Zielerreichung für fünf Indikatoren unrealistisch
Der Indikator Sektorkopplung Verkehr verschlechtert sich um einen Prozentpunkt auf 43 %. Im Oktober 2023 fuhren 2,2 Mio. Elektrofahrzeuge auf Deutschlands Straßen – nach den Zielen der Bundesregierung hätten es (linear interpoliert) 4,9 Mio. sein sollen. Grund ist, dass die Zulassungswelle von 2020/21 merklich abgeebbt ist: Die Zahl der Neuzulassungen lag im vergangenen Halbjahr mit knapp 250.000 auf dem niedrigsten Stand der letzten drei Jahre. Das ist ein Viertel dessen, was es pro Halbjahr braucht, um das Ziel von 15 Mio. E-Autos im Jahr 2030 zu erreichen.
Die Kosten für Netzeingriffe sind von 24 auf knapp 17 €/MWh gesunken, aber immer noch weit von den angestrebten 1 €/MWh entfernt. Und die Chancen des Indikators, aus seiner 0-prozentigen Zielerreichung aufzusteigen, stehen weiterhin schlecht: Im ersten Halbjahr 2023 ist das Redispatchvolumen gegenüber dem Vergleichszeitraum nochmals um 35 % auf fast 18.000 TWh gestiegen. Mit einem Anteil von rund 75 % bildet es damit den größten Kostentreiber von Netzeingriffen. Die derzeit sinkenden Brennstoffpreise wirken da nur geringfügig dämpfend.
Auch der Ausbau der Transportnetze bleibt mit einem aktuellen Zielerreichungsgrad von 40 % weit hinter seinen Zielen zurück: In der ersten Jahreshälfte 2023 wurden 128 km zugebaut – rund 600 km pro Halbjahr wären aktuell notwendig für die Zielerreichung. Die Gesamtlänge beträgt jetzt 2.586 km und damit weniger als die Hälfte der angestrebten 6.014 km – trotz gesetzlich beschleunigter Genehmigungsverfahren. 2023 wurden rund 1.000 km Zubau bewilligt, für 400 km davon konnte das Verfahren sogar übersprungen und unmittelbar mit dem Bau begonnen werden. Dies lässt auf eine weitere Beschleunigung des Ausbaus hoffen. Allerdings werden ab 2025 mit den zusätzlich geplanten Bauprojekten auch die Zielwerte für die Transportnetze steigen.
Bei den Gesamtenergiekosten Haushalte hat das Statistische Bundesamt eine neue Wägung eingeführt, wonach der Anteil der Energiekosten am Warenkorb der Verbraucher – bei gleichen Preisen – um knapp 25 % geringer ist als vorher. Damit passt sich auch die Zielerreichung an. 100 % sind jetzt bereits erreicht, wenn der Anteil der Energiekosten am Warenkorb 7,8 % beträgt – nach der alten Wägung waren es noch 10,1 %. Für das Jahr 2023 liegt der Anteil der Energiekosten demnach nun bei 9,6 % (gegenüber 12,6 % vorher) und damit nur leicht unter dem Wert vom Halbjahr zuvor (9,7 %). Der Indikator steigt in seiner Zielerreichung auf 51 %, bleibt aber stabil unrealistisch.
Für den Indikator Sektorkopplung Wärme wurden keine neuen Daten veröffentlicht. Die Zielerreichung beträgt somit weiterhin 64 %.
Zwei Indikatoren auf der Kippe
Der CO2e-Ausstoß sinkt um 73 Mt auf 673 Mt. Ursächlich hierfür ist neben schwacher Konjunktur auch die geringere Kohleverstromung (-30 % gegenüber 2022). Allerdings dürfte der Emissionsrückgang nur vorübergehend sein, hauptsächlich getrieben durch die hohen Energiepreise. Nach Berechnungen von Agora Energiewende sind lediglich etwa 15 % der CO2-Einsparungen im Jahr 2023 auf langfristige Effekte zurückzuführen. Daher befindet sich der Indikator trotz einer Zielerreichung von 95 % weiterhin auf der Kippe.
Die gesicherte Reservemarge befindet sich aktuell ebenfalls im realistischen Bereich der Zielerreichung und steigt sogar noch einmal leicht von 5,2 % auf 5,6 %. Grund hierfür ist der Zubau von 1,4 GW Gaskraftwerken, während im gleichen Zeitraum 2023 weniger als 200 MW aus der Kohleverstromung vom Netz gingen. Doch die geplante Stilllegung von weiteren Kohlekraftwerken könnte die Reservemarge noch in diesem Jahr drastisch verschlechtern, daher bleibt der Indikator vorerst auf der Kippe. Ändern könnte sich dies allerdings, wenn die Bundesnetzagentur (wie schon seit 2021 im Umfang von 7 bis 9 GW) Stilllegungen verhindert, um Versorgungsengpässe zu vermeiden.
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