrogeräten im Haushalt, Stand: Oktober 2018.

[13] Eine Liste besonders verbrauchsintensiver Altgeräte gibt es in Kürze auf der Datenbank von Ö-quadrat.

Die Eingruppierung in die Effizienzklassen darstellt. Die Bundesregierung sollte sich auf der EU-Ebene für eine entsprechende Verschärfung der Eco-Design-Richtlinie einsetzen.

Verhaltensbedingte Einsparpotentiale fördern. Nach wie vor lassen sich durch den richtigen Gebrauch der Haushaltsgeräte (Volle Waschmaschine, Wäschetrocknung im Frei- en, niedrigere Waschtemperatur etc.) weitere Einsparungen erzielen. Um diese zu mobilisieren bedarf es Informationsportale, Infoprogramme, Schulungen, u.v.m., auch unter Einbeziehung der Verbraucherzentralen.

Literatur

Datenbank Büro Ö-quadrat: www.spargeraete.de

Öko-Institut: FAQ Langlebigkeit von Elektrogeräten im Haushalt, Stand: Oktober 2018.

Öko-Institut/Büro Ö-quadrat: Kosten und Nutzen eines Prämienprogramms für besonders effiziente Kühl- und Gefriergeräte, Freiburg 2007.

Statistisches Bundesamt März 2018. Entwicklung Strompreise.

Umweltbundesamt 7/2018: Ausstattung privater Haushalte mit Gebrauchsgütern. www.umweltbundesamt.de/daten/private-haushalte-konsum/konsum-produkte/ausstattung-privater-haushalte-gebrauchsguetern#textpart-1

Umweltbundesamt 1/2019: Gesellschaftliche Kosten von Umweltbelastungen. www.umweltbundesamt.de/daten/umweltwirtschaft/gesellschaftliche-kosten-von- umweltbelastungen#textpart-1

Umweltbundesamt 10/2019: Entwicklung der spezifischen Kohlendioxid-Emissionen des deutschen Strommix in den Jahren 1990-2018.

 

Dr. S. Albert-Seifried, Mitgeschäftsführer und Leiter des Bereichs Energiesparende Haushaltsgeräte, D. Seifried, Gründer und Geschäftsführer der Büro Ö-quadrat GmbH, Freiburg; J. Leuchtner, Gesellschafter triolog Freiburg

sas@oe2.de

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